Michael „Ali“ Allseits sitzt in der Umkleidekabine der Fußball-Bundesligamannschaft des FC Schalke 04 in der Veltins-Arena in Gelsenkirchen. An Spieltagen kommen hier nur Spieler, Trainer und die Zeugwarte rein. Der 35-jährige Benzinger ist aber nicht zu Gast beim zweitgrößten Verein Deutschlands, er absolviert kein touristisches Programm. Allseits gehörte mehrere Wochen dazu. Er hat Schalke kennengelernt und über den Club geforscht.

Die Geschichte beginnt beim TSV Benzingen. Dort hat Michael Allseits bereits in der Jugend Fußball gespielt. Danach war er aktiv in der A- und B-Klasse. Insgesamt vier Jahre lang fungierte er als Fußball-Abteilungsleiter im Benzinger Turn- und Sportverein.

Bei der Bundeswehr-Grundausbildung lernte der 35-jährige Benzinger Sascha Brinker kennen. Brinker ist im Jahr 2000 mit dem LR Ahlen in die zweiten Bundesliga aufgestiegen – zusammen mit Marco Reus, der heute für Borussia Dortmund aufläuft, und dem ehemaligen Dortmunder Kevin Großkreutz, der aktuell beim KFC Uerdingen in der dritten Bundesliga unter Vertrag steht.

Mit Sascha Brinker ist Michael Allseits seit seiner Bundeswehrzeit befreundet. Nachdem Brinker Jura studiert hat, wurde er Rechtsanwalt und Spielerberater. Michael Allseits arbeitete zwischenzeitlich als Firmenkundenberater einer Bank. Von Mai bis November 2017 absolvierte der Benzinger seinen Wirtschaftsfachwirt bei der IHK. Zwischenzeitlich macht er eine Weiterbildung zum Betriebswirt (IHK). Als Abschluss machte Michael Allseits ein Praktikum – bei Schalke 04. Der Weg zu diesem Praktikum lief über Sascha Brinker. Einer seiner Rechtsanwaltskollegen ist Jörg Rüsing. Dieser ist gleichzeitig Vorsitzender des 1. FC Grievenbeck. Der Oberligist aus einem Stadtteil von Münster ist Kooperationspartner des Bundesligisten Schalke 04. Und so fand das eine zum anderen. Anfang 2018 hat sich Michael Allseits überlegt, eine Projektarbeit beim Grievenbecker Fußballverein zu schreiben. Nachdem aber Christian Buchholz, der Ansprechpartner für Kooperationsvereine bei Schalke, und Mathias Schober, ehemaliger Schalker Keeper und heute sportlicher Leiter im Bereich der U9- bis U15-Nachwuchsmannschaften, grünes Licht gegeben hatten, konnte Michael Allseits sein Praktikum beim Bundesligisten starten. Am 17. Oktober 2018 legte er seine Projektarbeit zum Thema „Konzept zur Adaption der Aufbauorganisation und der Strategie der Knappenschmiede (Jugendabteilung) des FC Schalke 04 auf den Jugendbereich des Kooperationsvereins 1. FC Grievenbeck“ bei der IHK in Reutlingen vor. Auch Mathias Schober und Christian Buchholz bekamen ein Exemplar.

Die Arbeit ist das eine. Nach der betriebswirtschaftlichen Betrachtung der Jugendarbeit des Bundesligisten aus dem Revier ist für Michael Allseits Fußball die wohl schönste Nebensache der Welt. Er ist in seiner freien Zeit in den Stadien Deutschlands zu Hause. Als Groundhopper, also als Fußballfan, der Stadienbesuche sammelt, sieht sich Allseits zwar nicht. Allerdings hat auch er schon ziemlich viele „Fanwohnzimmer“ auf seiner Besuchsliste.

„Ich denke, ich habe rund 80 bis 100 Stadien und Sportplätze besucht – und deutlich mehr Spiele“, sagt er. Neben Fußballspielen in Deutschland hat er sich auch schon Begegnungen in Russland, England, Spanien, Griechenland, Ungarn, Kanada und den USA angeschaut. Früher hat der Benzinger viele Spiele besucht, bei denen Sascha Brinker aktiv war. Heute besucht er mit Brinker Partien, bei denen der Spielerberater seine Schützlinge beobachtet. Dazu kommen Fußballreisen nach Spanien oder zur Fußball-WM nach Russland. Bei der WM wurde dann auch die Vorstellung konkret, seine Projektarbeit nicht nur über den FC Grievenbeck, sondern über die Kooperation des Münsteraner Vereins mit Schalke 04 zu schreiben.

Allseits reiste mehrere Male nach Gelsenkirchen und holte sich die Informationen über Schalke direkt vor Ort. Die Arbeit selbst schrieb er danach in enger Kooperation mit Christian Buchholz.

„Ich gehe gerne zu Fußballspielen ins Ruhrgebiet“, verrät Allseits. Verrückt allerdings ist, dass er bisher nur sehr wenige Spiele der Schalker gesehen hat. So war er lediglich beim Heimspiel gegen Nürnberg in der Veltins-Arena. Dafür hat er die Schalker beim jetzt schon legendären 4:4 beim Hauptrivalen Borussia Dortmund beobachtet. „Die Menschen im Revier haben eine ganz andere Mentalität wie wir im Süden“, erzählt er. Fußball gehöre zum gesellschaftlichen Leben dazu. „Die Fans leben das“, sagt er. Und zwar ganz besonders in Gelsenkirchen. „Bei Schalke ist alles offen, es ist richtig familiär“, beschreibt der Benzinger die Schalker Meile. Die meisten Trainingseinheiten der Bundesligamannschaft finden öffentlich statt, das Verhältnis der Fans zu den Kickern ist ungezwungen. „Da hat dann sogar Trainer Domenico Tedesco Hallo zu mir gesagt“, erzählt der 36-Jährige und lächelt. Besonders spannend fand Michael Allseits die ungewöhnlichen Begegnungen – als er beispielsweise nach einem Trainingsbesuch eine Fangaststätte besuchte, saß da Schalke-Legende Olaf Thon bei den Fans.

Allseits ist begeistert von der Jugendarbeit des Ruhrvereins. In der Villa eines ehemaligen Profis wohnen in unmittelbarer Nähe des Stadions beispielsweise zehn Jungfußballer samt Betreuer. Im Umkreis von vier Kilometern rund um die Veltins-Arena sind alle wichtigen Einrichtungen für die Nachwuchskicker konzentriert, so dass man es locker mit dem Fahrrad erreichen kann. „Für die Jungs ist das überragend“, sagt der Benzinger. Nein, sagt Michael Allseits, ein Schalkefan ist er trotz seiner intensiven Beschäftigung mit dem Verein nicht geworden. „Ich bin VfB-Sympathisant“, sagt er und schmunzelt, „und ich werde es auch bleiben“.