Albstadt Nicht nur die Party zum Film war oscarreif

Kevin Hartfiel und Matthias Wissmann lieferten auch jede Menge unterhaltsamer Anekdoten zu den Filmen, die sie im Capitol vor voll besetzten Reihen zeigten.
Kevin Hartfiel und Matthias Wissmann lieferten auch jede Menge unterhaltsamer Anekdoten zu den Filmen, die sie im Capitol vor voll besetzten Reihen zeigten. © Foto: Susanne Conzelmann
Albstadt / Von Susanne Conzelmann 16.05.2018
Die Heimpremiere des in Albstadt gedrehten Krimis „Aquariummann“ von Matthias Wissmann und Kevin Hartfiel war ausgebucht.

Ausverkauft ist das Kino dieser Tage nicht nur bei „Infinity War“. Jüngst schafften es zwei Albstädter, den großen Albstädter Kinosaal Capitol 1 bis zum letzten Platz zu füllen. Es stand die Heimpremiere von „Aquariummann“ von Matthias Wissmann und Kevin Hartfiel auf dem Programm.

„Hey, da sind auch Gesichter, die ich gar nicht kenne!“ freute sich Matthias Wissmann zur Begrüßung. Viele der Gäste waren Angehörige, Statisten oder auch beides in Personalunion. Aber auch Cineasten, die einfach Spaß an guten Filmen haben, füllten die Reihen. Und gute Filme gab es gleich im Fünferpack.

Zunächst war Wissmanns Bachelorabschluss „Rattenkönig“ zu sehen. Die schräge Geschichte um einen Kleinganoven gewann 2015 verdient beim Kurzfilmfestival der Hochschule Offenburg. Bei „The Seam“ machte sich der Filmemacher zurecht Sorgen, ob der Film für seine anwesenden Großmütter so das Richtige sei. Tatsächlich sparte das Horror-Drama nicht mit blutigen Szenen, überzeugte aber auch durch die atmosphärische Dichte und die hervorragende Hauptdarstellerin Jana Leutenegger.

Viel Spaß hatten die Filmschaffenden offensichtlich bei der Verwirklichung von „Ein Experimentalfilm“. Wobei – Spaß haben die beiden Albstädter augenscheinlich an jedem ihrer Projekte. Dies fing schon in Teenagerjahren an, als sie in den Wäldern um Ebingen Splatterfilme drehten. Ohne Drehbuch, ohne Handlung und ohne ordentliches Equipment – aber immer mit viel Blut, abgetrennten Gliedmaßen und zahlreichen Zombies. Als Überraschung präsentierten sie einen Dokumentarfilm ihres frühen Schaffens, gespickt mit Anekdoten und Interviews der beiden Macher selbst und vielen Wegbegleitern.

Dann war es soweit, die Albstadtpremiere von „Aquariummann“ lief im „legendären Capitol 1“. Darüber zeigte Filmfreund Wissmann besondere Begeisterung, hatte doch hier seine Faszination für die laufenden Bilder mit „Bambi“ begonnen. Das  Albstädter Albaquarium bot für Kameramann Kevin Hartfiel eine perfekte Location. In der Enge des Raumes vermittelte er ein Gefühl für die Hauptperson des Films, einen Kleinganoven auf Bewährung.

Dieser „Aquariummann“, hoffnungslos gut gespielt von Adrian Dittus, kämpft mit der Eintönigkeit des Lebens. Klaus Stiglmeier, sonst eher aus bayerischen Produktionen bekannt, verkörpert auf griesgrämige Weise den despotischen Chef. Die Idee, diesen um sein unlauter erworbenes Geld zu erleichtern, entwickelt sich daher folgerichtig bei einem unverhofften Wiedersehen mit einem anderen Kleinkriminellen und so nimmt der Gang der Dinge seinen Lauf.

Die Heimpremiere wurde begeistert aufgenommen, eine Besucherin prophezeite den Filmemachern eine große Karriere und scheute auch den Vergleich mit den Anfängen eines Bernd Eichinger nicht. Bedenkt man, mit welch geringem Budget und kleiner Crew alles realisiert wurde, könnte da etwas dran sein. Die Party im Anschluss war jedenfalls schon oscarreif, hört man.