Transparenz, so betonte Landrat Günther-Martin Pauli, der gemeinsam mit Albstadts Oberbürgermeister Klaus Konzelmann die Besucher in der zwar nicht voll, aber doch gut besetzten Zollernalbhalle begrüßte, sei ihm wichtig. Gerade auch bei einem „so heiklen und emotionsaffinen Thema“ wie der Klinikdebatte. Nun liegen seit kurzem die Ergebnisse zweier umfangreicher Gutachten vor – das der Kreisverwaltung und das der Stadt Albstadt. Generell sei es hier wichtig, die Bürger mitzunehmen, argumentierte Pauli.

Am vergangenen Montag war der Kreistag über das Ergebnis des vom Kreis beim Tübinger Büro „Teamplan“ in Auftrag gegebenen Gutachtens öffentlich informiert worden, der Gemeinderat Albstadt einen Tag später ebenfalls öffentlich über die Resultate des von der Stadt Albstadt beauftragten Gutachtens beim Stuttgarter Unternehmen „Ernst & Young“. Beide Gutachter kommen unabhängig voneinander zu demselben Schluss: Nur der Bau einer Zentralklinik mittig zwischen Albstadt und Balingen sei das Mittel der Wahl für den Zollernalbkreis. In alle drei Mittelzentren – Albstadt, Balingen und Hechingen – sollen solche großangelegten Informationsabende stattfinden, versprach der Landrat.

Am Mittwochabend stellten beide Gutachterteams ihre Arbeit und Ergebnisse der interessierten Bürgerschaft vor. Kein Gegengutachten, sondern ein begleitendes Gutachten habe Albstadt in Auftrag gegeben, konkretisierte Oberbürgermeister Konzelmann. Entstanden sei dies aus der Befürchtung heraus, die Diskussion würde sich in Richtung eines nur in Balingen konzentrierten Klinikums entwickeln. Daher habe man dieses wirklich ebenfalls neutrale, zweite Gutachten erstellen lassen. Er wünsche sich, so OB Konzelmann, dass der Landkreis für die nächsten 50 Jahre gut aufgestellt werden könne und die Leute später einmal sagen würden: „Jawohl, die haben damals, 2016, die richtige Entscheidung getroffen“.

Aus den von OB Konzelmann angesprochenen Befürchtungen hatte sich auch die Bürgerinitiative „Pro Krankenhaus in Albstadt“ gebildet. Sie übergab am Mittwochabend sechs dicke Leitzordner mit insgesamt 33 355 Unterschriften, von, so Sprecher Roland Tralmer, Bürgern, die sich für die Thematik interessieren und einsetzen. Dass die Tendenz hin zu einer nur in Balingen zentralisierten Klinik nun wohl vom Tisch sei, sieht er auch eindeutig als Erfolg der Bürgerinitiative. Doch außer der Unterschriftenliste, formulierte Tralmer, werde man auch die Hand reichen in der Hoffnung auf eine gute künftige Zusammenarbeit in Sachen Klinikkonzeption, bei der nicht nur wirtschaftliche und medizinische, sondern auch soziale Aspekte eine Rolle spielen müssten: „Es gibt viel zu diskutieren“.

Der Landrat lobte die „enorme Fleißarbeit“ der Bürgerinitiative und drückte hierfür seinen hohen Respekt aus. Man werde konstruktiv in den direkten Dialog ein treten, so Pauli. Allerdings hätte er sich gewünscht, dies wäre schon früher geschehen, statt über Leserbriefe zu kommunizieren. Dann wäre manches Missverständnis erst gar nicht entstanden.

Ausführlich stellten danach sowohl Vertreter von „Teamplan“ ebenso ihr Gutachten vor wie die Mitarbeiter von „Ernst & Young“. Im Ergebnis sind sich beide Expertenteams einig: Ein Zentralklinikum auf der grünen Wiese zwischen Albstadt und Balingen ist der einzig richtige Weg in der Debatte um die künftige Krankenhauslandschaft im Kreis. Auch Chefarzt Prof. Dr. Michael Bitzer, Ärztlicher Direktor des Zollernalb-Klinikums, betrat das Podium und unterstützte diesen Standpunkt mit fachlichen Argumenten. Danach konnten sich die Bürger zu Wort melden, entweder vor dem Mikrofon oder indem sie ihre Anregungen, Wünsche und Impulse auf eine der im Foyer aufgestellten Stellwände schrieben.

Den Auftakt der Fragerunde machte die frühere ZUG-Stadträtin Christiane Kasprik. Sie warnte davor, alles der Kostenfrage unterordnen. Die nachfolgenden Redner zeigten sich skeptisch, was die „Prophetereien“ der Gutachter, aber auch was etwa die Zukunft des Personals angeht. Betriebsrat und Stadtrat Frank Hipp mahnte an, die Klinik nicht zu einem „börsenorientierten Unternehmen“ machen zu wollen, das vor allem Rendite abwerfen müsse. Es dürfe nicht passieren, dass – wie er am Beispiel Rems-Murr-Kreis aufzeigte – das Defizit durch eine Zentralklinik größer werde.

„Wir haben den Verdacht, dass die positiven Zahlen eines Zentralklinikums mit Personalabbau finanziert werden sollen“, sagte Hipps Klinik-Personalratskollege Peter Schieron. Kritik von Bürgerseite gab es auch an der Tatsache, dass bereits 90 Millionen Euro in den Umbau in Balingen gestreckt worden seien. Dr. Kurt Moosmann sprach von „Geldverschleuderung“. Den Schlusspunkt setzte der ehemalige Stadtrat Jürgen Frank mit einem Appell: Bei aller Diskussion ums Geld dürfe man auch die Patienten und das Personal nicht vergessen.

Trotz der kritischen Töne machte Landrat Günther-Martin Pauli eines deutlich: „Wir dürfen nicht die Augen verschließen“, sagte er. Der Status quo sei nicht länger tragbar. Die grüne Wiese biete unstrittig mehr Optionen. Pauli: „Wir gehen den steinigen Weg nicht aus Jux und Tollerei, sondern weil wir unsere Klinik zukunftsfähig machen müssen.“ Entscheiden würden am Ende im übrigen nicht die Gutachter, sondern der Kreistag.