Kreativität ist eine wichtige schwäbische Eigenschaft. Denn sie verhalf der Region zum Erfolg. Aufgrund der kargen Böden war in der Landwirtschaft nicht viel zu holen, man musste also andere Wege finden. Neue Ideen, Einfallsreichtum waren gefragt. Ein Grund, warum es im Südwesten heute so viel Weltmarktführer gibt. Doch wie können wir uns diese Kreativität bewahren? Wie können wir selbst kreativ werden?

Antworten darauf soll die Ausstellung „Revolte! Creative Urban Art“ geben. Sie findet vom 8. Juni bis 8. September in der Schwelhalle in Frommern statt. Für diese drei Monate wird sich der Industriebau in ein Zentrum der Kunst verwandeln. Im Mittelpunkt steht dabei Graffiti. Die Kunstform kam in den frühen 1980er-Jahren mit der Hip-Hop-Bewegung von den USA nach Europa und veränderte das Gesicht der Städte.

Graffiti war und ist ein Ausdruck von Veränderungswillen, Aufbegehren und der intensiven Auseinandersetzung mit sozialen und gesellschaftlichen Themen. So auch bei den beiden Hauptakteuren der Ausstellung: WON ABC und Cowboy 69. Sie sind Sprayer der ersten Stunde, die jedoch nicht unterschiedlicher sein könnten. WON ABC, der mit bürgerlichem Namen Markus Müller heißt, wurde als Sohn eines Ministerialbeamten 1967 in Weiden in der Oberpfalz geboren. Er begann – inspiriert vom Film Wild Style – mit den Dosen aus Papas Garage zu sprayen. Im Jahr 1988 gründete er zusammen mit Cowboy 69 den „Art Bombing Clan“, kurz ABC. Später studierte er bei Robin Page an der Kunstakademie München und machte dort 1995 seinen Abschluss. In den späten 1980er-Jahren wandte er sich vom Kalligraphischen ab und figurativen Elementen, dem „Character“, zu. Heute sprayt WON ABC weltweit auf große Hauswände, Hubschrauber und Autos, aber auch auf Leinwände. Er gilt als einer der ganz Großen der Szene.

Auch Cowboy 69 ließ sich von „Wild Style“ inspirieren. Er wurde als Sohn türkischer Einwanderer 1969 in München geboren und gilt als einer der Urväter des sogenannten Writing in Deutschland. Dabei bildet die Schrift das Basiselement des Graffitis. Ende der 1980er- und in den 1990er-Jahren war er ein Idol für „Writer“, mit dem sich niemand in einem „Battle“ zu messen traute.

Die Arbeiten von WON ABC und Cowboy 69 stehen im Mittelpunkt der Ausstellung. Daneben sollen Werke anderer Graffitikünstler wie OZ (Hamburg), DARCO FBI (Paris) und Harald Nägeli (Zürich/Düsseldorf) gezeigt werden. Diese werden ergänzt mit Bildern von Künstlern verwandter Stilrichtungen wie Keith Haring, Sigmar Polke oder Lili Fischer. Außerdem wird ein Film über WON ABC und Cowboy 69 zu sehen sein.

Jeder darf ausprobieren

Die Besucher sollen mit einbezogen werden: bei Workshops, Diskussionsrunden, aber auch in einem eigenen Bereich zum Ausprobieren. Den Auftakt macht zunächst erst einmal die Vernissage am Freitag, 7. Juni.