Albstadt Hundeattacke hat gerichtliches Nachspiel

Der würde doch bestimmt nichts tun.
Der würde doch bestimmt nichts tun. © Foto: Archiv/Boris Roessler
Albstadt / Pascal Tonnemacher 02.06.2018

Freilaufender großer Hund beißt kleinen angeleinten Hund. Dessen Besitzer stürzt und verletzt sich leicht und zeigt die Besitzerin des großen Hundes an.

Simple Geschichte, doch richtig aufklären konnte das Amtsgericht Balingen das Drumherum in der Verhandlung nicht. Denn eine Zeugin wollte nichts mit dem Fall vom vergangenen Heiligabend zu tun haben, die Richterin hatte sie deshalb im Vorfeld abgeladen. Zwei unbekannte Frauen beobachteten das Geschehen, konnten aber nicht geladen werden.

So stand die Aussage der angeklagten Balingerin, die ihren Hund frei laufen ließ, gegen die des 75-jährigen Hundehalters, der seinen Vierbeiner an der Leine führte. Auf Antrag des Verteidigers und im Einverständnis mit der Staatsanwaltschaft stellte das Gericht das Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung schlussendlich gegen Auflage ein: Die 63-Jährige muss 500 Euro Schmerzensgeld an den Rentner bezahlen.

Was zahlt Versicherung?

Die Tierarztkosten hatte bereits die Hundehalterversicherung der Angeklagten übernommen. Ob diese auch das Schmerzensgeld übernimmt, wolle man nun prüfen, sagte Verteidiger Roland Tralmer.

Außer dem Fakt, dass der große freilaufende Hund der Angeklagten den kleinen angeleinten Vierbeiner des Rentners mehrfach gebissen hatte, schien wenig klar zu sein. So schilderte die Angeklagte, dass ihr Hund auf einer großen Wiese in Balingen unangeleint laufen durfte. Es sei niemand dort gewesen. Da Heiligabend gewesen sei, habe sie dann ihre Begleiterin, die nicht aussagen wollte, zum Abschied „umarmt und gequatscht“.

Vom Vorfall selbst habe sie erst mitbekommen, als sie die Schreie der beiden Frauen hörte, die die Attacke beobachtet hatten. Sie habe ihren Hund, der kleine Hunde laut ihrer Angabe nicht mag, dann gerufen. Dieser sei zurückgekommen, gefolgt vom wütenden Rentner, der ihr mit einer Anzeige drohte. Dieser wiederum sagte aus, dass die Angeklagte plötzlich bei ihm stand.

Noch vor dem Vorfall, so sagte der Geschädigte aus, habe er den freilaufenden großen Hund und seine Besitzerin, sowie deren Begleitung mit Hund, in 50 Metern Entfernung gesehen und sei deshalb nicht weiter entgegengelaufen, sondern abgebogen. Dann sei der große Hund plötzlich aufgetaucht. Gestürzt sei er dann vor lauter Aufregung und weil die Hunde zwischen seinen Beinen herumliefen.

Viel Verwirrung

Ob auch, wie in der Anklage von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, die Hundeleine schuld gewesen sein könnte, die sich um seine Beine wickelte, wusste er nicht mehr – zu aufgeregt sei er gewesen. Unklar blieb auch, ob er sich möglicherweise aus eigenem Antrieb auf die Straße stürzte, um seinen Hund vor der Attacke zu schützen. Das hatte laut der Angeklagten eine der Beobachterinnen behauptet.

Verwirrung gab es auch über einen Streit der beiden nach dem Vorfall. Die Angeklagte war davon ausgegangen, mit der Tierarztrechnung sei alles geklärt. Doch der Rentner stellte einen Straf­antrag.

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