Justiz Mitarbeiter der Untreue bezichtigt

John Warren 11.01.2018

Wegen Untreue gegenüber seinem Arbeitgeber ist ein Mann vor dem Amtsgericht Balingen angeklagt. Der erste von mindestens zwei Verhandlungstagen brachte viele widersprüchliche Aussagen. Über einen Zeitraum von mehreren Monaten im Jahr 2016 soll der in Alpirsbach wohnhafte Mann seinem Arbeitgeber, einer Autowerkstätten-Kette, Geld unterschlagen haben. Eine Verständigung zwischen Kläger und Angeklagtem war vor der Verhandlung gescheitert.

In drei Themenblöcken wurden die Fälle vom Gericht abgearbeitet. Der erste: mehrere Autoteile aus Firmenbesitz, die der Angeklagte in seine Privatfahrzeuge eingebaut haben soll. Der 39-Jährige gab an, dass er als Filialleiter der Balinger Autowerkstatt über 300 Überstunden angesammelt hatte. Mit dem damaligen Bezirksleiter der Autowerkstätten-Kette, der zeitweise für 26 Filialen verantwortlich war, habe er abgesprochen, seine Überstunden mit den Kosten für die Fahrzeugteile abzurechnen.

Schriftlich fixiert wurde der Deal jedoch nicht. Lediglich eine Liste mit den Fahrzeugteilen und ihren Seriennummern soll es gegeben haben. Der damalige Bezirksleiter, der für den Beschuldigten hätte aussagen können, war vor Gericht nicht vorgeladen. Das wurde von der Rechtsanwältin des Angeklagten für den Folgetermin am Freitag beantragt. Die Richterin äußerte derweil Zweifel, ob der ehemalige Vorgesetzte den Angeklagten entlasten könne. Der neue Bezirksleiter und ein Rechnungsprüfer der Autowerkstätten-Kette gaben an, nichts von einer Liste oder einer solchen Absprache gewusst zu haben und das dies ohnehin nicht zulässig gewesen wäre.

Im zweiten Themenblock ging es um mehrere Fälle, in denen der Angeklagte Geld unterschlagen haben soll, indem er Kundenaufträge nicht korrekt abrechnete. Für jeden Fall hatte der Mann eine Erklärung parat. Mal habe er einen Reifen falsch im Computersystem verbucht, mal ein Bauteil auf einem anderen Auftrag mitbestellt, um Zeit zu sparen. Fälle, in denen man ihm vorwarf, nicht korrekt abgerechnet zu haben, wollte er mit den Originalrechnungen entkräften. Diese habe ihm ein aktueller Mitarbeiter der Firma zugeschickt. Bis Freitag könne er sie vorlegen. In einem anderen Fall gab der Familienvater an, vom Kunden nur die Materialkosten abgerechnet zu haben, weil einer der Mechaniker die Bremsen falsch eingebaut habe.

Die Filiale im Fokus

Die beiden Vertreter der Autowerkstätten-Kette erzählten vom Gespräch, in dem sie den Angeklagten firmenintern mit den Vorwürfen konfrontiert hatten. Sie gaben an, dass der Balinger Filialleiter zwar zugegeben habe, Autoteile in seinem Privatwagen benutzt zu haben, ansonsten jedoch hätte er wenig zur Aufklärung der fehlenden Fahrzeugteile beitragen können. Auf die Balinger Filiale sei man aufmerksam geworden, weil die Summe der Teile auf der Rückgabeliste 5000 Euro betrug und eine Stichprobeninventur eine Differenz von 17 000 Euro zwischen dem Warenwert, der vor Ort hätte sein sollen und der tatsächlich da war, bestand.

Einer der ehemaligen Kunden gab an, bar bezahlt und weder Rechnung noch Quittung erhalten zu haben. Nachfragen beim Angeklagten nach der Rechnung sei dieser mit Ausflüchten wie einem kaputten Drucker oder einem Systemupdate im PC ausgewichen. Eine weitere Kundin erzählte, dass sie über Wochen mehrmals ihre Bremsen am Auto bei der Werkstatt habe reparieren lassen. Da jedoch immer wieder Probleme auftraten, habe sie mehr als 3000 Euro in wenigen Wochen bezahlen müssen. Rechnungen und Quittungen seien laut ihrer Erinnerung jedoch korrekt ausgestellt worden. Eine andere Kundin gab an, dass sie eine Reparatur auf eigenen Wunsch bar bezahlt habe.

Info Die Verhandlung wird an diesem Freitag, 12. Januar fortgesetzt, fünf
weitere Zeugen sind vorgeladen.