Die Oberlippe musste genäht werden, die Nase und die linke Hand wiesen Prellungen auf: Ein Besuch der Geislinger Fasnet hatte für einen jungen Mann im vergangenen Jahr schmerzhafte Folgen.

Am Montag verurteilte das Balinger Amtsgericht einen Mann wegen fahrlässiger Körperverletzung zu 60 Tagessätzen à 60 Euro. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mann für die Verletzungen verantwortlich war. Was genau bei dem Fasnetstreiben passiert war, ließ sich aufgrund sehr unterschiedlicher Zeugenaussagen nicht restlos klären.

Der Angeklagte – der lange Jahre in einer leitenden Position bei einer freiwilligen Feuerwehr tätig war – ließ von seinem Anwalt eine Erklärung zum Tathergang verlesen. Darin heißt es, dass es in einer Bewirtungsstation zu einem heftigen verbalen Schlagabtausch gekommen sei. Wenig später sei man dann draußen aneinandergeraten. Getreten oder geschlagen habe er aber nicht, erklärte er. Man sei gemeinsam umgefallen und der Geschädigte sei auf eine Bordsteinkante geflogen.

Der Geschädigte – ein Feuerwehrmann einer anderen Ortschaft – erzählte hingegen im Zeugenstand, Schläge abbekommen zu haben. Erst als eine Bekannte sich schützend auf ihn gelegt habe, habe der Täter von ihm abgelassen. Der Zeuge gab an, an dem Abend angetrunken gewesen zu sein. An viele Details des Tathergangs konnte er sich nicht mehr erinnern.

So machte er unter anderem abweichende Angaben zu seinen früheren Aussagen bei der Polizei. „Ich weiß nicht mehr, ob ich auf dem Rücken oder dem Bauch lag“, sagte er. Auch die junge Frau, die sich schützend über das Opfer gelegt hatte, war als Zeugin geladen. „Es waren mehrere Schläge, er hat im ganzen Gesicht geblutet“, gab sie an.

Ein weiterer Zeuge erklärte, keine Schläge, sondern nur ein Gerangel gesehen zu haben. Auch die Halbschwester des Angeklagten hatte die Szene beobachtet. „Mein Bruder hat ihn definitiv nicht geschlagen“, sagte sie.

Die Staatsanwältin äußerte Zweifel an der Aussage der jungen Frau und vermutete, dass diese ihren Bruder schützen will. Sie drohte ein juristisches Nachspiel für eine Falschaussage an. Die Zeugin blieb bei ihrer Version des Abends. Die Staatsanwältin kündigte später ein Ermittlungsverfahren an.

„Auf den hilflos am Boden Liegenden wurde eingeschlagen, da habe ich nicht den geringsten Zweifel“, sagte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. Sie forderte 70 Tagessätze à 60 Euro. Der Verteidiger plädierte hingegen für Freispruch. Die entscheidende Frage sei, welchem Zeugen man glaubt, so der Anwalt. Man könne nicht nachweisen, wer wirklich die Wahrheit sagt.

Freispruch für zweiten Mann

„Die Verletzungen, die man auf den Bildern sieht, passen nicht zu einem Fall auf den Asphalt“, begründete die Richterin ihren Urteilsspruch. Gegen das Urteil kann noch Revision und Berufung eingelegt werden.

Ein weiterer junger Mann, der ebenfalls wegen Körperverletzung in der Sache angeklagt gewesen war, wurde freigesprochen. Keiner der Zeugen hatte ihn belastet.