Balingen Bahnhof bald mit Hotelzimmern

Interessierte sowie Mitglieder des Balinger Bürgervereins sahen sich gestern den Bahnhof an. Dabei wurde das zukünftige Hotel besichtigt und über den Vorplatz gesprochen.
Interessierte sowie Mitglieder des Balinger Bürgervereins sahen sich gestern den Bahnhof an. Dabei wurde das zukünftige Hotel besichtigt und über den Vorplatz gesprochen. © Foto: Lydia Wania-Dreher
Balingen / Lydia Wania-Dreher 03.08.2018

Mobilität ist gerade ein wichtiges Wort, wenn Politiker über die Zukunft sprechen. Für Peter Seifert sind Bahnhöfe Verknüpfungspunkte von Mobilität. Doch gerade an diesen werde gespart, sagte Seifert beim Ministergespräch am Donnerstagnachmittag in der Stadthalle. Da würde Reinigungspersonal wegrationalisiert und würden Fahrkartenschalter geschlossen.

Der Balinger Bahnhof soll aber auch in Zukunft mehr sein, als ein reiner Ort zum Ankommen und Abfahren. Daher baut ihn Peter Seifert seit fünfeinhalb Jahren zu einem Ort des Verweilens aus. Den aktuellen Stand der Bauarbeiten und die zukünftigen Pläne in und um das Gebäude herum erfuhren am Freitagnachmittag Interessierte bei einer Projektvorstellung. Mit dabei waren auch einige Mitglieder des Balinger Bürgervereins.

Öffentliche Zuschüsse für die Sanierung und den Umbau des Bahnhofes bekommt Peter Seifert nach eigenen Angaben nicht. Er finanziert sein Vorhaben aus privaten Mitteln und hofft auch auf Investoren.

Den ersten Schritt in Richtung Bahnhof mit Aufenthaltsqualität machte Peter Seifert mit der Einrichtung eines Cafés im Erdgeschoss. Derzeit baut er einen großen Teil des ersten Stocks zu einem Hotel aus. „Am 8. September sind die ersten drei Zimmer vermietet“, erklärt Peter Seifert.

Ihm ist wichtig, dass möglichst viel von dem Eindruck von 1912 – als das Gebäude erbaut wurde – erhalten bleibt. So wurden etwa die noch vorhandenen Türlaibungen der Bauzeit restauriert und wo sie fehlten, nachgebaut. „Ich möchte den Stil des Gebäudes wiederbeleben“, sagt Seifert sehr zur Freude der Mitglieder des Bürgervereins. Allerdings hat er dabei auch immer wieder mit dem Denkmalamt zu kämpfen, das teure Gutachten einfordert.

Stück für Stück sollen die Räume zu Hotelzimmer umgebaut werden. Viele widmen sich dem Thema Eisenbahn. So soll es etwa einen Schlafwagen geben und einen Raum, der an die früheren Unterkünfte der Bahnarbeiter erinnert.

Wichtig ist Peter Seifert auch, dass nicht nur das Haus, sondern auch der Platz davor zum Verweilen einlädt. Alles sei besser als der jetzige Zustand, so der Bahnhofsbesitzer. Auch mit dem Kopfbau kann er leben, obwohl er eigentlich eine Variante mit Baumhain favorisiert hatte.

„Wenn dort eine Markthalle reinkommen würde, das wäre attraktiv“, kommentiert Seifert und nimmt damit eine alte Idee des Besitzers der Bahnhofsgaststätte auf.

Dass bei der aktuellen Planung acht Parkplätze vor dem Haus wegfallen würden, nimmt Seifert gelassen. „Man kann davon ausgehen, dass sich der Verkehr in Zukunft grundlegend verändern wird“, sagt der Bahnhofsbesitzer. Statt Flächen für Autos möchte er Flächen für Menschen sehen. „Wenn die meine Unterschrift haben wollen, muss der Platz so sein, dass dort auch ein kleiner Markt stattfinden kann“, erklärt Seifert. Er denke da an Streetfood-Festivals oder kleine Künstlermärkte.

Und hier muss die Stadtverwaltung wohl entgegenkommen, denn eine Umgestaltung des Bahnhofvorplatzes ist nur mit einer Widmung von Peter Seifert möglich und die Unterschrift dazu hat er einstweilen noch nicht gegeben.

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