Balingen Mit dem Kartenmachen kommt der Lebensmut zurück

Brunhilde Schädle hat mit ihrem Team für die Hobbykünstlerausstellung Sonderschichten eingelegt. Hier ist sie mit ihrer Mitstreiterin Claudia Schneider am Stand und begutachtet ihr aller Werk.
Brunhilde Schädle hat mit ihrem Team für die Hobbykünstlerausstellung Sonderschichten eingelegt. Hier ist sie mit ihrer Mitstreiterin Claudia Schneider am Stand und begutachtet ihr aller Werk. © Foto: Claudia Renz
Geislingen / Claudia Renz 09.02.2019
Brunhilde Schädle und ihr Team sind seit neun Jahren engagierten Spendensammler für krebskranke Kinder.

In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 2000 Kinder und Jugendliche an Krebs. Medizinische Hilfe ist nicht alles, was krebskranke Kinder, Jugendliche und ihre Familien brauchen. Deshalb unterstützt der Tübinger Förderverein, der sich ausschließlich über Spenden finanziert, die betroffenen Eltern, Geschwister und Großeltern durch eine Vielzahl von Projekten. Der gesamte Vorstand und viele Helfer engagieren sich ehrenamtlich und agieren nach dem Zitat von Heiner Geißler: „Nächstenliebe ist keine Gefühlsduselei und kein Gutmenschentum, sondern eine Pflicht, denen zu helfen, die in Not sind.“

Nach dieser Devise ist auch Brunhilde Schädle aus Geislingen seit mittlerweile neun Jahren mit unermüdlichem Einsatz für den Förderverein für krebskranke Kinder Tübingen am Werk. Sie weiß, wie es sich anfühlt die Diagnose Krebs zu bekommen. Unzählige Chemotherapien brachten keine Besserung und erst nach einer Stammzellentransplantation kam für Brunhilde Schädle die Wende und die Heilung. Sie überstand den Krebs. In der Reha kam ihr die Idee, etwas zurückzugeben und sie begann Karten zu basteln. Ihr Ehemann Rolf merkte schnell, dass die Aufgabe seine Frau aufbaute. „Sie hatte wieder ein Ziel vor Augen“, erzählt der Geislinger. Deshalb wollt er dieses Vorhaben so gut er konnte unterstützen. Was sich aber aus der anfänglichen Bastelidee entwickelte, hätte selbst er nicht für möglich gehalten. In den Anfängen war Brunhilde Schädle die Macherin und Seraphine Vivaldi sorgte dafür, dass die Karten verkauft wurden. Mittlerweile unterstützen sieben Personen ihre „Chefin“ nach Kräften. Neben Seraphine Vivaldi stehen dem engagierten Ehepaar Schädle noch Roland und Ilona Wiedl, Claudia Schneider, Hanna Griesser, Caroline Simon und Dora Schmid als Kreative oder Verkäufer zur Seite.

Die Ideen für ihre Glückwunsch-, Gruß- und Weihnachtskarten, deren Motive in den Jahren immer vielfältiger und anspruchsvoller geworden sind, gehen der 64-Jährigen nicht aus. Das führt dazu, dass die Materialien liebevoll zusammengestellt und nur nach persönlicher Begutachtung der „Chefin“ durchgehen und zur Bearbeitung freigegeben werden. „Dafür sind wir schon mal einen Tag unterwegs, um alle Bastelläden im Umkreis von 150 Kilometer abzuklappern“, bestätigt der geduldige Ehemann. Um den Stand bei der Geislinger Hobbyausstellung angemessen zu bestücken, wurden nochmals Sonderschichten eingelegt. So wurden im vergangenen Jahr von den kreativen Geislingern 4000 Karten gebastelt und auch verkauft.

Das Team, das bei seinen Besuchen in Tübingen viel Leid, aber auch viel Hoffnung sieht, würde sich über weitere Helfer freuen. „Mein großer Wunsch wäre, Nachahmer zu finden“, sagt Schädle. Sie würde Starthilfe geben und ihre Vorlagen und Muster zur Verfügung stellen. Strahlend fügt sie an: „Es macht so viel Freude, helfen zu können. Ich bin mir sicher, das Kartenmachen und mein Engagement haben mich gesund gemacht.“

Spendensumme steigt auf knapp 65 000 Euro an

Übergabe In der vergangenen Woche erst machten sich Brunhilde und Rolf Schädle mit ihrer Mitstreiterin Seraphine Vivaldi auf den Weg nach Tübingen, wo sie von Anton Hofmann, dem Vorstandsvorsitzenden des Fördervereins für krebskranke Kinder Tübingen, freudig in Empfang genommen wurden. Die Delegation aus Geislingen überreichte einen Scheck über 10 587,50 Euro und erhöhte mit dieser Summe die Gesamtspenden der vergangenen neun Jahre auf knapp 65 000 Euro. „Wir sind so unglaublich dankbar, dass es solche Menschen wie Sie gibt, die sich so großartig engagieren“, bedankte sich Hofmann mit herzlichen Worten bei den Besuchern aus Geislingen. cr

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