"Hier oben ist der einzige Ort, wo in der Gegend noch Maiglöckchen wachsen", meint Wolfgang Haug lächelnd, als er vor dem Gedenkstein "Muli-Weg" auf dem Plateau des Heersbergs steht.

Haug ist leidenschaftlicher Lautlinger und Naturliebhaber. Er wandert regelmäßig um den Mann- und Fähnelesfelsen herum. In seiner Kindheit war es seine Spielecke, wo er sich mit Freunden traf. Umso trauriger ist er nun, wenn er den Weg betrachtet: "Die Holztreppen hier sind völlig verrottet." Haug möchte den Muli-Weg restauriert sehen und hat dabei nicht nur die Erhaltung seiner Kindheitserinnerung im Sinn: "Es gibt hier immer wieder Wanderer in der Gegend. Für diese wäre ein neuer Muli-Weg sicherlich auch ein Gewinn."

Der Muli-Weg ist ein Teilstück des Lautlinger Wanderwegs, der, oberhalb des Sägewerks Mayer beginnend, um den Mannfelsen herum auf den Heersberg führt. Seinen kuriosen Namen hat der Aufstieg dabei nicht von ungefähr: So wurde hier im Zweiten Weltkrieg die 4. Gebirgsjäger-Division der Wehrmacht ausgebildet, indem die Infanteristen das steile Terrain jeden Tag zusammen mit Mulis erklommen.

Nach einer Neuanlegung mit Holztreppen Ende der 60er Jahre folgte in den 80er Jahren die bislang letzte Restauration. Seitdem wittert der Weg nicht zuletzt wegen offenen Zuständigkeitsfragen bei der Stadt und dem Schwäbischen Albverein unbeachtet vor sich hin. Nur einer kümmert sich noch um ihn. "Am 1. Mai habe ich am oberen Ende Geröll vom Weg geschafft", verrät Wolfgang Haug.

Der untere Teil des Muli-Wegs bis zur Haarnadelkurve ist in gutem Zustand, nur der obere Teil, der im Zickzack durch den Waldmorast steil zum Heersberg führt, macht Haug Sorgen - und die rutschigen und morschen Holzstäbe, die als Treppen fungieren, sind ihm ein Dorn im Auge. Doch allein kann er nicht viel machen. "Die dicken Eisennadeln, mit denen damals die Holzstäbe in den Boden geschlagen wurden, sind ohne Weiteres nicht einfach zu entfernen."

Haug setzte sich deshalb mit der Stadt in Verbindung und zeigte der Lautlinger Ortsvorsteherin Juliane Gärtner, einer Vertreterin des Liegenschaftsamts Ebingen und dem Förster bei einer Besichtigung Mitte Mai den desolaten Zustand des Weges. Die Reaktion der Ortsvorsteherin war zunächst zurückhaltend: "Sie bat mich zu untersuchen, ob es oben links nicht noch einen Alternativweg geben könnte, um das obere, marode Teilstücks des Muli-Wegs zu umgehen." Am Pfingstwochenende schritt Haug den Wald ab - und kam zu einem klaren Ergebnis: "Man muss zwangsläufig über die Treppen gehen. Ohne die geht es einfach nicht!" Nach der Absage einer weiteren Besichtigung herrscht bei der Stadt nun Gleichgültigkeit - Haug kann sich allein um den Weg kümmern. Dafür hat er bereits Pläne geschmiedet: "Schon von Anfang an wollte ich eigentlich heimatverbundene Lautlinger und Vereine um Hilfe bei der Restaurierung der Treppen bitten. Jetzt kann ich das auch umsetzen". Das nötige Holz hat er dafür auch schon recht billig organisiert. Um Geld geht es ihm eigentlich auch gar nicht: "Der Preis für das Holz ist vernachlässigbar. Es geht um die Arbeit, die ich nicht alleine verrichten kann." Vier bis fünf Helfer würden aber schon genügen, um die Holztreppen zu erneuern.

Die 4. Gebirgsjägerdivision "Enzian" im Zweiten Weltkrieg