Geislingen Kreistagsmehrheit öffnet den Weg Richtung Zentralklinik

Geislingen / Klaus Irion 24.01.2017

Die Zukunft des Zollernalb-Klinikums sei eine Jahrhundertentscheidung. Dieser Satz war bei der Kreistagssitzung am Montagabend in der Geislinger Schlossparkhalle immer wieder zu hören. Entsprechend intensiv war die fast vierstündige Debatte, die – abgesehen von einigen wenigen Spitzen – in sachlicher Atmosphäre geführt wurde.

Am Ende eines Antragsmarathons, den fast ausschließlich die Fraktionen von SPD und Freien Wählern initiiert hatten, stand die tendenzielle Bereitschaft einer Kreistagsmehrheit, sich auf das 170-Millionen-Euro-Großprojekt einer Zentralklinik auf der grünen Wiese einzulassen. Ob diese aber wirklich kommt und sie die beiden bisherigen Krankenhausstandorte in Albstadt und Balingen ersetzen würde, steht gleichwohl noch lange nicht fest.

Es gab aber auch Stimmen, wie die des Albstädter SPD-Kreisrats Elmar Maute, die am bisherigen Zwei-Standorte-Modell festhalten wollen. Der Applaus seiner Mitstreiter von der Bürgerinitiative Pro Krankenhaus in Albstadt war Maute dabei gewiss. Sie hatten vor Beginn der Sitzung, wie auch Mitglieder der Albstädter MLPD und der dortigen Gemeinderatsfraktion ZUG, vor der Schlossparkhalle für den Erhalt des Ebinger Krankenhauses protestiert.

Eingangs der Debatte hatte Landrat Günther-Martin Pauli seinen Standpunkt erläutert. Kernsatz: „Wir wollen die bestmögliche medizinische Versorgung unserer Mitbürger im gesamten Zollernalbkreis mit einem starken Zollernalb-Klinikum für die Zukunft sicherstellen!“ Pauli warnte die Räte davor, ständig die Richtung zu ändern oder sich im Kreis zu drehen. „Dann gehen die Lichter in unseren Kliniken schneller aus als wir gucken können“, mahnte er und verteidigte das Vorgehen in Sachen Sanierung des Ebinger Krankenhauses. „Bevor wir jetzt 40 bis 50 Millionen Euro in eine Sanierung stecken, mussten wir die Sinnhaftigkeit, die Zukunftsfähigkeit auf den Prüfstand stellen.“

Pauli verwies auf die Gutachten von Teamplan und von Ernst und Young, die nicht nur die Richtigkeit dieses unpopulären Vorgehens bestätigt hätten , sondern auch unstrittig klar die Zielrichtung vorgegeben hätten: „Ein Zentralklinikum auf der grünen Wiese!“


Auch der ärztliche Direktor des Zollernalbklinikums, Professor Michael Bitzer warb noch einmal eindringlich für das Zentralklinikumsmodell. Nur so seien langfristig die medizinischen, aber auch die politischen Anforderungen, die künftig an Krankenhäuser gestellt würden, zu erfüllen. „Die Beibehaltung des Status quo ist falsch, weil nicht zukunftsfähig“, so Bitzer. Gleichwohl dürfe eine Stadt von der Größe Albstadts natürlich nicht ohne Klinik sein. Um beide Anforderungen zu erfüllen, bleibe das Modell einer Zentralklinik übrig, die, wenn schon nicht in Albstadt selbst, dann doch in dessen Nähe gebaut würde.

Die Kreisräte lehnten jedoch mehrheitlich einen SPD-Antrag ab, sich schon jetzt darauf festzulegen, dass ein mögliches Zentralklinikum verbindlich an einem Standort zwischen Balingen und Albstadt gebaut werden würde. Auch muss die Kreisverwaltung weder, wie von der SPD gefordert, darlegen, wie sich das Beibehalten des Zwei-Häuser-Modells in der Zukunft auswirken würde, noch bereits jetzt konkrete Untersuchungen für die Nachnutzungen der beiden bestehenden Krankenhäuser anstellen. Dies hatten SPD und Freie Wähler gefordert.

Dafür bekamen die Sozialdemokraten eine große Mehrheit für ihr Ansinnen, ein Zentralklinikum, sollte es denn kommen, in einem Bauabschnitt zu realisieren. Die Kreisverwaltung hatte sich auch eine modulare Bauweise vorstellen können, wonach zunächst das Albstädter Krankenhaus und danach erst das Balinger verlegt werden würde.

Einige Mitglieder der Fraktion der Freien Wähler hätten gern auch ausführliche Angaben zu einem möglichen Zentralklinikum am bisherigen Balinger Krankenhausstandort erhalten. Vor allem diesbezügliche Gesamtkostenermittlungen. Doch eine knappe Mehrheit der Räte ersparte dies Landrat Pauli und seiner Verwaltung. Nicht erspart bleibt ihnen jedoch, Daten zur Zukunftsfähigkeit der einzelnen medizinischen Schwerpunkte zu präsentieren. Landrat Pauli hatte dafür geworben, diesen Antrag abzulehnen. Am Ende aber waren 23 Räte dafür, 22 dagegen.