Zollernalbkreis Jeder vierte Azubi ist ein Handwerker

Jeder vierte Azubi im Kreis arbeitet im handwerklichen Bereich.
Jeder vierte Azubi im Kreis arbeitet im handwerklichen Bereich. © Foto: Nicolas Armer
Bisingen / Jörg Wahl 14.05.2018
Die Kreishandwerkerschaft blickte in Bisingen zurück und schaute optimistisch voraus.

In nicht öffentlicher Runde wählte die Kreishandwerkerschaft   in Bisingen turnusgemäß ihre Führungsriege: Kreishandwerksmeister August Wannenmacher, Stellvertreter Paul-Gerhard Alber und Ernst Berger, Vorstandsmitglieder sind Wolf-Dieter Dengler, Mark Geiger, Thomas Hagg, Alwin Tollkühn, Diana Kampf, Karl-Josef Rupp und Andreas Sauter; Kassenprüfer sind Frank Gess und Herbert Wallisch. In die Fördergesellschaft des Handwerks Zollern-Alb-Sigmaringen wurden August Wannenmacher sowie Siegmund Bauknecht, Ernst Berger, Wolf-Dieter Dengler, Paul-Gerhard Alber und Joachim Noack gewählt.

Im öffentlichen Teil betonte August Wannenmacher, dass es in Deutschland rund eine Million Handwerksbetriebe gebe, in denen 5,4 Millionen Menschen tätig sind. Etwa 360.000 Jugendliche werden ausgebildet, es seien 25 Prozent aller Auszubildenden in Deutschland. Trotz guter Konjunktur stünden die Handwerksbetriebe im massiven Wettbewerb und könnten ihre Produktion – im Gegensatz zu Konzernen – nicht in Billiglohnländer verlagern. Oftmals seien Preiserhöhungen abhängig von zusätzlichen Anforderungen der Architekten und Behörden. Teils würden Leistungen von Architekten und Fachplanern auf die Handwerker abgewälzt. Dass die Ausbildung im Deutschen Handwerk laut Wannenmacher einzigartig ist in Europa, zeige sich an der geringen Jugendarbeitslosigkeit; in Italien und Spanien liege sie bei 60 bis 70 Prozent.

Zu viel Bürokratie

Der Kreishandwerksmeister stellte die Wichtigkeit der Dualen Ausbildung heraus. Erfreulich sei, dass dies auch in der Politik wieder wahrgenommen werde. Nicht zu akzeptieren sei, wenn an ländlichen Berufsschulen für etwaige Berufe infolge der geringen Anzahl an Lehrlingen keine Ausnahmeregelungen bei der Klassenstärke möglich seien. Seine Frage: „Ist uns der Juchtenkäfer wichtiger als die Handwerksberufe?“ Angeprangert wurde von Wannenmacher die Bürokratie, die immer mehr Vorschriften und Regelungen, Gesetze und Gebühren mit sich ziehe.

Heidi Goller (Geschäftsführerin Fachbereich Finanzen & Controlling der Handwerkskammer Reutlingen) zeigte auf, dass die Stimmung im regionalen Handwerk gut ist. Der durchschnittliche Auftragsbestand erhöhte sich auf 9,65 Wochen, im Bauhauptgewerbe sogar auf 16,2 Wochen. Die Geschäftslage im Zollernalbkreis wird von 58,9 Prozent als gut bezeichnet; von 29,8 Prozent als befriedigend und nur von 12,3 Prozent als schlecht.

Die Handwerkskammer Reutlingen hatte zum 31. Dezember 2017 einen Gesamtbestand von 13.585 Betrieben, davon 2936 im Zollernalbkreis. Zum 31. Dezember dieses Jahres seien 4890 Lehrverträge eingetragen worden, davon 944 im Landkreis.

Loblied auf den Landkreis

Nach einem Grußwort von Bürgermeister Roman Waizenegger folgte die Rede von Landrat Pauli. „Finanzen 100“ setzte 2017 den Landkreis bundesweit auf Platz zehn von 401 Stadt- und Landkreisen. Untersucht wurden dabei Löhne, verfügbares Einkommen, Arbeitsmarkt und Mieten. Beim Ranking aller deutschen Landkreise und kreisfreien Städte des Nachrichtenmagazins Focus im Februar 2018 belegte der Zollernalbkreis laut Pauli in der Kategorie Lebensqualität sogar bundesweit den ersten Platz.

Die Erfolgsfaktoren seien vielschichtig. Diversifizierte Branchenstruktur, Innovationskraft der Betriebe sowie persönliches Engagement der Menschen würden zur Wettbewerbsfähigkeit beitragen. Und mit einer Arbeitslosenquote von knapp drei Prozent herrsche im Kreis nahezu Vollbeschäftigung. Dennoch bedrohten Protektionismus, Brexit, Diesel-Skandal… die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie und der exportabhängigen Wirtschaft mehr, als sich viele bewusst seien. Pauli nannte noch einige Zahlen aus dem Kreishaushalt. Ein Ziel sei es, durch Digitalisierung Standortnachteile des ländlichen Raumes auszugleichen. Geplante Module seien: „Mitschwätza“ für Bürgerbeteiligung, „Gscheid unterwegs“ für Mobilität im ländlichen Raum, „No gscheider wärda“ durch Nutzung der Informationen, die im Netz verfügbar sind und „Nix verkomma lassa“ zum Thema Abfallvermeidung.

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