Balingen/Hechingen Klinik statt Knast geht nicht

Nun ist noch eine Revision möglich.
Nun ist noch eine Revision möglich. © Foto: Pascal Tonnemacher
Balingen/Hechingen / Lydia Wania-Dreher 30.08.2018

Wir können Ihnen aus rechtlichen Gründen nicht helfen“, sagte Richter Volker Schwarz vor dem Hechinger Landgericht. Ein 38-Jähriger hatte Berufung gegen das Urteil des Balinger Amtsgerichts eingelegt. Der Mann war im Juni wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu drei Monaten Haft, die nicht zur Bewährung ausgesetzt wurde, verurteilt worden.

Mit der Berufung wollte der Mann aus Balingen erreichen, dass seine Haftstrafe in eine Unterbringung in einer Entzugsanstalt umgewandelt oder zur Bewährung ausgesetzt wird. Bei letzterem würde er seinen Job nicht verlieren, gab er an.

Die Tat räumte der Mann ein, obwohl er angab, sich nicht mehr daran erinnern zu können. Am zweiten Weihnachtsfeiertag 2017 stieß er angetrunken einen Mann in einer Balinger Kneipe mit seiner Schulter vom Barhocker. Der Getroffene fiel zu Boden und verletzte sich am Brustkorb.

Der 38-Jährige hat diverse Vorstrafen, bei denen immer wieder Alkohol im Spiel war. Er gab an, seit 2003 oder 2004 Probleme mit Alkohol zu haben. Eine Unterbringung in einer geschlossenen Entziehungsanstalt sei bei dieser Tat nicht verhältnismäßig, erklärt der Richter. Dafür sei das Delikt nicht schwerwiegend genug. Auch könne er keine höhere Strafe erteilen, da nur der Angeklagte Berufung gegen das Urteil eingelegt hatte. Eine Bewährung sei auch nicht denkbar, da es schon Vorstrafen mit dem gleichen Geschehensbild gab, seine Prognose nicht gut sei und er auf Bewährung ist. „Sie fallen durch das gesetzliche Raster“, stellte der Richter fest.

Therapie aus eigener Tasche

Er empfahl dem 38-Jährigen, sich an seine Krankenkasse zu wenden. Das habe er bereits getan, gab der Mann an. Er müsste die Therapie aber aus seiner eigenen Tasche zahlen. Und das könnte schwierig werden, denn der gelernte Maler und Lackierer geht nur einer saisonalen Beschäftigung auf 450-Euro-Basis in einem Kiosk nach. Seine Wohnung wird vom Jobcenter bezuschusst und seine Schulden bei der Unterhaltsvorschusskasse kann er derzeit nicht begleichen.

Der Richter riet dem Mann, im Gefängnis den sozialen Dienst zu kontaktieren. Dieser könne ihm helfen, eine Therapie zu finden. Eventuell käme dann eine anschließende Unterbringung in einer Entziehungsanstalt in Frage. Das Gericht verwarf in seinem anschließenden Urteil die Berufung. „Wir können heute nicht anders entscheiden“, begründete Richter Schwarz.

Der Mann kann nun noch Revision einlegen.

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