Hin und wieder erspäht man am Abendhimmel eine ungewohnt gleichmäßige Kette an grellen Lichtern, die in geordnetem Abstand zueinander über die Region zieht. Zuletzt konnte dieses Spektakel wie berichtet am 19. April im Zollernalbkreis beobachtet werden. Unsere Leser spekulierten über die wildesten Theorien zu den Himmelskörpern.

Das Geheimnis darüber, was sich hinter der außerirdischen Lichterkette befindet, war schnell gelüftet: Satelliten des privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX aus den USA. Aber welchen Zweck verfolgt dessen Gründer Elon Musk mit diesen Satellitenkonstellationen?

Schnelles Internet weltweit

Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich dabei um ein Netzwerk an Satelliten. Diese werden in die Erdumlaufbahn geschossen und sollen dort weltweit für schnelles Internet sorgen. Schon ab Mitte dieses Jahres soll „Starlink“, wie SpaceX sein Satellitennetzwerk nennt, für Internet in den USA sorgen. Die restliche Welt soll ab 2021 davon profitieren können.

Im Moment befinden sich bereits mehrere Hundert solcher Satelliten in der Erdumlaufbahn. Bis zum Jahr 2027 hat SpaceX Genehmigungen für etwas weniger als 12.000 Satelliten erhalten, das Unternehmen ist jedoch schon jetzt der weltweit größte kommerzielle Satellitenbetreiber.

Ein Teil der Geräte wird in eine vergleichsweise geringe Umlaufbahn gebracht, genauer gesagt rund 328 bis 550 Kilometer oberhalb der Erdoberfläche. Die kurze Distanz ermöglicht kurze Signallaufzeiten zwischen den Satelliten und den Endgeräten auf der Erde.

Das dadurch bereitgestellte Internet soll bis zu einem Gigabit pro Sekunde schnell sein – die Gesamtdatenmenge, die ein Satellit ausgeben kann, ist jedoch begrenzt.

Internet bis in jeden Hinterhof

SpaceX verspricht durch Starlink einen weltweiten Internetzugang, der nicht nur die Geschwindigkeit des bisherigen Satellitennetzes übertrumpfen soll, sondern durch die Loskopplung von irdischer Infrastruktur dort Internet schafft, wo es bisher keines geben konnte.

Denn: Laut eines Berichts der UNESCO aus dem Jahr 2015 ging die weltweite Breitbandentwicklung zum dortigen Zeitpunkt zurück. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung, etwa 57 Prozent, haben laut dieser Studie noch keinen Zugang zum Internet.

Vor allem Schwellen- und Entwicklungsländer liegen hierbei weit zurück. Durch Starlink könnte auch in solchen stark ländlichen Regionen ein schneller Internetzugang gewährleistet werden, ohne vorher ein teures Breitbandnetz aufbauen zu müssen.

Von Weltraumschrott bis Militärkooperation

Dabei bleibt das Vorhaben des Raumfahrtunternehmens nicht von Kritikern verschont. So äußerten beispielsweise viele Astronomen ihre Bedenken darüber, dass durch die tausenden Satelliten ihre stellarischen Beobachtungen beeinträchtigt werden könnten.

SpaceX schickte bereits im Januar unter anderem einen Satelliten in einem experimentellen schwarzen Anstrich ins All, um zu überprüfen, ob dadurch die Erscheinung am Nachthimmel getrübt werden kann.

Radioastronomen wiederum kritisierten die Frequenzbelastung durch das gigantische Starlinknetz, die in manchen Frequenzbereichen dazu führen könnte, dass radioastronomische Beobachtungen gestört werden könnten. Dem könnte das amerikanische Unternehmen vorbeugen, indem es die Satelliten dort ausschaltet, wo es Observationsstandpunkte gibt.

Elon Musk und seine Visionen

Weitere Bedenken zu Starlink sind außerdem der mögliche anfallende Weltraumschrott, sollte ein Satellit des Meganetzes ausfallen. Bereits jetzt kreisen im Orbit um den Planeten tausende Objekte, die zum Weltraumschrott zählen. Dazu gehören beispielsweise Teile einer Kollision zweier Satelliten aus dem Jahr 2009.

SpaceX erklärt auf seiner Website, dass die für Starlink verwendeten Satelliten die wissenschaftlichen Standards entweder erfüllen oder sogar übertreffen. Das Raumfahrtunternehmen von Elon Musk erklärt unter anderem, dass sich die Geräte am Ende ihrer Laufzeit eigenständig über einen gewissen Zeitraum hinweg aus dem Orbit entfernen.

Die Verbindung zum Militär

Sollte dieses System ausfallen, verbrennt der Satellit innerhalb von ein bis fünf Jahren selbst, was in höheren Umlaufbahnen nicht möglich sei. Zur Erinnerung: Starlink umkreist die Erde primär auf 550 Kilometern über der Erdoberfläche, andere Satelliten befinden sich nochmal rund 500 Kilometer darüber.

Leser unserer Zeitung äußerten vereinzelt ihre Theorien darüber, dass es sich bei den Lichterketten um Militärflugzeuge handele. Dass dem nicht so ist, liegt derweil auf der Hand – die militärische Verbindung der Satelliten ist damit aber noch nicht gänzlich aufgehoben.

Wie die internationale Nachrichtenagentur Reuters im vergangenen Oktober berichtete, testete die amerikanische Air Force eine verschlüsselte Verbindung zwischen einzelnen Militärflugzeugen. SpaceX stellte dabei eine Internetverbindung mit bis zu 610 Megabits pro Sekunde bereit.

Dahinter steckt laut Reuters ein Vertrag zwischen der Air Force und SpaceX aus dem Jahr 2018, bei dem das Raumfahrtunternehmen 28 Millionen Dollar erhalten haben soll. Elon Musk will laut eigener Aussage mit dem Geld, das sein Raumfahrtunternehmen mit Starlink generiert, seine Vision, eine Kolonie auf dem Mars aufzubauen, realisieren.

„Spionage-Satellit“ sorgt für Aufsehen

Im Januar 2018 schickte SpaceX zudem einen damals geheimen Satelliten namens Zuma in die Erdumlaufbahn – zumindest war das der Plan. Der amerikanische Nachrichtendienst Defense News berichtete, dass die Mission rund um den „Spionage-Satelliten“ fehlgeschlagen sei. SpaceX hingegen beharrte darauf, dass die eingesetzte Rakete Falcon 9 einwandfrei funktioniert habe.

Eine offizielle Bestätigung hinsichtlich einer erfolgreichen Platzierung des amerikanischen Satelliten in der Erdumlaufbahn existieren nicht; offizielle Mitteilungen darüber, dass das Gerät abgestürzt sei, gibt es jedoch ebenfalls nicht – es ist schlicht unklar, was genau passiert ist.

Wie es weitergeht

In Zukunft plant SpaceX weiterhin zahlreiche Starts seiner Raketen, um weitere Satelliten für Starlink in die Erdumlaufbahn zu befördern. Wo und wann das Meganetzwerk derweil am Abendhimmel beobachtbar ist, kann auf einer Website jederzeit nachgeschaut werden.

Sicher ist, dass die Zahl der Lichterketten, wie man sie am 19. April und vergangenes Jahr im Dezember am Abendhimmel beobachten konnte, in Zukunft weiter steigen wird – und damit wohl auch die Anrufe bei der Ufo-Meldestelle.