Glaube Im Zeichen echter Menschlichkeit

Karl Weißhaupt, Shibu Vinzent Puschpam, Heldemar Paul und Ulrich Luippold (v.l) betreuten eine Woche lang Lourdes-Pilger.
Karl Weißhaupt, Shibu Vinzent Puschpam, Heldemar Paul und Ulrich Luippold (v.l) betreuten eine Woche lang Lourdes-Pilger. © Foto: privat
Tailfingen / Horst Schweizer 05.10.2017

Im Vorjahr wurde der Tailfinger Heldemar Paul von Karl Weißhaupt nach Lourdes begleitet. Dessen Eindrücke waren so prägnant, dass er sich entschloss, auch heuer seine Hilfe in der 1300 Kilometer entfernten Pilgerstätte einzubringen. Begleitet wurden sie im freiwilligen einwöchigen Diensteinsatz von Priester Shibu Vinzent Puschpam und Ulrich Luippold, alle aus Albstadt.

„Brancardiere“, so Heldemar Paul, sei ein alter französischer Begriff für Krankenträger. Die heutigen Stagiaires, Personen, die über die Deutsche Hospitalité in Lourdes helfen, seien „die Brancardieres der Zukunft“. Sie helfen, wie er ausführt, „mit Tatkraft und Liebe, die internationale Gemeinschaft der Pilger zu tragen“.

Möglich ist eine vierjährige Ausbildung mit praktischen und spirituellen Schulungen. Im fünften Jahr des freiwilligen Dienstes wird der Stagiaire in einem festlichen Engagement-Gottesdienst zum Hospitalier gekürt, den der Priester Shibu Vinzent Puschpam diesmal mitzelebrieren durfte. Stagiaires versprechen dabei im Gottesdienst, sich für die kranken Pilger einzusetzen.

Heldemar Paul wurde 2016 Hospitalier und besiegelte zusammen mit anderen mit dem Friedensgruß in mehreren Sprachen sein Versprechen: „Der Friede des Herrn sei mit Dir!“.

Viele Einsatzbereiche

Die Einsatzbereiche der Stagiaires reichen von der Begleitung der Pilger bei Prozessionen über die Hilfe bei Absperrungen, das Singen im Spontanchor, der nach kurzer Probe für Zehntausende singt, und Liturgiedienst bis hin zum Transport der Kranken von und zu den Zügen sowie der Assistenz in den Bädern.

Von Mai bis Oktober kommen jährlich sieben Millionen Pilger nach Lourdes, einem der weltweit meistbesuchten Wallfahrtsorte. Die Ursprünge des Gnadenortes gehen auf die Visionen der später heilig gesprochenen Bernadette Soubirous im Jahr 1858 zurück.

Viele Pilger nehmen im festen Glauben an eine mögliche Heilung Bäder im Quellwasser, deren Wassertemperatur zehn Grad Celsius beträgt. Heldemar Paul, im Beruf Krankenpfleger, war diesmal im „poste de secur“ eingeteilt, einer Art Rot-Kreuz-Station mit Kollegen und Ärzten aus allen Nationen. Eine amerikanische Ärztin hat ihn dabei zu einer Akupunktur-Fortbildung nach Amerika eingeladen. Spanische Krankenschwestern hatten traditionelle Getränke und Mahlzeiten aus ihrer Heimat mitgebracht, ihre Kolleginnen aus Italien servierten Espresso.

Heldemar Paul, Karl Weishaupt, Shibu Vinzent Puschpam und Ulrich Luippold erlebten in Lourdes nicht zuletzt emotionale Begegnungen mit Pilgern aus aller Welt.

Die vier sind inzwischen wieder in ihren Alltag zurückgekehrt „mit der Botschaft der Liebe und Demut von Lourdes“, wie Heldemar Paul sagt, und ganz wie im Gebet der heiligen Bernadette: „Herr, lass’ mich sein wie ein Besen: Nach dem Dienen stell’ mich bitte wieder in die Ecke“.

Die vier Helfer sind überzeugt, dass Lourdes einen Veränderungsprozess bei jedem Menschen in Gang setzte. Wunder gebe es dort immer wieder, man müsse nur immer dafür offen sein.

Teilweise koste es Energie, in zwei oder drei Sprachen zu kommunizieren, berichten die Albstädter außerdem. „Am Ende klappt die Verständigung jedoch immer“. Zumal oft ein Lächeln reiche, „um eine Brücke der Liebe zu bauen, wie Pfarrer Shibu“ meint.

Jeden Abend nahmen sie an der Lichterprozession auf der Planade vor der Rosenkranzbasilika mit bis zu 17 000 Menschen teil.

Mit gesungenem Credo und dem „Salve Regina“ endete die anderthalbstündige Prozession mit Kranken im Rollstuhl und Pilgern, die mit ihren Lichtern für besondere Stimmung sorgten. Danach beteten noch viele Teilnehmer an der Grotte.

Letzte Hoffnung für kranke Menschen

Wunder 7000 Heilungen wurden aus Lourdes vemeldet, katholische Kirche hat davon  69 als Wunder anerkannt.