Interessant: Die Experten vom Büro „Ernst & Young“, die im Dienste der Stadt Albstadt in den vergangenen Monaten die Kliniksituation im Zollernalbkreis unter die Lupe genommen haben, kommen zum selben Schluss wie die „Teamplan“-Kollegen. Albstadts OB Konzelmann sieht dies als Beleg dafür, dass die Experten von „Ernst & Young“ ergebnisoffen gearbeitet und kein „Gefälligkeitsgutachten“ erstellt haben.

Sowohl „Teamplan“ als auch „Ernst & Young“ empfehlen den Bau einer Zentralklinik als optimalste Lösung für die künftige medizinische Versorgung der Landkreisbewohner. Das widerspricht der Idee, das Balinger Krankenhaus zur Zentralklinik auszubauen. Die Gutachter spielen aber auch den ursprünglichen Albstädter Plänen nicht in die Karten. Sie erteilen nämlich auch der Forderung, den Doppelstandort zu erhalten, eine Abfuhr. Für letzteres hat die Bürgerinitiative Pro Krankenhaus Albstadt 32 000 Unterschriften gesammelt. Der Albstädter Gemeinderat sprach sich noch im Juli 2015 einmütig für ein Zwei-Standorte-Konzept aus.

Mit den Empfehlungen der Gutachter steht der Kreistag nun abermals vor der Entscheidung: Zentralklinikum – ja oder nein? Zuletzt war man 2005 an diesem Punkt angelangt. Als Folge des damaligen Votums gegen einen Klinikneubau, der im Falle eines Falles zwischen Albstadt und Balingen entstanden wäre, wurde das Hechinger Krankenhaus geschlossen und die heute geltende Zwei-Standort-Variante für das Zollernalb-Klinikum umgesetzt.

Bei der Bürgerinformationsveranstaltung heute Abend in der Zollernalbhalle werden nochmals beide Gutachten erläutert. In seiner gestrigen Sondersitzung hörte das Plenum des Albstädter Gemeinderats erstmals offiziell, was die Gutachter von „Ernst & Young“, die im Viererpack auftraten, herausgefunden haben. Vor einer enttäuschend kleinen Zuhörerkulisse. Die Verwaltung war mit entsprechendem Übertragungsequipment vor dem Sitzungssaal für einen weitaus größeren Andrang gewappnet.

Dr. Frank Jungblut und seine Kollegen beleuchten und bewerten, ausgehend von der heutigen Situation, in ihrer Untersuchung „verschiedene Szenarien zur medizinischen und wirtschaftlichen Zukunftsfähigkeit des Zollernalb-Krankenhauses Albstadt“. Vor dem Hintergrund, dass mit Blick auf 2025 mit einem jährlichen Abmangel von rund 12 Millionen Euro (inklusive Immobilien) zu rechnen wäre, wenn der Status quo beibehalten würde, raten die Gutachter zum Bau einer Zentralklinik, die 2023 bzw, 2025 fertig sein könnte.

Als Standort könnte man sich offenbar nach wie vor den gemarkungsüberschneidenden Bereich zwischen Albstadt und Balingen vorstellen. Eine Grundsatzdebatte zum Gutachten gab es  nicht. Die Stadträte konnten lediglich Fragen stellen. Jetzt geht das Ganze in die nichtöffentliche Beratung in Ausschuss und Gesamtgremium, bevor dann laut OB Konzelmann im Juni eine Stellungnahme abgeben wird.

Die „Entscheider“ sitzen jedoch im Kreistag. Die Albstädter Stadtverwaltung sieht in der Gutachterempfehlung einen „Teilerfolg“. Einen entsprechenden Beschluss des Kreistags vorausgesetzt, würde das Albstädter Krankenhaus erst einmal noch weiterbestehen. Bis „die ersten Patienten durch die Tür einer Zentralklinik gehen“ könnten, zögen mindestens noch acht Jahre ins Land. „Ich hoffe, dass der Kreistag die Zentralklinik beschließt“, bezog OB Klaus Konzelmann im Vorfeld der Sondersitzung klar Stellung, „sonst stehen wir in zehn Jahren wieder an diesem Punkt.“

Mit dem von den Gutachtern errechneten Abmangel von fünfzehn Jahren könne man ein komplett neues Krankenhaus bauen. Ein zentraler Aspekt ist allerdings noch ungeklärt: Auf die Frage, ob und in welcher Höhe der Kreis Zuschüsse, die er insbesondere für die Sanierung in Balingen erhalten hat, bei einem Ja zur Zentralklinik zurückzahlen müsste, gibt es noch keine Antwort.

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