634 Menschen suchten im vergangenen Jahr Unterstützung bei der Psychologischen Beratungsstelle in der Bahnhofstraße. Träger der Einrichtung, die neben Erziehungs- und Familienberatung Ehe-, Paar-, und Lebensberatung anbietet, sind die evangelische und die katholische Kirche. "Wir haben 2014 ähnlich viele Menschen beraten wie im Jahr zuvor", sagt der Leiter der Beratungsstelle, Stephan Heesen, "obwohl wir aufgrund des Ausscheidens von Dr. Glaser die ersten drei Monate eine Vakanz hatten." Inzwischen wurde Ersatz gefunden: Seit April 2014 verstärkt Angela Naßwetter das Team.

Die hohe Nachfrage hat zur Folge, dass manch Ratsuchender trotz eines veränderten Terminvergabesystems verhältnismäßig lange warten muss, bis er in den Genuss einer Beratung kommen kann. Termine werden nur noch bis zwei Monate im Voraus vergeben. "Das bedeutet, dass wir Klienten bitten müssen, in einem Monat nochmals anzurufen, da die Termine für Erstgespräche in den folgenden zwei Monaten alle belegt sind."

Im schlechtesten Fall kann die Wartezeit drei Monate betragen. "Das lässt sich leider nicht vermeiden", sagt Heesen. Im Jahr 2014 musste die Beratungsstelle 37 Ratsuchende wegen zu langer Wartezeiten in der Erziehungsberatung an die Erziehungsberatungsstelle des Landkreises verweisen. Das vierköpfige Beraterteam ist an der Grenze der Belastbarkeit angelangt. Stephan Heesen, dem eine zeitnahe Hilfe ein Anliegen ist, hofft, dass die Vorstöße beim Landkreis vielleicht doch noch einen Erfolg zeitigen und der Landkreiszuschuss für die Erziehungsberatung, die seit Jahren konstant fast die Hälfte der Beratungsfälle darstellt, erhöht wird. "Wir bleiben mit dem Landkreis im Gespräch", kündigt Heesen an. Ziel ist unter anderem die Schaffung einer weiteren Beraterstelle, also eine Erhöhung der jetzigen Beratungskapazität von 260 auf 300 Prozent, womit die Wartezeiten reduziert werden könnten.

Zwei Drittel der Ratsuchenden kommt aus dem Mittelbereich Albstadt, rund 21 Prozent aus dem Bereich Balingen, fünf Prozent aus dem Raum Hechingen und 8,5 Prozent aus anderen Landkreisen. Der Anteil der Ratsuchenden mit Migrationshintergrund liegt bei 18 Prozent. Wichtig ist die Vernetzung mit anderen Einrichtungen und Institutionen. "Die Kooperation ist sehr wichtig", sagt Stephan Heesen. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass Klienten umfassend weitergeholfen werden kann. In diesem Zusammenhang blickt Heesen mit Sorge auf die künftige Entwicklung der ärztliche Versorgungssituation im psychotherapeutischen und psychiatrischen Bereich. Wie es weitergeht, wenn die niedergelassenen Ärzte in absehbarer Zeit aufhören, steht in den Sternen.

Die häufigsten Beratungsanlässe sind in der Erziehungs- und Familienberatung Krisen wegen Trennung und Scheidung, bei der Ehe- und Paarberatung geht es in erster Linie um Kommunikationsprobleme, in der Lebensberatung steht depressives Erleben an erster Stelle. Gesellschaftliche Veränderungen finden ihren Niederschlag in den Beratungsanlässen. Die Digitalisierung der Welt schafft - trotz aller damit verbundener Vorteile - auch so manches Problem. Eltern machen sich Sorgen um ihre Kinder, die viel Zeit vor dem PC verbringen und sich von ihrer realen Umgebung abkapseln. "In den Beratungen wird auch offensichtlich, dass Handy, Laptop und Co. zunehmend zu Beziehungsproblemen führen können", erzählt Stephan Heesen. "Schwierig wird es immer dann, wenn die direkte menschliche Kommunikation, die Zuwendung zum Gegenüber leidet und der andere sich nicht mehr ausreichend beachtet und wertgeschätzt fühlt." Sein Tipp: "Man darf die Technik sicher nicht verteufeln, aber man sollte alles in Maßen betreiben."