Balingen Leben in der Stollenfabrik

Das frühere Fabrikgebäude der Firma Uhlsport in der Grünewaldstraße soll grundlegend saniert werden. Die Firmen Jetter aus Rosenfeld und Köhl-Jetter aus Balingen möchten es in ein modernes Wohn- und Geschäftshaus verwandeln.
Das frühere Fabrikgebäude der Firma Uhlsport in der Grünewaldstraße soll grundlegend saniert werden. Die Firmen Jetter aus Rosenfeld und Köhl-Jetter aus Balingen möchten es in ein modernes Wohn- und Geschäftshaus verwandeln. © Foto: Lydia Wania-Dreher
Balingen / Von Lydia Wania-Dreher 10.11.2018
Aus dem früheren Uhlsport-Gebäude in Balingen wird ein Wohn- und Geschäftshaus.

Sehr häufig werden ältere Gebäude abgerissen, ohne sie vorher genau zu betrachten“, schreibt Nadine Preuhs zu Beginn ihrer Master­thesis. Im Zentrum der Arbeit steht das frühere Gebäude der Firma Uhlsport in der Grünewaldstraße 1. Es soll im kommenden Jahr in ein modernes Wohn- und Geschäftshaus verwandelt werden. Ein Gebäude, das dem ersten Anschein nach für die meisten Personen keine Augenweide ist, und dessen Abbruch wenig Emotionalitäten aufrufen würde, beschreibt es die junge Architektin. Die Beteiligten möchten anhand der ehemaligen Fabrikhalle auch aufzeigen, was man aus einem auf den ersten Blick scheinbar nicht sehr wertvollen Gebäude machen kann.

Im Frühjahr 2019 soll mit den Arbeiten begonnen werden. Dabei wird das Gebäude entkernt und teilweise werden Wände herausgerissen. „Wir haben konstruktiv analysiert, was erhalten werden kann und wirtschaftlich Sinn macht“, erklärt Johannes Jetter, Geschäftsführer der Firma Jetter Gebäudebau aus Rosenfeld, die als Bauträger für das Projekt fungiert. Die Vermarktung wird die Firma Köhl-Jetter Immobilien aus Balingen mit Geschäftsführer Jörn Köhl übernehmen.

Dank der umfangreichen Erneuerung werden die 14 Wohnungen und vier bis sechs Gewerbeeinheiten dann Neubauniveau haben, sagt Johannes Jetter. Zur Grünewaldstraße hin wird sich der Eingang zu den Gewerbeeinheiten befinden. Denkbar seien Büros, Dienstleister oder eine Praxis, so Jetter. Vier Interessenten gebe es bereits.

Ein extra Eingang und Treppenhaus führt in die Wohneinheiten, die Mitte 2020 bezugsfertig sein sollen. Sie sind an den Balinger Bedarf angepasst. Denn Architektin Nadine Preuhs untersuchte in ihrer Abschlussarbeit auch, welche Art von Wohnraum fehlt. So sei die durchschnittliche Haushaltsgröße in Balingen ein 2,2 Personenhaushalt. Während über 60 Prozent der Haushalte aus ein bis zwei Personen bestehen, entspreche nur zirka 20 Prozent der Wohnungen dieser Haushaltsgröße mit bis zu drei Räumen. Daraus ergebe sich für Balingen ein deutlicher Bedarf an kleineren Wohnungen.

Und so weisen die teilmöblierten Wohnungen im Erd- und Obergeschoss eine Größe von 50 bis 73 Quadratmetern auf. Da die Fensteröffnungen ihre jetzige Größe behalten, kommt viel Licht in die Wohnungen. Zudem erhellt ein begrünter Innenhof gerade auch die Gewerberäume.

Die Stadtverwaltung Balingen machte zusätzlich den Bau eines Staffelgeschosses möglich. Hier sollen fünf komplett neue Penthousewohnungen entstehen, die jeweils vom Außenbereich separat erschlossen werden. „Es sind wie kleine Einfamilienhäuser in herrlicher Lage“, beschreibt es Hans-Dieter Jetter, Seniorchef der Jetter Firmengruppe.

Ein Großteil der zukünftigen Tiefgarage ist schon vorhanden. Denn das Gebäude ist großzügig unterkellert. Die Firma Uhlsport nutzte die Fläche als Lager – dank der offenen Bauweise und den Stützen eignet sich diese ideal für Stellplätze. Es müssten nur kleinere Umbauten gemacht und eine Einfahrt erstellt werden.

Ein Stück Balinger Geschichte

Mit der grundlegenden Sanierung lebt ein Stück Balinger Firmengeschichte weiter. Denn auf dem Grundstück wurde das heute weltweit agierende Unternehmen Uhlsport groß. Lederwarenfabrikant Karl Uhl baute dort im Jahr 1959 ein Fabrikgebäude, das durch eine Garage und Sanitärbereiche mit seinem Wohnhaus verbunden war. Das Unternehmen, das früher Lederstollen für Sportschuhe herstellte, wuchs und so wurde das Fabrikgebäude bis 1981 immer wieder erweitert. Die heute noch bestehende Verbindung zum Wohnhaus soll im Zuge des Umbaus gekappt werden.

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