Es ist ein unglaubliches Gefühl, das er jedem wünscht: Semere Yebio hat mit einer Stammzellenspende ein Leben gerettet.
Der 30-jährige Albstädter hatte sich bereits vor über zehn Jahren bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registrieren lassen. Bei einer Aktion in der Schule habe er sofort teilgenommen.

Im Herbst kommt die frohe Botschaft

„Um ehrlich zu sein, habe ich nicht mehr unbedingt damit gerechnet, nach dieser Zeit noch als Spender in Frage zu kommen“, sagt Yebio.
Doch im Herbst des vergangenen Jahres überraschte ihn die E-Mail der DKMS. Schon diese Nachricht habe ihn so glücklich gemacht, dass er sofort seiner Freundin davon erzählen musste.

Untersuchungen sichern alles ab

Nach mehreren Telefonaten mit der DKMS folgte ein Besuch bei seinem Hausarzt, um mit einer Blutprobe sicherzustellen, dass er tatsächlich als Spender für ein junges Mädchen mit Blutkrebs geeignet ist.
In Tübingen unterzog er sich dann einem umfangreichen Körpercheck. „Danach erhielt ich Gewissheit, dass ich tatsächlich als Spender geeignet bin“, sagt Yebio.

Zollernalbkreis

Selbst spritzen als Herausforderung

So weit, so einfach, doch Yebio gesteht: „Die größte Hürde waren die Selbstinjektionen eines Wachstumsfaktors.“ Diese Angst sei aber beim Gedanken, dadurch jemanden das Leben retten zu können, sehr schnell verflogen.
Zudem war seine Freundin zur Stelle: „Da ich kein riesiger Freund von Spritzen bin, war ich froh, dass sie mir zwei Mal täglich bei diesem Schritt behilflich war.“

Medikament vermehrt Stammzellen

Das Medikament steigert die Anzahl der Stammzellen, die dann über ein spezielles Verfahren direkt aus dem Blut gewonnen werden, informiert die DKMS dazu.
Im Dezember war es dann soweit: Spendetag! Am frühen Morgen fuhr das Pärchen gemeinsam in die Uni-Klinik nach Tübingen. „Das tolle Team dort empfing mich freundlich und erklärte bei einer kleinen Stärkung nochmals den gesamten Ablauf“, sagt Yebio.

Zugänge an beiden Armen

Die Entnahme der Stammzellen könne man etwa mit einer Blutplasmaspende vergleichen, erzählt Yebio. „An beiden Armen wurden mir Zugänge gelegt und so die benötigten Stammzellen aus meinem Blut entnommen.“
Solange hieß es abwarten, bis die erforderliche Anzahl an Stammzellen erreicht wurde. Diese drei Stunden seien wie im Flug vergangen, da er sich nebenher mit dem Smartphone beschäftigen und lesen konnte.
Gute Tat nicht sofort realisiert
Die DKMS erkundigte sich anschließend noch am selben Tage nach seinem Zustand. „Es benötigte einige Zeit, um zu realisieren, was ich mit dieser Tat bewirken konnte“, sagt Yebio, der beruflich das Tattoostudio Lifestyle Garage in Albstadt leitet.
Nach Weihnachten hatte er dann die Gewissheit: Seinem genetischen Zwilling wurde durch die Transplantation geholfen. „Ich strotzte nur vor Stolz und war unheimlich glücklich mit so wenig Aufwand jemand eine zweite Lebenschance gegeben zu haben: Ich habe ein Leben gerettet.“

Erster Kontakt zu jungem Mädchen

Wer das gerettete Mädchen ist, weiß Yebio noch nicht. Vor rund zwei Wochen hatte er jedoch einen ersten anonymen Kontakt: „Das Mädchen hat sich unheimlich lieb bei mir bedankt.“
Die deutschen Richtlinien sehen vor, dass sich Spender und Patient erst zwei Jahre nach der Spende persönlich kennen lernen dürfen. Darüber würde sich Yebio unheimlich freuen, da er wissen will, wer sein genetischer Zwilling ist.
Solange können über die DKMS Briefe oder Geschenke ausgetauscht werden. „Geschenke möchte ich keine, da die Genesung der Person das größte Geschenk überhaupt ist“, sagt Sport- und Musikfan Semere Yebio ganz selbstlos.

DKMS im Krisenjahr

Die Corona-Pandemie im Jahr 2020 hat die DKMS eigenen Angaben zufolge vor eine der größten Herausforderungen in ihrer fast 30-jährigen Geschichte gestellt.
„Unser Engagement ist wichtiger als je zuvor. Blutkrebs macht keine Corona-Pause“, sagt Dr. Elke Neujahr, Vorsitzende der DKMS-Geschäftsführung. „Trotz größter Herausforderungen haben wir neue Chancen erkannt und viele positive Veränderungen eingeleitet: Wir sind noch digitaler und flexibler geworden.“

Weniger Neuregistrierungen

Die Neuregistrierungen liegen deutschlandweit rund ein Drittel unter dem Niveau des Vorjahres. Insgesamt fanden rund 870 DKMS-Registrierungsaktionen statt, davon über 425 virtuell.
Bis November fanden deutschlandweit 5.108 Stammzellentnahmen statt. Yebio gehört zu 1.026.000 registrierten potenziellen Spendern in Baden-Württemberg.