Balingen / Lydia Wania-Dreher  Uhr
Den Discobesuch im Oktober 2018 vergisst der 25-Jährige nie: Er wurde er brutal niedergeschlagen und leidet bis heute.

Am Ende der Beweisaufnahme war die Richterin am Balinger Amtsgericht überzeugt: Die Tat hatte sich genauso zugetragen, wie es in der Anklage steht. Sie verurteilte den 19-Jährigen wegen vorsätzlicher Körperverletzung in drei Fällen, dem Angriff auf Vollstreckungsbeamte und wegen Beleidigung sowie Bedrohung zu einer Jugendstrafe von sechs Monaten auf Bewährung.

Zudem muss der junge Mann drei Wochen in Dauerarrest, 80 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und die Kosten des Nebenklägers tragen. Über Schmerzensgeld und Entschädigungen soll in einem separaten Zivilprozess verhandelt werden.

Das Opfer leidet bis heute an den Folgen der Attacke

Was war geschehen? Der Angeklagte, der in Rosenfeld wohnt und in der Nacht seinen Geburtstag feierte, pöbelte am 27. Oktober 2018 in einer Balinger Diskothek zwei ihm unbekannte junge Männer, die mit ihrer Fußballmannschaft da waren, anscheinend grundlos an. Die beiden Männer unterhielten sich zu dem Zeitpunkt mit zwei Frauen im Raucherbereich des Lokals. Es kam zum Wortgefecht, bald darauf schlug der Angeklagte zu und traf einen der Männer an der Wange.

Der dazu geholte Sicherheitsdienst ging dazwischen und schmiss anschließend den Angeklagten raus. Dieser kündigte dabei an, draußen zu warten. Und das tat er dann auch. Als das spätere Opfer die Diskothek zusammen mit seinen Fußballfreunden verließ, wartete der 19-Jährige mit seinen Kumpels bereits. Die Polizei, die vorsorglich vor Ort war, ging dazwischen und trennte die beiden Gruppen.

Die Fußballer riefen ein Taxi und wollten heimfahren. Währenddessen versteckte sich der Angeklagte hinter einem Auto, rannte dann mit hoher Geschwindigkeit plötzlich auf einen der Freunde zu und versetzte ihm einen heftigen Faustschlag ins Gesicht. Der 25-Jährige ging daraufhin zu Boden.

„Ich lag in meinem eigenen Blut“, erzählte das Opfer vor Gericht. Später stellte sich heraus, dass der Mann einen doppelten Kieferbruch erlitten hatte, der operiert werden musste und dessen Heilung sich bis heute hinzieht. Noch immer hat der 25-Jährige Schmerzen und Schwierigkeiten beim Essen.

Doch damit nicht genug. So rannte der 19-Jährige an dem Abend weiter und schlug einem Polizeibeamten mit dem Ellenbogen ins Gesicht. Danach stolperte der Angeklagte und konnte dann von den Polizeibeamten festgenommen werden. Dagegen wehrte sich der junge Mann massiv, so dass Pfefferspray eingesetzt werden musste.

Richterin geht von einem planvoll und zielgerichteten Verhalten aus

Als der Mann gesichert im Polizeibus saß, spuckte er wild um sich, beleidigte und bedrohte die Beamten. Die Polizisten verpassten ihm daraufhin einen sogenannten Spuckschutz. Anschließend trat der Angeklagte um sich und traf dabei einen Polizeibeamten, der eine Schürfwunde am Knie erlitt.

Auf der Fahrt zur Wache beruhigte sich der 19-Jährige. Ein Alkoholtest ergab bei ihm umgerechnet 1,6 Promille. Der Angeklagte gab am Montag vor Gericht an, sich aufgrund seines Alkoholkonsums nicht mehr an Details der Tat erinnern zu können. Die Richterin nahm ihm das allerdings nicht ab. Der Angeklagte habe an dem Abend sehr planvoll und zielgerichtet agiert.

Es war nicht das erste Mal, dass der 19-Jährige zuschlug. Erst acht Monate vor der Tat wurde er zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er einen Mann auf einem Fest in Vöhringen mit der Faust ins Gesicht geschlagen hatte.

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