Albstadt Instrumente faszinieren

Dieses Bild aus dem Familienalbum der Familie Jehle zeigt Martin Friedrich Jehle (hinten) 1939 in der Werkstatt mit Herbert Moritz Mönnig. Privatfoto
Dieses Bild aus dem Familienalbum der Familie Jehle zeigt Martin Friedrich Jehle (hinten) 1939 in der Werkstatt mit Herbert Moritz Mönnig. Privatfoto
Albstadt / VOLKER JEHLE 07.01.2014
Zum 100. Mal jährte sich am vergangenen Freitag der Geburtstag von Martin Friedrich Jehle, den meisten heute als Gründer der Musikhistorischen Sammlung Jehle in Albstadt wohlbekannt.

Martin Friedrich Jehle, ältestes Kind und einziger Sohn des Komponisten, Orgelbauers, Musikverlegers, Musikalienhändlers und Chorleiters Johannes Jehle (1881- 1935), wurde am 3. Januar 1914 in Ebingen geboren. 1928 arbeitete er als Volontär bei der Ebinger Möbelschreinerei Johannes Grotz, ab 1929 machte er eine Lehre zum Klavierbauer in der Klavierfabrik Karl Hardt in Stuttgart, Gesellenprüfung 1931. Danach arbeitete er in der Pianoteile-Fabrik Louis Renner und der Harmoniumsabteilung der Klavierfabrik Schiedmayer, beide in Stuttgart. Nebenher besuchte er das Konservatorium für Musik. Wegen der Krankheit seines Vaters wurde er aber nach Ebingen zurückbeordert, begann am 1. Oktober 1932 im Musikhaus als "Klaviertechniker".

Auf einer seiner legendären Radtouren kaufte er 1934 in Jena das Hammerklavier, das wohl Mozarts Klavierbauer Johann Andreas Stein gemacht hat und das heute in der Musikhistorischen Sammlung Jehle steht. Wohl auf derselben Reise schloss er Bekanntschaft mit dem später bekannten Geigenbauer Herbert Moritz Mönnig, den er ab 1934 im Musikhaus anstellte. 1937 stellte er auch den Klaviertechniker Gerhard Binnas an, Anfang 1939 den Blechblasinstrumentenbaumeister Emil Bagus. Mit Johanna Raible, verheiratete Hummel, ist die Belegschaft genannt, die auch nach dem Krieg im Musikhaus arbeitete. Hans Geißler stellte er zum 1. Juli 1947 an.

Vermutlich hatte Martin Friedrich Jehle bereits Mitte der 1930er-Jahre Klavierbaupläne, aber im August 1939 musste er einrücken. Am 9. April 1940 war er bei der Besetzung von Oslo dabei, wo er sich ein Cello kaufte, auf dem er in der Kaserne spielte.Und er suchte nach alten Musikinstrumenten.

Bei der Schlacht von Fastow wurde Martin Friedrich Jehle am 10. November 1943 verwundet. Die abenteuerliche Rückreise heim ins Reich endete im Lazarett in Tübingen, wo er die ersten Jehle-Klaviere entwarf. Nach Kriegsende und einer turbulenten Flucht nahm Jehle die Arbeit als Chef des Musikhauses Johannes Jehle auf, begann umgehend mit der Organisation von Konzerten, und zwar in der "Reihe wertvoller Musik", 1945 bis 1952. Nach seinem Tod übernahm die Organisation Kulturamtsleiter Wolfgang Reiche.

Am 1. Mai 1946 zählte Martin Friedrich Jehle zu den Gründern der CDU-Ortsgruppe Ebingen; 1946 bis 1951 war er CDU-Kreisvorsitzender, 1956 wurde ihm die Adenauer-Gedenkmedaille verliehen; 1980 das Bundesverdienstkreuz. Ab 1947 hielt er Vorträge über musikgeschichtliche Themen. Im Altertumszimmer des Musikhauses verwahrte er alte Instrumente sowie die musikalischen Nachlässe seines Vaters und Großvaters - die Urzelle der Musikhistorischen Sammlung. 1970 verkaufte er sie der Stadt Ebingen. Seit 1977 wird die Sammlung im Lautlinger Schloss gehütet, betreut seit über 30 Jahren von seiner ältestenTochter Ursula Eppler.

Die Einstellung des ersten Lehrlings zum 1. August 1949 gilt als Datum der Gründung der Pianofortefabrik Jehle. Seine Klaviere und Flügel lieferte er weltweit, sein Schrankflügel war die Sensation der Frankfurter Musikmesse 1967. 1975 übergab er das Musikhaus seinem ältesten Sohn Peter, verlegte sein Büro in die Klavierfabrik und firmierte fortan unter "Jehle KG".

Doch auch dieses Kapitel Ebinger Firmengeschichte schloss er ab: Im März 1981 gab er Blickles den Fabrikschlüssel zurück, nicht ohne zuvor das Inventar und die Bibliothek in die Musikhistorische Sammlung gebracht zu haben - der dritte Jehle-Nachlass. Das Erscheinen seines Buches "Württembergische Klavierbauer des 18. und 19. Jahrhunderts" nahm er noch zur Kenntnis. Am 14. November 1982 starb Martin Friedrich Jehle.

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