Tailfingen Günther Maria Halmer feiert „Frohe Weihnachten“

Während der Drehtage in Burladingen hat sich Günther Maria Halmer wohl gefühlt – kein Wunder, liegen seine familiären Wurzeln doch im Schwäbischen. Am 8. Dezember kommt er zurück. Und zwar zu einer Weihnachtslesung ins Thalia-Theater in Tailfingen.
Während der Drehtage in Burladingen hat sich Günther Maria Halmer wohl gefühlt – kein Wunder, liegen seine familiären Wurzeln doch im Schwäbischen. Am 8. Dezember kommt er zurück. Und zwar zu einer Weihnachtslesung ins Thalia-Theater in Tailfingen. © Foto: Gudrun Stoll
Tailfingen / Gudrun Stoll 21.11.2018
Kaum sind die Dreharbeiten in Burladingen abgeschlossen, kommt Günther Maria Halmer zurück auf die Alb.

Regisseure haben die Burg Hohenzollern als Location für Hollywoodgrusel und Filme aus deutscher Produktion entdeckt. Die Crews geben sich am Stammsitz des preußischen Königshauses mittlerweile die Klinke in die Hand. An einem überschaubaren Ort wie Burladingen erregen Dreharbeiten dagegen weitaus mehr Aufsehen. Anfang September fiel in einer ehemaligen Fabrikantenvilla der Startschuss für die Dreharbeiten zum Kinofilm „Die Vergesslichkeit der Eichhörnchen“.

Der Film erzählt die Geschichte einer ukrainischen Altenpflegerin, die täglich 24 Stunden mit einem an Demenz erkrankten alten Mann in dem verwitterten Anwesen verbringt (die HZ berichtete). Der Film, der im Herbst 2019 in die Kinos kommen soll, „wird für Aufsehen sorgen“, zeigt sich Günther Maria Halmer von der Qualität des Drehbuchs und der Handlung überzeugt.

Bereits im Dezember kehrt Halmer zurück auf die Schwäbische Alb. Nicht vor die Kamera, sondern für eine Weihnachtslesung auf die Bühne des Thalia-Theaters in Albstadt.

Der gebürtige Rosenheimer überrascht bei Interview im Hotel Post in Jungingen mit erstaunlichen Kenntnissen über Land und Leute. Schloss Sigmaringen und Oberschwaben sind dem „Tscharlie“ aus Helmut Dietls frühem Meisterwerk „Münchner Geschichten“ aus der gleichnamigen ZDF-Serie aber aus Kindheitstagen vertraut. Halmers Vater stammt aus Kappel, einem Teilort der Gemeinde Wald im Landkreis Sigmaringen. „In der Gegend um Kappel wimmelt es bis heute von Halmers“, erzählt der Schauspieler schmunzelnd.

Im Terminbuch stand auch ein Besuch bei den 40. Biberacher Filmfestspielen, die mit der ARD-Beziehungsgeschichte „Bist du glücklich?“ eröffnet wurden. Halmer hat als einer der Hauptdarsteller mitgewirkt. Die Regiearbeit von Max Zähle wurde mit dem Biber für den besten Fernsehfilm ausgezeichnet.

Ecken und Kanten

Günther Maria Halmer wirkte bis heute in über 100 Film- und Fernsehproduktionen mit, schnupperte auch für kurze Zeit Hollywoodluft. Er beherrscht das Komödienfach ebenso wie ernste Rollen und steht vor allem für Filme vor der Kamera, die nach der Tagesschau zur Hauptsendezeit laufen. Er kann sich seine Rollen aussuchen. Ein aktuelles Filmangebot lockt mit Dreharbeiten in Neuseeland. Drei Monate fern der Heimat zu arbeiten, will er sich aber noch gut überlegen. Er ist schließlich keine Zwanzig mehr und zwischen Bayern und der grünen Insel im Pazifik liegen immerhin 18 500 Kilometer.

Die deutsche Gesellschaft altert, mit ihr die Lebenswelt der Menschen. Da müssten doch die Filmschaffenden den gestandenen Schauspielern aus der Generation 70 plus Altersrollen geradezu auf den Leib schreiben? Halmer verneint: „Es verändert sich wenig.“

Der in Biberach prämierte Film „Bist du glücklich“ wird von der Jury gelobt als ein „berührend leiser Film, der in unserer lauten Zeit viel zu selten in dieser wahrhaftigen Form gewagt wird und der lange nachwirkt“. Eine solch positive Bewertung von Kritik und Publikum erhofft sich Halmer auch für die zu großen Teilen in Burladingen und auf der Zollern­alb gedrehte SWR-Kinoproduktion, die das Thema Demenz in ihrer ganzen Vielschichtigkeit für Betroffene, Pflegekräfte und Angehörige aufgreift.

Die Dreharbeiten in der Provinz hat Halmer als überaus angenehm empfunden. Fans wurden am Set nicht abgewiesen. Ganz im Gegenteil, sie durften ganz nah ran an ihre Idole. Die Nachbarn waren bestens informiert über das Geschehen in der nahen Villa.

Er lebt zurückgezogen

In seinem Heimatort wäre es nicht anders. Mit Ehefrau Claudia lebt Günther Maria Halmer zurückgezogen im Chiemgau. Auftritte auf dem roten Teppich mag er nicht, die schillernden Partys der legendären Münchner Schickeria waren nie seine Welt.

„Ich bin geerdet“, sagt Halmer. Ein gestandener Bayer mit Ecken und Kanten, schwäbischen Wurzeln und großem Familiensinn. Seit über 40 Jahren ist er mit Ehefrau Claudia verheiratet – einer Schwäbin, die aus Pforzheim stammt. Die beiden Söhne sind erwachsen, erst vor wenigen Wochen ist die Enkeltochter auf die Welt gekommen.

Die Fans kennen vor allem sein Fernsehgesicht. Doch seit mehreren Jahren geht Günther Maria Halmer auch auf Lesetournee. „Fröhliche Weihnachten“ heißt es am Samstag, 8. Dezember, im Thalia-Theater in Tailfingen. Fröhlich wird‘s dabei wirklich zugehen, verspricht der Schauspieler. Er stimmt auf die Feiertage aber eher humorvoll als allzu besinnlich ein, denn „Weihnachten hat sich doch sehr verändert“. Rührselige Erzählungen wollen nicht mehr so recht passen in eine Zeit, in der Hektik und Konsum den Ursprung des Festes überlagert haben.

Günther Maria Halmer wird  an diesem Abend Geschichten von Peter Frankenfeld und dem Schriftsteller und Journalisten Axel Hacke präsentieren. Er ist für seine Lesung auch im reichhaltigen Werk von Ludwig Thoma, Erich Kästner und Somerset Maugham fündig geworden. Namen, die für Humor, aber auch Hintersinn, Satire und Tiefgang stehen. Was passt besser zu Weihnachten als ein Tannenbaum? Mit dieser rhetorischen Frage schließt sich der Kreis. „Wenn ich versuchen soll, mein Wesen zu beschreiben, dann kommt mir ein Tannenbaum in den Sinn: Immer ein bisschen zu ernst, auch wenn ein paar bunte Kugeln dran hängen.

Mit Nadeln, die stechen. „Einen Tannenbaum kann man nur schwer umarmen.“ Dies sagt Halmer über Halmer in seiner 2017 erschienenen, hoch gelobten Autobiografie. Der Titel spricht Bände: „Fliegen kann jeder – Ansichten eines Widerborstigen“.

Info Karten für die Lesung gibt es in allen Geschäftsstellen des Zollern-Alb Kurier. Beginn im Thalia in Tailfingen am Samstag, 8. Dezember, ist um 20 Uhr.

Werbeeffekt für Region könnte nicht besser sein

Kinodreh Den Drehort für den Kinofilm „Die Vergesslichkeit der Eichhörnchen“ hat die Film Commission Region Neckar-Alb vermittelt. Landrat Pauli ist begeistert, dass sich die Produktion für den Zollernalbkreis entschieden hat. Der Werbeeffekt für die Drehorte sei durch die große Reichweite von Kino und Fernsehen sehr hoch, betont auch der Leiter der Standortagentur Reutlingen, Tübingen, Zollernalb, Dr. Markus Nawroth. Der Film entsteht in Zusammenarbeit mit der SWR Nachwuchsreihe „Debüt im Dritten“ und ist eine Koproduktion von Zieglerfilm mit dem SWR und Arte. Start ist im Herbst 2019.

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