Balingen Junges Blesshuhn ist Opfer von Schwarzfischern

Balingen / Lydia Wania-Dreher 21.08.2018
Immer wieder müssen Tiere leiden, weil Unbekannte Angelschnüre in Gewässern auslegen. Der Balinger Pappelsee wird nun videoüberwacht.

Am 16. August kam abends ein Ehepaar zu Tierarzt Dr. Ulrich Schwyn. Im Gepäck hatte es ein verletztes junges Blesshuhn, das sie am Balinger Pappelsee gefunden hatten. Dem noch flugunfähigen Tier hing eine Angelschnur zum Schnabel heraus, die sich auch um seine beiden Beine gewickelt hatte.

„Der Schnabel war durch die Schneidwirkung der Schnur verletzt, eine Zehe des Vogels war schon abgestorben und am anderen Fuß waren Sehnen beschädigt“, erzählt Tierarzt Schwyn. Das Tier hätte nicht mehr greifen können. Ein Röntgenbild machte dann den Angelhaken sichtbar, den das junge Blesshuhn im Magen hatte. Dem Tierarzt blieb nichts anders übrig, als den jungen Vogel einzuschläfern und ihn so von seinen Qualen zu erlösen.

Die Wunden waren nicht frisch. Der Tierarzt nimmt an, dass das Tier schon mehrere Tage gelitten hatte. „Das Blesshuhn wäre in den nächsten Tagen verhungert“, ist sich Schwyn sicher. Es sei schon sehr dünn gewesen.

Solche Fälle machen den Tierarzt wütend. Gerne versorgt er Wildtiere, obwohl er das auf eigene Kosten machen muss und keinen Cent von den Behandlungskosten erstattet bekommt. Wenn sich ein Tier verletzt, sei das meist ein Unfall. Niemand kann etwas dafür. Doch im Fall des Blesshuhns sei das anders. „Das ist ein Straftatbestand“, sagt Schwyn, den eine solche Behandlung rund 100 Euro kostet.

Der Tierarzt vermutet, dass der junge Vogel Opfer eines Schwarzfischers wurde. Denn an der Schnur war keinerlei Blei oder ähnliches, was bei einer normalen Angelschnur der Fall gewesen wäre. Schwarzfischer würden eine Schwimmschnur auslegen, die vorne einen Köder – etwa ein Stück Brot – hat. Vögel, gerade die jüngeren, fänden das sehr interessant und würden das fressen.

Am Balinger Pappelsee des Vereins Fischergemeinschaft Südfisch ist das nicht der erste Fall von Schwarzangeln. „Wir haben schon oft Spuren gesehen“, sagt der Vorsitzende Karl Bernhard Heuser. Immer wieder würden sie Legeschnüre und Netze entdecken. Auch im sogenannten Schongebiet, in dem die Enten und Blesshühner brüten, kommt das vor. Hier angeln die Vereinsmitglieder zum Schutz der Tiere gar nicht.

„Wir haben auch schon zwei Schwarzfischer erwischt“, sagt Heuser. Doch die Anzeigen seien folgenlos geblieben. Die Angler hätten angegeben, dass sie dachten, die Fische seien herrenlos. Für Karl Bernhard Heuser unverständlich, schließlich mache ein Schild deutlich, dass der Zutritt zum See verboten ist und es sich um Privatbesitz handelt. Daher sei das Diebstahl. Angeln dürfen am Pappelsee nur Mitglieder des Vereins. Heuser ärgert sich, dass das Schwarzfischen keine großen rechtlichen Konsequenzen für die Täter hat. Das wüssten diese ganz genau.

Dem Verein entsteht durch das gehäufte Schwarzangeln ein finanzieller Schaden. „Wir zahlen für den Besatz und die Fütterung“, erklärt der Vorsitzende. Daher zogen die Verantwortlichen Konsequenzen: Der Pappelsee wird nun videoüberwacht.

Für den Verein ist der Fall des jungen Blesshuhns sehr traurig. Schließlich bemühen sich die Mitglieder sehr um die beiden Vogelpaare, die am Pappelsee brüten und ihre Jungen aufziehen. Sie füttern die Tiere und unterstützen sie beim Nestbau.

Auch an anderen Seen in der Umgebung werden immer wieder Schwarzangler erwischt oder es werden ihre Schnüre entdeckt. Im Juni verendete am Vorsee in Schömberg ein Graureiher qualvoll, der einen Fisch samt Angelhaken fraß. Auch damals beklagte der Vorsitzende des Fischereivereins Schömberg-Balingen, Karl-Heinz Seybold, dass die Fischwilderer von der Justiz mit Samthandschuhen angefasst würden. Da einzelne Fische nur einen geringen Wert haben, kommt es relativ häufig zur Einstellung der Verfahren. Wiederholungstäter würden jedoch strafrechtlich verfolgt, erklärte Staatsanwalt Markus Engel damals.

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