Albstadt / HOLGER MUCH Wirtschaftlich bestens aufgestellt, mit dem Blick in eine erfolgreiche Zukunft feiert der Albstädter Standort von Mettler-Toledo sein 160-jähriges Bestehen.

Egal ob bei Edeka, Rewe, Lidl, Aldi, Real, Walmart oder zahlreichen anderen Supermärkten weltweit – wenn sie dort Ihr Obst oder Gemüse wiegen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass dies auf einer Waage von Mettler-Toledo geschieht.

Der Konzern Mettler-Toledo mit Hauptsitz in Greifensee in der Schweiz beschäftigt insgesamt rund 13 500 Mitarbeiter, ist in 39 Ländern weltweit mit rund 6 800 Vertriebs- und Servicespezialisten vor Ort vertreten und macht jährlich etwa 2,4 Milliarden U.S. Dollar Umsatz. Und wächst, wie Daniel Joha, in Albstadt unter anderem für Produktmanagement und Marketing zuständig, stolz bemerkt. Mettler-Toledo als Hersteller von Präzisionsinstrumenten und Dienstleistungen bietet Lösungen für die gesamte Wertschöpfungskette an, vom Labor und Entwicklung über Maschinenbau und Fertigung und Logistik. All dies wiederum in den übergeordneten Bereichen Nahrungsmittel, Chemie und Pharma.

Wichtige Produktionsstandorte sind die Schweiz, China, Deutschland, die USA und Großbritannien. Der Albstädter Standort des aus rund 25 Einzelunternehmen gewachsenen Konzerns hat hierbei eine zentrale Bedeutung: „Wir sind hier das Innovations- und Kompetenzzentrum für hochwertige Anlagen“, sagt Christoph Dermond, seit zehn Jahren Geschäftsführer des Albstädter Standortes. Industrie- und Handelswaagen, die Entwicklung von Hard- und Software sowie auch Produktion und Logistik bilden hier die Schwerpunkte, die auf eine reiche Historie bauen.

Denn wer sich auf Spurensuche begibt, der stößt schnell auf die lange, am ersten September 2016 auf 160 Jahren basierende Tradition, die eng mit dem Namen Carl August Sauter verbunden ist. Ein Name, der vielen in Albstadt noch vertraut sein dürfte.

1856 gründete der damals 25-jährige Mechaniker Carl August Sauter seine kleine Werkstatt in der Ebinger Kapellstraße 3. Er galt noch als minderjährig und musste sich vom Gemeinderat eine Ausnahmegenehmigung holen, um selbstständig arbeiten zu dürfen.

Schnell widmete er sich dem Bau von Pträzisions- und Analysewaagen. Sein sprichwörtlich schwäbischer Erfindergeist, sein Fleiß und sein Ehrgeiz brachten schnell beeindruckende Erfolge, auch auf internationalem Gebiet. Egal ob in London, in Wien oder bei der Pariser Weltausstellung 1867 erwarb er sich mit seinen Waagen, die damals schon aufs zehntausendstel Gramm genau wogen, einen hervorragenden Ruf.

Sauter starb mit 42 Jahren, seine Nachfolger, am prägendsten die Familie Cless, verfolgten die Tradition von Innovation und Präzision weiter: In der Gartenstraße entstand 1888 die größere Sauter-Fabrik, 1971 wurde das Unternehmen von Mettler-Toledo übernommen. 1992 wurde das neue Gebäude Unter dem Malesfelsen gebaut, schon mit der klaren Zielsetzung der neuen Schwerpunkte. Dazu gehört vor allem auch eine sehr schlanke Produktion. Das heißt, es wird nichts für das Lager produziert, jede Waage wird erst dann gebaut, so Daniel Joha, „wenn die Bestellung im Haus ist“.

Dass die Waagen selbst sich immer weiter entwickeln, versteht sich von selbst: früher rein mechanisch, sind Waagen heute hochkomplexe Computer, die das zu wiegende Gut selbst erkennen.

Von der kleinen Werkstatt zu hochtechnisierten Wiegecomputern

Lampen August Sauter begann in der Albstädter Kapellstraße 3 ganz klein: Wein-, Laugen- und Milchwaagen wollte er bauen. Auch Hänge- und Stehlampen standen auf der To-do-Liste des Mechanikers.

Pioniere Bei Mettler-Toledo bemüht man sich stets, an der Spitze dabei zu sein. So kann sich das Unternehmen rühmen, 1998 die erste PC-basierte Waage der Welt auf den Markt gebracht zu haben.

Computer Vernetzung und Industrie 4.0 ist auch in der Wiegetechnik das aktuelle Thema. So tauschen Waagen mittlerweile Informationen darüber aus, an welchem Standort welche Waren wie oft gewogen – und damit verkauft – wurden, auch der dazu gehörende Verkäufer wird erfasst. Und „intelligente“ Kameras können mittlerweile Obst und Gemüse selbst „sehen“ und die Informationen entsprechend verarbeiten.