Albstadt Iraker findet neues Glück auf der Alb

Sie sind glücklich, einander gefunden zu haben: der irakische Flüchtling Rizan Haji und seine Gastmutter Anke Bitzer.
Sie sind glücklich, einander gefunden zu haben: der irakische Flüchtling Rizan Haji und seine Gastmutter Anke Bitzer. © Foto: privat
Albstadt / swp 09.05.2018
Vor gut zwei Jahren ist Rizan Haji aus dem Irak nach Deutschland geflüchtet. Jetzt macht er seinen Hauptschulabschluss.

Als 15-Jähriger machte sich Rizan wegen des Krieges in seinem Heimatland Irak auf den Weg nach Deutschland. „20 Tage hat meine Reise gedauert, mein Weg war höchstens zehn Prozent sicher, aber trotzdem habe ich es bis zu meinem Ziel geschafft. Als ich in Deutschland ankam, habe ich gefühlt, dass ich jetzt in Sicherheit bin“, berichtet Rizan in fast perfektem Deutsch.

Das war im November 2015. Im Februar 2016 lernte er seine zukünftigen Gasteltern Anke und Michael Bitzer aus Albstadt kennen. Nach dem ersten Treffen in der Landeserstaufnahmestelle (Lea) Sigmaringen schickte Anke Bitzer ihrer Tochter eine SMS, sie habe soeben einen Bruder bekommen. Zusammen holten die Gasteltern Rizan in Sigmaringen ab und brachten ihn in das neue gemeinsame Zuhause.

„Es war zu Beginn sehr schwierig für mich, weil alles ganz anders war als bei mir zuhause, zum Beispiel die Sprache, das Essen und die Schule. Zuhause hatte ich im Jahr nur zwei Unterhosen, hier habe ich einen eigenen Klamottenschrank. Dann habe ich Schritt für Schritt angefangen, Deutsch zu lernen. Meine Gastmutter hat mit mir – genauso wie mit einem Baby – begonnen zu lernen und alles, was ich hier brauche, beigebracht. Ich bin sehr froh, dass ich diese Familie kennengelernt habe“, sagt Rizan.

„Die Verständigung war am Anfang schwer“, räumt Anke Bitzer ein, „doch Probleme hatten wir nicht. Rizan hat sich sehr angepasst und war sehr offen.“ Das Einzige, was er anfangs nicht mochte, war Käse. Aber auch das hat sich zwischenzeitlich geändert. Wenn Rizan Haji neben dem Lernen noch Zeit findet, dann kocht er ab und zu für seine Gastfamilie Essen aus seiner Heimat.

Die Gastmutter ergänzt, dass Rizan bescheiden sei und keine Anspruchshaltung habe. Besonders beeindruckt ist sie aber von seinem Ehrgeiz, die deutsche Sprache zu lernen, den Schulabschluss zu absolvieren und einen Beruf zu erlernen.

Auf die Frage nach seinen Wünschen an die Zukunft antwortet Rizan, er möchte ein ganz normaler Mensch wie jeder andere sein. Nach der Ausbildung will er arbeiten und auf eigenen Beinen stehen. „Hier hat man Zukunft, wenn man will“, lautet sein Credo.

Nebenbei gestaltet er auch einen Teil des Gartens seiner Gasteltern neu, da er ihn unordentlich fand. Wie dieser am Ende aussehen werde, sei allerdings noch unklar, gestehen Rizan und Gastmutter lachend.

Dass Rizan mit seiner Gastfamilie Glück hatte, ist offensichtlich. Doch auch für Anke und Michael Bitzer ist Rizan ein familiärer Zugewinn. „Ich würde es jederzeit wieder tun. Wir haben einfach das Riesenglück, dass wir hier geboren sind. Das ist ja kein Verdienst von uns, sondern einfach Zufall“, sagt Anke Bitzer.

Wer will einen jungen Flüchtling aufnehmen?

Das Jugendamt des Zollernalbkreises sucht weiterhin Gastfamilien, die bereit sind, einen unbegleiteten minderjährigen Flüchtling aufzunehmen und ihm Familienanschluss zu geben – für wenige Wochen oder auch bis hin zur Volljährigkeit. Für die Betreuung der Kinder oder Jugendlichen werden die Gastfamilien finanziell unterstützt und vom Jugendamt begleitet. Wer helfen will, kann sich unter der Telefonnummer 07433/92-1415 mit dem Jugendamt in Verbindung setzen.