Ein Tempolimit von 130 Kilometern pro Stunde auf Autobahnen? Die Emotionen kochten hoch, als diese Forderung vor kurzem in die bundesweite Klimaschutzdebatte eingebracht wurde. Laut Umfrage könnte sich eine Mehrheit der Deutschen mit einer solchen Regelung anfreunden.

Nun ist die vierspurige B 27 im Zollernalbkreis keine Autobahn, aber eine Diskussion über die angemessene Geschwindigkeit zwischen Balingen-Nord und Hechingen-Nord war vor geraumer Zeit ebenfalls in vollem Gange. Ausgelöst durch den Balinger Fabrikanten Albert Sauter (Kern-Waagen).

Er hatte das Land Baden-Württemberg, vertreten durch das Landratsamt Zollernalb, wegen des dort geltenden Tempolimits von 120 Kilometern pro Stunde verklagt. Ende vergangenen Jahres kam es dann vor dem Verwaltungsgericht Sigmaringen zum Prozess, an dessen Ende ein Kompromiss stand.

In weiten Teilen blieb es bei Tempo 120. Allerdings wurde eine Beschränkung zwischen Hechingen-Nord und der Kreisgrenze bei Bodelshausen völlig aufgegeben. Und auf dem Abschnitt zwischen Balingen-Engstlatt und Bisingen-Steinhofen wurde Tempo 130 tagsüber und 120 nachts festgeschrieben.

Letzteres gilt nun auch offiziell, denn seit kurzem stehen die entsprechenden Tempolimit-Straßenschilder am Rand der B 27.

Halten sich die Autofahrer aber tatsächlich an die vorgeschriebenen Geschwindigkeitsbeschränkungen? Klaus Hahn, Fraktionsvorsitzender der CDU im Balinger Gemeinderat, scheint daran so seine Zweifel zu haben.

Im Rahmen der Haushaltsdebatte brachte er einen Blitzer für die B 27 ins Gespräch. Wörtlich sagte Hahn in seiner Haushaltsrede: „An Tempo 100 auf der B27 im Stadtgebiet Balingen und die Aufweitung auf Tempo 120 ab Balingen-Nord bis Bodelshausen haben sich die meisten Autofahrer gewöhnt beziehungsweise haben sich damit abgefunden. Leider wird sich hier einiges ändern. Andere Kommunen und Landkreise generieren durch stationäre Geschwindigkeitskontrollen gute Bußgeldeinnahmen. Auch wir als Stadt Balingen sollten uns dieser Einnahmequelle nicht verschließen. Es geht hier vor allem auch um Lärmschutz für die Anlieger der B 27.“

Diese Aussage wiederum ruft nun Albert Sauter auf den Plan. Schließlich sei er beim vor Gericht geschlossenen Vergleich der Stadt Balingen doch entgegengekommen und habe den Zusatz eingebracht, dass man es Höhe Engstlatt nächtens beim bisherigen Tempolimit von 120 Kilometer pro Stunde belassen könne.

Dies hat er auch in einem schriftlichen Ergänzungsvorschlag so festgehalten – verbunden mit dem folgenden Wunsch: „Es würden sich bestimmt viele Bewohner des Landkreises und Befahrer dieser wichtigen Verkehrsachse freuen, wenn die zuständige öffentliche Hand, weiterhin auf die Installation von stationären Blitzern auf der B 27 im Zollernalbkreis verzichten würde.“

In einem offenen Brief an Klaus Hahn bittet er den CDU-Stadtrat „Ihre politische Agenda an dieser Stelle zu überdenken, Verantwortung für ganz Balingen und darüber hinaus zu übernehmen und mit gutem Beispiel voranzugehen, den Zollernalbkreis solidarisch weiterzuentwickeln und nicht rückwärts zu marschieren“.