Zollernalbkreis Pionierarbeit für Abfallkonzept geleistet

Das waren noch Zeiten: In den 80er-Jahren musste die Mülltrennung erst in die Köpfe rein. Im Zollernalbkreis sorgte Hermann Eger im Auftrag des Landratsamts für den Bewusstseinswandel.
Das waren noch Zeiten: In den 80er-Jahren musste die Mülltrennung erst in die Köpfe rein. Im Zollernalbkreis sorgte Hermann Eger im Auftrag des Landratsamts für den Bewusstseinswandel. © Foto: Archiv
Zollernalbkreis / Von Karl-Otto Müller 11.06.2018
Hermann Eger hat vor gut 30 Jahren den Grundstein für das heute Abfallkonzept des Landkreises gelegt.

Der Pädagoge, Diplom-Biologe und Chemiker Hermann Eger erinnert sich: Es fing an mit dem Dosenberg auf dem Viehmarktplatz in Balingen (1984). 200 000 Weißblechdosen wurden da verbaut! Im Inneren des Dosenberges wurde von terres des hommes Zollernalb eine Ausstellung über Kinderarbeit in Bolivien beim Zinnabbau gezeigt. Der Dosenberg war aber auch ein Symbol für unsere Wegwerfmentalität. Dies zeigte eine zweite Ausstellung, die von Schülern des Gymnasiums Ebingen entworfen wurde. Thema der Ausstellung war unsere Wegwerfgesellschaft. Die Schüler entwarfen ein Konzept zur Müllverringerung: Müllvermeidung, Müllverwertung, Restmüll.

Als Vorsitzender des Balinger Umweltforums (1986) hielt Hermann Eger Vorträge und veranstaltete Exkursionen zu diesem Thema. Der Grundstein für das heutige Abfallkonzept in zahlreichen Landkreisen, weiß Eger und ist zu Recht stolz, hier Pionierarbeit geleistet zu haben. Zu wichtig war ihm diese Thema, weshalb er in den Achtzigern seinen Lehrauftrag reduzierte, um als Berater für Abfallwirtschaft und Kreismüllkonzeption dieses Konzept umzusetzen. In diese Zeit fällt auch die Einführung der Biotonne in Hechingen zunächst als Probelauf. Noch heute gerät er ins Schwärmen angesichts der Mitmachbereitschaft der Bevölkerung.

In Ausstellungen, in Exkursionen und wöchentlichen Mitmachaktionen motiviert der Mann aus Onstmettingen Menschen im ganzen Zollernalbkreis. Das Wertstoffzentrum in Ebingen entstand. „Wir finanzierten uns quasi durch die hohen Erlöse reiner Papier-, Pappe-, Glas-, Weißblech- oder Aluminiumrohstoffe selbst“, sagt Eger stolz. Bei seiner Rückschau schwärmt er, wie fantastisch seine Schüler und seine Mitstreiter hier geschafft haben.

Er selbst widmete sich in einem zweiten, fast zwei Jahrzehnte währenden Kapitel dem Landschaftsschutz der Schwäbischen Alb – als Galloway-Landwirt machte er von sich reden. Dabei ging es ihm um den Erhalt der Kulturlandschaft, die von den schottischen Rindern gemeinsam mit Ziegen seiner Theorie nach sehr schonend erhalten werden sollte. Das Experiment war erfolgreich und wurde zum Vorzeigeprojekt der Landschaftspflege.

Seine Begeisterungsfähigkeit hat sich der Familien- und Großvater zweier Enkel bis heute bewahrt, allein, die Gesundheit zwang ihn bereits vor Jahren, kürzer zu treten. Dabei musste er auch die langjährige Kommunalarbeit schweren Herzens aufgeben. Es war ein geordneter Rückzug ins Privatleben mit genügend Zeit für schöne Erinnerungen. Das soll auch am heutigen Festtag so sein.

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