Rosenfeld Mitarbeiter steckt Konkurrenz Firmen-Interna

Beide Angeklagten machten zu den Vorwürfen keine Angaben.
Beide Angeklagten machten zu den Vorwürfen keine Angaben. © Foto: Archiv
Rosenfeld / Pascal Tonnemacher 14.02.2018
Verrat, Untreue, Bestechung: Das Amtsgericht Balingen hat am Dienstagabend zwei Männer verurteilt.

Am Ende eines langen Verhandlungstages waren sich die Staatsanwaltschaft und Richterin Doris Gekeler am Dienstagabend recht einig: Ein ehemaliger Mitarbeiter eines Rosenfelder Unternehmens hat Betriebsgeheimnisse an einen Konkurrenten weitergegeben. So hat er seinen damaligen Arbeitgeber mindestens 50 000 Euro und einen treuen Kunden gekostet.

Außerdem hat er sich von diesem neuen Arbeitgeber, mit dem er unter einer Decke steckte, nach Ansicht des Gerichts bestechen lassen. Dort, bei diesem Konkurrenten, hat der ehemalige Mitarbeiter einen deutlich lukrativeren Arbeitsvertrag mit Firmenwagen und anderen Sonderleistungen erhalten. Dafür habe er sensible Interna gezielt an seinen neuen Chef weitergegeben. Dieser konnte sich so zahlreiche Aufträge sichern, die aufgrund langjähriger Geschäftsbeziehungen und bei Abgabe realistischer Angebote dem Rosenfelder Unternehmen zugesprochen worden wären. Die Angeklagten machten zu den Vorwürfen keine Angaben.

Das Amtsgericht Balingen verurteilte den angeklagten ehemaligen Mitarbeiter daher am Dienstagabend zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten. Zudem brummte die Richterin dem Mann eine Geldstrafe in Höhe von 3000 Euro auf, die er an das Südwestdeutsche Tumorzentrum in Tübingen zahlen muss.

Der mitangeklagte Geschäftsführer des Konkurrenten wurde zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten sowie einer Strafe in Höhe von 2000 Euro verurteilt, die er der DKMS in Tübingen zahlen muss. Die Freiheitsstrafen sind jeweils für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Der ehemalige Mitarbeiter des Rosenfelder Unternehmens war bis zuletzt bei einer anderen Firma als Geschäftsführer tätig. Wird das Urteil rechtskräftig, können die Verurteilten laut Gesetz nicht mehr als Geschäftsführer agieren.

Bei den Schlussvorträgen zeigte sich, wie sehr die Einschätzungen zur Beweisaufnahme zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung auseinander gingen. Die Zeugenaussagen bestätigten die Staatsanwaltschaft in ihren Vorwürfen. Dass Geschäftsgeheimnisse an den Konkurrenten und späteren neuen Arbeitgeber weitergegeben wurden, machten für sie sichergestellte E-Mails deutlich. Der Ex-Mitarbeiter machte sich demnach dem Verrat, der Bestechlichkeit und der Untreue schuldig, fasste die Staatsanwaltschaft zusammen. Der Geschäftsführer der Konkurrenz hingegen muss sich wegen Bestechung sowie der Beihilfe zur Untreue verantworten.

Für die Verteidigung hingegen blieb einiges im Unklaren. In dem neuen Arbeitsvertrag sah sie lediglich eine übliche Vergütung am oberen Rande. Für eine Abrede zwischen den beiden Angeklagten gebe es laut Verteidigung keine Beweise.

Die Staatsanwaltschaft zählte jedoch „eins und eins zusammen“. Durch die Weitergabe der Geheimnisse habe der Ex-Mitarbeiter das Unternehmen vorsätzlich geschädigt und die Konkurrenz aus reinem Eigennutz begünstigt. Dass dem Geschäftsführer die Verkäufe unter Einkaufswert an diesen Konkurrenten nicht sofort auffiel und ähnlich unwirtschaftliche Verkäufe in der Vergangenheit möglich gewesen wären, ändere nichts an der Strafbarkeit der Sache.

Den Fokus legten die Verteidiger auf einen Kunden, dessen Aufträge eine zentrale Rolle im Verfahren spielten. Dem Geschäftsführer des Rosenfelder Unternehmers, der als Zeuge und Nebenkläger in Erscheinung trat, warf die Verteidigung vor, dass die Unregelmäßigkeiten erst dann aufgefallen seien, als der Angeklagte gekündigt hatte und der treue Kunde keine Geschäfte mehr mit dem Unternehmen machen wollte. Das Rosenfelder Unternehmen habe sich mit überteuerten Preisen verzockt.

Außerdem könne der Angeklagte nicht eigenverantwortlich Minusgeschäfte zulasten des Unternehmens betreiben, so die Argumentation. Diese konnte die Richterin jedoch in keinem Punkt überzeugen.

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