Mit der Tragikomödie "Yvonne die Burgunderprinzessin" des polnischen Schriftstellers Witold Gombrowicz hatte sich die Truppe ein schwieriges Stück vorgenommen - und es am vergangenen Wochenende an zwei Spieltagen auf der Bühne der Waldorfschule Balingen glanzvoll umgesetzt.

Das Königreich Burgund gerät in Aufruhr als der Thronfolger Prinz Philipp (Samuel Nehmer/Thit Jørgensen in Doppelbesetzung) aus Langeweile beschließt, die überaus apathische, unattraktive und schweigsame Yvonne (Julia Götz) zu heiraten. König Ignaz (herrlich grotesk überzeichnet von Tom Kußberger) und seine Frau Margarethe (Hanna Fieler und Alyssa Friederich in Doppelbesetzung) fühlen sich genauso provoziert wie ihre Kammerherren (Nastasija Dania und Fabienne Pieper) sowie sämtliche Hofdamen und das gesamte Gefolge des Königshofes (Carlotta Koch, Doreen Kohle, Jasmin Friederich, Laura Fechter, Patrizia Dania und Timo Schittenhelm).

Da nutzt es auch nichts, dass wenige Stimmen (Marie Waiblinger als Freund des Prinzen und Lea Schubert als Hofdame Isa, Marius Dürr als Liebhaber auf verlorenem Posten) die Jagd auf den Fremdkörper, wenn auch aus Eigennutz, stoppen wollen.

Überfordert von dem völlig passiven Wesen, beginnen die Protagonisten ihre eigenen Fehler in Yvonne zu erkennen, und sehen sich diesen Projektionen gegenüber hilflos ausgeliefert. Die mühsam errichtete Fassade gesellschaftlicher Konventionen beginnt zu bröckeln und so beschließen die Akteure unabhängig voneinander: "Sie muss weg!". Absurde Mordpläne scheitern zunächst. Erst ein vorgetäuschter Unfall, mit dem man vor der Welt den Schein wahren kann, beendet schließlich das Leben der Prinzessin und damit das Stück.

Das 18-köpfige Ensemble unter der Leitung von Kerstin Gotthardt begeisterte das Publikum, und überzeugte durch Spielfreude und Hingabe. Bühnenbild und Kostüme (AG-Leitung: Kunstlehrerin Judith Lenz) gaben in ihrer klaren Reduziertheit den barocken Pomp wieder und karikierten gleichzeitig die illustre Gesellschaft. Handgefertigte, extravagente Perücken offenbarten die Lächerlichkeit der Figuren am Hof vortrefflich.

Die Inszenierung ließ sich gekonnt auf die Ironie des Stückes ein, das mit Wortwitz, Hintersinn und Komik brilliert. Die schauspielerische Leistung, groteske Einfälle (Christian Strobel als permanent scheiternder Diener Valentin), musikalische Mitwirkung (Melanie Endreß, Violine, Helge Biscalchin, Trompete), Technik (Bastian Zappe, Clemens Gotthardt), Maske (Cecilie Fischer) bis hin zum Plakat (Jannis Pfeffer, Pia Fischer) zeugten von toller Teamarbeit.

Die Theaterarbeit am Gymnasium Haigerloch, so viel stand für das Publikum fest: "Sie muss bleiben!"