Am Montagabend stellten Ivo Koch, Mitarbeiter der beauftragten „Teamplan“ aus Tübingen, und deren Geschäftsführer Werner Alber die Ergebnisse ihrer monatelangen Auswertungen, die letztlich in den Vorschlag eines Medizinkonzeptes mündeten, vor. Dieses habe, so betonte Landrat Günther-Martin Pauli, keinen bindenden Charakter, es sei vielmehr eine Empfehlung an die Entscheidungsträger, des Kreistags. In diesem Expertenteam wirkten als niedergelassene Ärzte, die Drs. Heider (Albstadt), Mohr (Hechingen) und Rewes (Balingen), die Chefärzte des Klinikums, aber auch dessen Betriebsräte und die Klinikverwaltung selbst mit. Die Erkenntnisse sprachen eine deutliche Sprache: Soll die medizinische Kompetenz ausgebaut, die Fallzahlen erhöht und die Wirtschaftlichkeit gesteigert werden, seien in Zweihäusigkeit enge Grenzen gesetzt.

Diese ergebe sich aus der Analyse vier verschiedener Varianten: Neben dem Erhalt der derzeitigen Situation prüften die Gutachter eine Variante B, die vorsieht, Allgemein- und Viszeralchirurgie nach Balingen zu verlegen, ebenso die umstrittene Variante D, mit der alles am derzeitigen Klinikstandort in Balingen konzentriert würde, und schließlich die Variante C, ein Modul-Modell, mit dem in zwei Schritten bis zum Jahre 2040 ein Zentralklinikum zwischen Laufen und Dürrwangen entstehen würde. Bis zum Jahre 2023 würde hier das Modul 1 mit Kardiologie, Angiologie, mit Orthopädie und Unfallchirurgie sowie der Psychosomatik gebaut, mit der Ergänzung des zweiten Moduls schließlich alle weiteren Fachbereiche, wie Gastroenterologie, Allgemein- und Viszeralchirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe, sowie die Belegabteilungen umziehen.

Zwar wäre nach Darstellung der Experten diese Lösung mit ersten Investitionskosten von zunächst 106,4 Mio. Euro für Modul 1 und weiteren 67 Mio. Euro für Modul 2 die teuerste, doch unterm medizinischen Aspekt – und darauf müsse es bei diesem Vorhaben im Sinne der Patienten ankommen – jene mit „dem höchsten Zertifizierungspotenzial“. Und mit ihr könnte die Klinikgeschäftsführung ab 2015 am ehesten schwarze Zahlen erwarten. Diese Lösung schränke weder den Klinikbetrieb an beiden Krankenhäusern nicht ein – und erlaube größtmögliche Freiheit in der Planung und eventuellen späteren Erweiterungen bis hin zum Hubschrauberlandeplatz.

Es könnte allenfalls sein, das bereits gewährte Fördermittel vom Land zurückgefordert würden. Deutlich günstiger wäre ein Zentraklinikum am derzeitigen Balinger Standort. Hier gehen die Experten von rund 63 Mio. Euro Investitionskosten aus, doch auch hier sei mit Rückforderungen gewährter Förderung zu rechnen. Mehr noch aber spreche die Enge des Geländes gegen diese Lösung, sei doch damit kein weiteres bauliches Potenzial mehr gegeben.

Und auch das Expertenteam fürchtet, was im Vorfeld der Diskussion immer wieder ins Feld geführt worden war: „Zumindest vorübergehende Fallzahleneinbußen aus dem Albstädter Raum wären mit der mittelfristigen Aufgabe des Standorts Albstadt zu erwarten.“ Die preiswerteste Lösung wäre nach Darstellung des Expertenteams zunächst sicherlich der Erhalt beider Klinikstandorte, jedoch mit Verlagerung der Allgemein- und Viszeralchirurgie nach Balingen und gleichzeitigem Ausbau der Albstädter Gefäßchirurgie. Dies erlaube eine weitere Zentrenbildung, es blieben jedoch internistische Fächer, wie die Kardiologie und die Gastroenterologie nach wie vor getrennt. Die Investitionskosten wären zwar deutlich geringer – in Balingen gerade mal 16,3 Mio. Euro, doch wären beide Häuser durch Baumaßnahmen belastet. Es müssten auch künftig Funktionsbereiche doppelt vorgehalten werden.

Vor allem aber bliebe mit der weiteren Trennung von Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie ein deutlich geringeres Zertifizierungspotenzial, sprich die Qualität in diesem sensiblen Bereich könnte nicht optimiert werden. Patienten reagierten hierauf sehr empfindlich. Dazuhin drohten mit fehlender Zertifizierung wohl Abrechnungseinbußen und damit die geringere Wirtschaftlichkeit.

Der Ratschlag Ivo Kochs an das Kreistagsgremium war unmissverständlich: „Stellen Sie die Weichen auf eine künftige Einhäusigkeit – beachten Sie aber, dass mit einer Zentralklinik am derzeitigen Standort in Balingen nicht nur künftige Entwicklungsmöglichkeiten begrenzt wären, sondern vor allem die drohenden Verluste an Patienten für die das Zollernalbklinikum ruinös sein könnten.“ Er geht davon aus, dass allenfalls nach 2035 sich diese Einbrüche erholen könnten, dann aber die Verluste für den Landkreis bereits sehr groß wären.“

Weitere Folgen zeigte der ärztliche Direktor des Klinikums, Chefarzt Professor Dr. Michael Bitzer am Montagabend auf. Er wirkte ebenfalls in dem Gutachterkreis mit.

Mehr dazu: Klinikgutachten: Team von „Ernst & Young“ stellt Analyse im Gemeinderat vor
Zusätzliches Albstädter Gutachten kommt auf dasselbe Ergebnis wie das des Kreises