Mit ihren Mahnwachen, die beispielsweise alle zwei Wochen vor dem Schlachthof in Rottenburg stattfinden, wollen die Aktivisten auf friedliche Weise und argumentativ auf ein Leben ohne tierische Produkte, einen veganen Lebensstil aufmerksam machen.
„Ich will leben, Fleisch ist Mord“, „Pflanzen essen gegen Tierleid. Du entscheidest“ oder „Kein Tier ist egal“ stand auf den Plakaten, die die Gruppe hochhielten oder an die Mauer zum Schlachthofgelände in der Hindenburgstraße gelehnt hatten.
Spaziergänger, die an diesem regnerischen Abend noch in den Eyachauen unterwegs waren, blieben stehen, sahen sich das Geschehen von Weitem an. Die wenigen, die an der Mahnwache vorbeischlenderten, wechselten nur kurz ein paar Worte mit jungen Leuten. Ein paar Landwirte verfolgten diese erste Aktion ihrer Art in Balingen von der anderen Straßenseite, nahmen jedoch keinen Kontakt mit der Gruppe auf.

„Betrauern die Tiere, die angeliefert werden“

Was sie dort machen? Marco Colicchio erklärte den „Akt der Barmherzigkeit“: „Die Tiere, die heute hier angeliefert werden, betrauern wir. Wir wollen eine Stimme für die Opfer des Speziesismus sein.“ So sollte auch eine Schweigeminute die Mahnwache abschließen.
Marco Colicchio und seine Mitstreiter mussten nicht lange warten: Schon bald nachdem sie ihre Schilder ausgepackt und eine Grabkerze angezündet haben, rollten die ersten Fahrzeuge von Landwirten mit Tieren auf ihren Anhängern an und luden diese auf dem Hof ab. Einige aus der Gruppe filmten und fotografierten das für Posts in den sozialen Netzwerken.
„Für manches Tier ist es der einzige Moment in seinem Leben, an dem es Tageslicht sieht“, sagte Mitstreiterin Hanna. Wie Marco erzählt, hätten sich im Vorfeld einige Landwirte bereit erklärt, sich mit den Aktivisten zu unterhalten. Kurz vorher hatte ihn jedoch die Mitteilung erreicht, dass das abgesagt ist.

Aktivisten wollen auf veganen Lebensstil aufmerksam machen

Mit ihren Mahnwachen, die beispielsweise alle zwei Wochen vor dem Schlachthof in Rottenburg stattfinden, wollen die Aktivisten auf friedliche Weise und argumentativ auf ein Leben ohne tierische Produkte, einen veganen Lebensstil aufmerksam machen. „Proteine kann man prima aus Hülsenfrüchten beziehen, zumal im Fleisch oft Antibiotika und Hormone enthalten sind“, erklärte Hanna.
Dass an diesem Abend die Polizei mit einer Zwei-Mann-Streife vor Ort war, hatte laut Marco Colicchio den Grund, dass die Ortsgruppen nach der Ankündigung der Mahnwache in den sozialen Netzen offen angefeindet und bedroht worden waren.
Obwohl sich die Organisation wünsche, dass alle Schlachthäuser schließen, „haben wir nichts mit der Schließung des Hofs in Balingen zu tun“, betonte Marco. Dass die Mahnwache vor dem Balinger Schlachthof stattfindet durfte, habe mit dem Recht auf Meinungsfreiheit in Deutschland zu tun, sagte Karl Binder, der 25 Jahre lang Geschäftsstellenleiter in Balingen war. „Aber jeder darf auch essen, was er will.“ Fleischesser würden seiner Ansicht nach nicht so schnell von der Bildfläche verschwinden.

Schlachthof als regionaler Partner für Landwirte und Metzger

Mit dem Hof in Balingen hätten diese, Landwirte und Metzger einen Partner, der auf Regionalität setze. Sein Sohn Karsten führt den Hof inzwischen und versicherte, dass keine Tiere gequält würden. 150 Schweine befänden sich derzeit im Stall, versorgt und schlafend.
Eine Einrichtung mit kurzen Anfahrtswegen bräuchte es in der heutigen Zeit, sagte er, und verwies auf den auslaufenden Pachtvertrag zwischen der Stadt Balingen und der Firma Färber, die den Hof vor drei Jahren übernommen hat. Diese wäre bereit, den Hof „zu einem angemessenen Preis“ von der Stadt zu kaufen und ihn weiter zu betreiben.

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