Kritische Töne, höhnisches Gelächter in der Sitzung des Albstädter Gemeinderats aus den Zuschauerreihen. Der Start des touristischen Masterplans für Albstadt vor zehn Jahren wurde von vielen mit Skepsis beäugt.

Kein Kurzstreckenlauf

Bei der damaligen Vorstellung des Konzepts in der Ebinger Festhalle mahnte Stadtrat Dr. Matthias Strähler, dass der Masterplan kein Kurzstreckenlauf, sondern ein Marathon darstelle.

Masterplan ist aufgegangen

Jetzt, zehn Jahre später, weiß man, Strähler hatte Recht und das Durchhaltevermögen und der angesprochene Mut der Albstädter Verantwortlichen wurde und wird belohnt. Der damals angedachte Campingplatz samt Wohnmobilstellplätzen ist längst realisiert und seit einigen Jahren durch Gästebungalows ergänzt.

Für die Traufgängehütten kam jüngst nach jahrelangem Bemühen das O.k. vom Regierungspräsidium Tübingen. Albstadt hat sich zum Mekka für Wanderer und Mountainbiker gemausert, an dem natürlich auch die Traufgängegastgeber ihren Anteil haben. Sprich: Der Masterplan ist aufgegangen.

Vom zarten Pflänzchen zur Sonnenblume

Als Vater dieser Entwicklung darf mit Fug und Recht der Leiter des Amts für Kultur, Tourismus und bürgerschaftliches Engagement, Martin Roscher, bezeichnet werden. Mit Akribie und Herzblut hegen und pflegen Roscher, aber auch sein gesamtes Team, das vor zehn Jahren als zartes Pflänzchen gestartete Projekt, das sich heute, um im Bild zu bleiben, als Sonnenblume präsentiert.

Image der Stadt mitgeprägt

Großprojekte rufen aber erfahrungsgemäß auch immer Kritiker auf den Plan. Und so sind bis zum heutigen Tag auch die Stimmen nicht verstummt, die die „Massen“ an Bikern und wandernden Tagestouristen lieber woanders sähen.

Dass der Masterplan aber das positive Image der Stadt Albstadt nach Jahren der Textilkrise-bedingten Depression entscheidend mitgeprägt hat, ist mittlerweile auch weitgehend unbestritten.

Albstadt musste sich in den vergangenen 20 Jahren neu erfinden und hat dies wirtschaftlich, aber eben auch kulturell angenommen. Und so präsentierten am Samstag Oberbürgermeister Klaus Konzelmann und Kulturamtsleiter Martin Roscher nicht ohne Stolz am gemeinsamen CMT-Stand der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Zollernalbkreises und der Stadt Albstadt das Programm zum zehnjährigen Bestehen der Traufgänge.

Freude bei OB Konzelmann

„Ich freue mich über das, was wir in den vergangenen zehn Jahren geschafft haben und ganz besonders über das, was im Jubiläumsjahr auf uns zukommt“, so OB Konzelmann. Im Mittelpunkt steht das Wandern. Für jedes einzelne Jahr Traufgänge eine Wanderung: Das war die selbst gesteckte Vorgabe auf dem Albstädter Kulturamt.

Zehn Themenwanderungen

Gesagt, getan: Der Auftakt ist bereits in wenigen Tagen, konkret am 29. Januar. Dann sind die Wanderbegeisterten zu einer winterlichen Abendwanderung am Onstmettinger Raichberg eingeladen. Es folgen eine literarische Wanderung mit Redakteur Holger Much am 20. April, eine Heilkräuterwanderung inklusive Abendessen mit Autorin Flor Schmidt aus Freiburg 5. Mai, eine Traufgängerle-Märchenwanderung für Groß und Klein mit Märchenerzählerin Sigrid Maute am 4, Juli, eine Wetterwanderung mit den SWR-Wetterreportern am 19. September und eine Wanderung im Rahmen der „Wald- und Wiesenwoche“ mit dem Ranger Armin Hafner am 19. Oktober.

Große Feier beim Schäferfest

Und dann ist da ja noch die große Traufgänge-Jubiläumsfeier. Sie wird im Rahmen des alljährlichen Schäferfestes stattfinden. „Dafür wird extra ein noch größeres Festzelt auf Onstmettingens Höhen gebracht und die Band Hautnah sorgt für die musikalische Umrahmung“, berichtete Konzelmann.

Stempelautomaten an den Wanderwegen

Eine besondere Attraktion startet im Mai. Jeder der acht Sommerwanderwege wird mit einem oder zwei Stempelautomaten versehen. Wer in 2020 alle Wege beschreitet und dies per Stempel nachweist, erhält von der Stadt Albstadt eine kleine Traufgängeüberraschung.

„Wir hoffen natürlich, dass jeder Teilnehmer auch wandert und nicht nur stempelt, überprüfen lässt sich das aber natürlich nicht“, weiß Roscher.

Bei der samstäglichen CMT-Präsentation wurden die Automaten der Öffentlichkeit vorgestellt. Deren Funktionsweise testeten OB Konzelmann und Verleger Daniel Welte gleich gemeinsam.

Letzterer freut sich ebenso wie der OB auf die in diesem Jahr noch umfangreichere Kooperation. „Wir sind seit vielen Jahren gemeinsam mit der Stadt rund um Albstadt unterwegs und hoffen, dass diese Zusammenarbeit auch noch lange fortgesetzt wird“, so Welte.

Großer Ansturm am CMT-Stand

Der Ansturm auf den gemeinsam Stand von WfG und Stadt Albstadt war am Samstag bereits zu früher Stunde riesig. Die Traufgängegastgeber Manuela und Wolfram Frühholz vom gleichnamigen Café, Harry Fischer vom Nägelehaus und Dominik Reger vom Brauhaus sorgten für den kulinarischen Part vor Ort.

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