Balingen Probleme mit Müll, Scherben, Graffiti

Riesige Graffiti an neuen Unterständen zeigen: „Ich war da.“ Jugendliche sind auf dem neuen Jugendplatz am Bahnhof selten zu sehen, nutzen diesen aber, sagen Balinger Streetworker.
Riesige Graffiti an neuen Unterständen zeigen: „Ich war da.“ Jugendliche sind auf dem neuen Jugendplatz am Bahnhof selten zu sehen, nutzen diesen aber, sagen Balinger Streetworker. © Foto: Pascal Tonnemacher
Balingen / Pascal Tonnemacher 02.06.2018

Endlich ist der Jugendplatz beim Balinger Bahnhof fertig. Mit den Unterständen, die den Jugendlichen nun auch bei Wind und Wetter einen Platz zum Verweilen geben sollen, kommen die ersten Probleme.

Graffiti an den Holzwänden, Scherben auf den Bänken und zuvor auch schon Müll. Verhalten, das die mobilen Streetworker Nadine Hempke und Mike Buck akzeptieren. „Wir sind ja keine Polizei oder das Ordnungsamt“, sagt Hempke.

„Das ist mein Platz“

Graffiti zeigen: Das ist mein Platz. Flaschen zeigen: Wir haben hier was getrunken, hier fühlen wir uns wohl. Jugendtypische Aktionen, die sie auf pädagogische Art und Weise interpretiert. Aktionen Einzelner, die oftmals auf alle Jugendliche zurückfallen.

Jochen Brendle, Leiter des Kinder- und Jugendbüros der Stadt, ist es wichtig, den Jugendlichen Freiräume einzuräumen, aber auch Grenzen zu ziehen und Fehlverhalten zu ahnden. Diese Erziehung zu angemessenem und rücksichtsvollem Verhalten müsse auch im Zusammenspiel mit Ordnungsamt und Polizei, der Jugendarbeit und allen Balingern stattfinden, so Brendle.

Immer mal wieder treffen die Streetworker am neuen Jugendplatz junge Menschen, aber auch ältere an – bislang nach eigenen Angaben leider nur vereinzelt. Auch wenn Graffiti aussagen, dass sie da waren, benennen die Streetworker Probleme.

„Wir versuchen mit allen in den Dialog zu gehen und zu fragen, ob ihnen das Graffiti gefällt, was sie sich wünschen, warum sie da sind und was ihnen auch fehlt“, sagt Hempke. Durch das Akzeptieren des altersgemäßen Verhaltens und die Begegnung auf Augenhöhe könne viel mehr erreicht werden.

Außerdem problematisch laut Hempke: Die jungen Leute waren bei der Erstellung des Jugendplatzes nicht mit eingebunden – das war ursprünglich nämlich geplant (wir berichteten).

Jochen Brendle kennt die Gründe: Die große Verzögerung seit vergangenem Jahr, die Ferienzeit und Haftungsgründe bei den Jugendlichen zählt er auf. Überlegt werde nun, die Schutzlasierung an den Hütten als Projekt mit Jugendlichen anzubringen. Viele Jugendliche würden den Platz aber nicht mal kennen, sagt Hempke. Auch wenn die beiden Streetworker immer wieder darauf hinweisen würden.

„Junge Leute können so einen Platz attraktiv finden, müssen es aber nicht“, sagt Hempke. Es fehle beispielsweise ein Plätzchen zum Grillen dort. Auch aus dem Hinteren Kirchplatz sei bis auf das Wasserangebot kein Platz für junge Leute geworden. Das würden Jugendliche den Streetworkern bestätigen. Generell mangele es jedoch trotz neuem Jugendplatz in Balingen an Plätzen für junge Leute, zwei bis drei in jedem Stadtteil wären ideal, so Hempke. Brendle sieht die wichtige Arbeit hingegen im Austausch und der Auseinandersetzung über eine verträgliche und akzeptable Nutzung der Plätze. „Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, dass es solche Plätze geben muss, so wie es in jedem Wohngebiet einen Kinderspielplatz gibt“, kritisiert Hempke. Sie würde es begrüßen, wenn die Stadt mehrere Plätze schaffen würde, die für Jugendliche attraktiv sind. Denn meist besetze eine Clique einen Platz, die anderen seien dann außen vor. Diese suchen sich dann den Raum, den sie haben wollen – auch dort, wo sie die Stadt nicht haben will, so Hempke.

Wie die Stadt in der Zeit bis zum neuen Jugendhaus mit den Jugendlichen beim aktuellen Jugendhaus Insel umgehen will, wisse sie auch nicht. „Da ist auf jeden Fall eine Jugendhausgeneration, die nicht erfasst wird.“

Neben der Dirtbikestrecke, die auch nur ein kleiner Platz für eine bestimmte Zielgruppe sei, fordern die Frommerner Ortschaftsräte laut Hempke weitere Plätze und mehr Streetworkarbeit. „Dafür bräuchten wir einen höheren Stellenanteil“, fordert Hempke, die mit Mike Buck einen 75-Prozent-Stellenanteil hat. Das müsste der Gemeinderat beschließen.

Stadt gut aufgestellt

Trotz all der Kritik sehen die Streetworker die Stadtverwaltung auf einem guten Weg. Im Vergleich zu Albstadt sei die Stadt ganz gut aufgestellt, sagt sie. „Uns ist klar, dass es nicht von heute auf morgen gehen wird und erste Schritte auf einem sehr, sehr langen Weg schon gegangen wurden, aber etwas schneller wäre schön“, resümiert Hempke.

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