Dass trotz EM-Achtelfinale und vier vorausgegangener Infoveranstaltungen einige Besucher in die Begegnungsstätte gekommen waren, freute Landrat Günther-Martin Pauli. Er begrüßte auch Kreisräte und Bürgermeister. Vor der Vorstellung der Ergebnisse des Gutachtens zur Klinik-Zukunft betonte er, dass die aktuelle Diskussion nicht neu sei. Schon in den 1970er-Jahren habe es Überlegungen für eine Zentralklinik gegeben. „Politisch mehrheitsfähig war das Projekt damals aber nicht“, so Pauli.

Der Ärztliche Direktor des Zollernalb-Klinikums, Professor Dr. Michael Bitzer, plädierte in eindringlichen Worten für eine neue Zentralklinik auf der grünen Wiese: „Nur so können wir medizinisch und finanziell erfolgreich sein.“ 90 Prozent aller Ärzte im Zollernalbkreis würden diese Meinung vertreten. Als Vorteile eines Zentralklinikums nannte er unter anderem die gewährleistete Zusammenarbeit aller chirurgischen Fächer, die zentrale Notaufnahme mit Beteiligung aller Fachabteilungen sowie die Zusammenlegung einer großen Intensivstation mit allen Fachärzten an einem Ort.

Von Vorteil sei ein Zentralklinikum auch vor dem Hintergrund der Gewinnung qualifizierten Personals. „Gehen wir diesen Weg nicht, verfügt der Zollernalbkreis nur noch über eine medizinische Grundversorgung“, betonte Michael Bitzer. Personal müsste abgebaut werden, und der Kreis bekäme nur noch mittelmäßige Ärzte.

Obernheims Bürgermeister i.R. Georg Maier machte sich für eine Zentralklinik stark: „Das ist die allerbeste Lösung.“ Schon vor elf Jahren hätte ein entsprechender Beschluss getroffen werden sollen. Den Kreisräten kreidete er, die Entscheidung verbockt zu haben. Maier plädierte dafür, den Neubau nicht in Etappen, sondern in einem Rutsch zu erstellen. „Wir müssen die Finanzierbarkeit überprüfen“, entgegnete der Landrat. Deshalb konnte er auch nicht die Frage von Manuela Parlow-Fritz nach dem Zeitplan für einen Neubau beantworten. Außerdem wünschte sich Pauli einen sachlichen Blick nach vorne. Es sollten nicht mehr alte Wunden geleckt werden. „Ich nehme aus der Veranstaltung mit, dass der Neubau nicht von heute auf morgen kommt“, sagte Ernst Blickle vom Altenhilfeförderverein Meßstetten.

Erster Bürgermeister Anton Reger aus Albstadt teilte die Meinung von Georg Maier, dass der Neubau in einem Zug und mit Augenmaß anzugehen sei. „Und wenn wir dem Land eine vernünftige Lösung präsentieren, gibt es auch Geld“, zeigte sich Anton Reger sicher.

Lothar Mennig, Meßstettens Bürgermeister i.R. und Chef der Freien Wähler im Kreistag, stellte die Frage, ob es noch Sinn mache, in Albstadt zu investieren, wenn der Bau einer Zentralklinik angestrebt werde. Außerdem prangerte er die Kostensteigerung beim Balinger Krankenhaus an. Was die Bettenzahl angeht, hält es Lothar Mennig für angebracht, noch mal über das von der Stadt Albstadt in Auftrag gegebene Begleitgutachten zu diskutieren. Finanzdezernent Christoph Heneka meinte, dass mit jedem Jahr des Wartens die Kosten steigen würden.

Meßstettens Bürgermeister Frank Schroft forderte dazu auf, keine Zahlenspiele zu führen. Wichtig sei doch die Qualität der medizinischen Versorgung. Die müsse schließlich stimmen.

Info Auch in Burladingen soll noch über das Medizinkonzept informiert werden. Aber wahrscheinlich erst nach der Sommerpause.