Balingen Museum ist ganz privat

Der Balinger André Dreyer zeigt stolz einen seiner 5000 Bierkrüge. Dieser hier stammt aus der Hohenzollernbrauerei Ebingen. Besonders auffällig: Der Krug ist elfenbeinfarben und nicht grau.
Der Balinger André Dreyer zeigt stolz einen seiner 5000 Bierkrüge. Dieser hier stammt aus der Hohenzollernbrauerei Ebingen. Besonders auffällig: Der Krug ist elfenbeinfarben und nicht grau. © Foto: Maya Maser
Balingen / MAYA MASER 22.10.2015
Rund 5000 Bierkrüge, in etwa 80 000 Bierdeckel, 100 Emaileschilder - all das zählt André Dreyer zu seinem Inventar und es ist noch immer nicht genug. Schon als Kind entdeckte der Balinger seine Leidenschaft.

Eine schmale Treppe führt in den Keller. André Dreyer geht vor, führt einen durch verwinkelte Räume. Bis man in einem riesigen Raum steht, voll mit Bierkrügen, Biergläsern, alten Emaileschildern und Kisten voller Bierdeckel. Dreyer lacht. "Manchmal, wenn ich in diesen Raum laufe, frage ich mich selber, ob ich nicht vielleicht ein wenig spinne."

Man begibt sich auf eine Zeitreise der Biertrinker. Überall stehen Erinnerungen von längst vergessenen Brauereien. Aus den Zeiten des 19. Jahrhunderts bis heute. Einer seiner ältesten Bierkrüge stammt von einer Brauerei in Blaubeuren. Ungefähr aus dem Jahr 1880. Genau könne das Dreyer nie sagen.

Begonnen hat alles, als der Diplom-Ingenieur sechs oder sieben Jahre alt war. "Ich bin öfter mit meinen Eltern in Gasthäuser gegangen, dort habe ich jedes Mal einen Bierdeckel mitgenommen", so Dreyer. Einige Zeit später lernte er einen Bierdeckelsammler auf einem Flohmarkt kennen. Dieser zeigte ihm, wie man ein solches Hobby richtig betreibe. Der Balinger trat einem Verein bei.

Irgendwann waren es so viele Deckel, dass André Dreyer Kisten anfertigen ließ. Dort sind sie bis heute alphabetisch geordnet verstaut. Besondere Exemplare kommen in extra Ordner.

Doch irgendwann hörte er auf mit dem Sammeln von Bierdeckeln. "In seiner Jugend hat man andere Dinge im Kopf", meint Dreyer lachend. Er fing an sich für Bierkrüge zu interessieren. Ganz wichtig: Alle müssen aus Baden-Württemberg sein. Inzwischen ist auch diese Sammlung auf eine stattliche Zahl von 5000 gestiegen. Besonders die älteren, die vor dem zweiten Weltkrieg hergestellt wurden, findet er interessant. Das Alter des Krugs könne man unter anderem daran feststellen, wo die Literzahl steht. Krüge, die nach 1926 angefertigt wurden, haben die Zahl vorne eingeeicht. Die ohne Zahl, sind besonders alt.

Am schönsten findet Dreyer die elfenbeinfarbenen Krüge. Diese waren in vergangenen Zeiten auch die teuersten. Normal gab es die Bierkrüge eher in Grautönen.

Fündig wird der Diplom-Ingenieur meist auf Flohmärkten oder auf Tauschbörsen. Immer mal wieder gebe er auch eine Anzeige in der Zeitung auf. Verkauft wird nur das, was er doppelt hat. Außer bei seinen Emaileschildern. Für diese habe er einfach keinen Platz mehr an der Wand. "Aber dafür gibt es genügend Sammler." Auch seine Gläser stehen alphabetisch geordnet im Regal. Von A wie Adlerbrauerei Balingen bis Z wie Zwiefalter. Immer die ältesten der jeweiligen Brauerei stehen vorne, die jüngsten hinten. Das Glas aus der ehemaligen Brauerei des Gasthofs Lang in Balingen sei sein Lieblingsglas aus Balingen. "Leider sterben die Bierkrug-, Bierdeckel- und Bierglassammler langsam aus" so Dreyer. Doch das tue seiner Leidenschaft keinen Abbruch.

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