Balingen/Hechingen Hechingen kann kommen

Zukünftiger Chefarzt der Inneren: Burkhard Scheible.
Zukünftiger Chefarzt der Inneren: Burkhard Scheible.
Balingen/Hechingen / ANDREA SPATZAL 17.04.2012
Der Klinik-Neubau in Balingen befindet sich auf der Zielgeraden. Das bedeutet zugleich die Schließung des Hechinger Krankenhauses. Noch ist offen, wie die Liegenschaft zukünftig genutzt werden kann.

Die Klinik für Innere Medizin in Hechingen kann die Koffer packen. Der Umzug in den Balinger Klinik-Neubau soll Ende des nächsten Monats über die Bühne gehen. Vorgeschaltet wird Mitte Mai eine Inbetriebnahmephase mit Gerätetests und Einweisung der Ärzte und des Pflegepersonals. Der Zeitplan steht, nach mehrmaligen Korrekturen, nun also endgültig fest. Daran ließ Landrat Günther-Martin Pauli MdL gestern bei einem Rundgang durch den Neubau keinen Zweifel. "Wir befinden uns auf der Zielgeraden."

Starke Geburtswehen begleiteten dieses größte Neubauprojekt in der Geschichte des Zollernalbkreises. Groß war der Aufschrei, als 2005 die Zollernalb Klinikum gGmbH die Schließung des Hechinger Krankenhauses ankündigte, groß die Empörung, als der Kreistag vor einem Jahr 8,1 Millionen Euro Mehrkosten für den zweiten Bauabschnitt abzusegnen hatte. Weil die ursprünglich geplante Sanierung des Altbaus wegen der Statik nicht tragbar war, musste der Landkreis auf einen zweiten Neubau umsatteln. Die Gesamtbaukosten kletterten dadurch auf rund 80 Millionen Euro.

Wenigstens war der erste Bauabschnitt, wenn auch nicht zeitlich, so doch "finanziell fast eine Punktlandung", wie Pauli gestern betonte. Höhere Investitionen, beispielsweise in die Ausstattung der Patientenzimmer wie auch in die Hygienestandards, habe man durch Abstriche an anderer Stelle, beispielsweise an der Fassadengestaltung, ausgleichen können.

Zu Kreditaufnahmen wird es erst jetzt, im vierten Baujahr kommen, zumal für den Krankenhaus-Neubau 33 Millionen Euro an Landeszuschüssen gewährt wurden und der Landkreis Rücklagen in Höhe von 20 Millionen Euro gebildet hatte. "Ein sanfter Anstieg der Kreisumlage", so Pauli, trägt seit diesem Jahr mit dazu bei, die Investition vollends zu schultern.

Landrat Pauli und Klinikums-Geschäftsführer Josef Weiss stellten sich gestern nochmals deutlich hinter die Klinikreform. "Wir erwarten durch die Zusammenfassung von bisher drei Betriebsstätten auf zwei zentrale Kliniken in Albstadt und Balingen mit optimalen Gerätestrukturen, neben einer weiteren Steigerung der medizinischen Versorgungsqualität, auch hohe Synergieeffekte. Außerdem werden der Komfort und das Wohlbefinden für unsere Patienten verbessert." Ein Ausbaustandard und ein Gerätepark wie im jetzt erstellten Neubau könne man unmöglich an mehreren Standorten vorhalten, betonte Weiss.

Auch der Gegenwind aus Hechingen ist abgeflaut. In der Zollernstadt habe man, so Pauli, "registriert, dass wir nicht allein auf der Welt sind". Die medizinische Versorgung im ländlichen Raum verändert sich nämlich dramatisch. Viele kleinere Krankenhäuser wurden in den letzten Jahren geschlossen. Schramberg ist ein aktuelles und nahes Beispiel. Statt Kahlschlag werde im Zollernalbkreis aber eine Klinikreform ohne Personalabbau umgesetzt. Vor diesem Hintergrund müsse man "Eitelkeiten abbauen".

Was der Landkreis mit seiner Liegenschaft in Hechingen anfangen wird, ist noch offen. Es zeichnet sich ab, dass das Hauptgebäude bedarfsgerecht saniert und medizinischen wie medizinnahen Dienstleistern (Ärzte, Therapeuten, Apotheken etc.) angeboten wird. Bestehen bleiben wird der Verwaltungstrakt des Landkreises, in den nach drei Millionen Euro teuren Umbaumaßnahmen Ende 2009 die Ämter für Straßenbau, Vermessung und Flurneuordnung sowie das Forstamt eingezogen sind. 2014/15 kommt auch noch das Balinger Gesundheitsamt dazu. Ebenso bleibt das Nephrologische (nierenheilkundliche) Zentrum Villingen-Schwenningen an seinem Ende 2009 bezogenen Standort an der Weilheimer Straße. "Wir müssen schauen, was wir selbst brauchen und was wir gut vermarkten können - der Rest wird rückgebaut", fasst Pauli das vorläufige Konzept zusammen.

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