Schon zu Beginn stellt Veranstalter Frank Türke klar: „Das wird etwas anderes als eine gewöhnliche Kunstausstellung.“ Nicht etwa in der Stadthalle, wie bei den Balinger Kunstausstellungen üblich, sondern in der Frommerner Schwelhalle, einem alten Industriegebäude, findet sie statt. WON ABC, der bürgerlich Markus Müller heißt, meint: „Es sieht hier aus wie in einer endzeitlichen Kathedrale, das passt perfekt zu den Bildern.“

WON ABC und sein Münchner Kollege Cowboy 69 stehen im Fokus der Ausstellung. Den Rahmen dafür bildet die Lebensgeschichte der beiden Künstler, die sich seit Teenagertagen kennen und die sich doch komplett konträr entwickelt hat. Einer ist heute gefragter legaler Sprayer, der andere sitzt aktuell im Gefängnis.

In der Schwelhalle bekommen die Besucher richtig etwas geboten: In großen Glaskuben im Eingangsbereich wird die Biografie der beiden Hauptkünstler erläutert, ebenso wird dort die Geschichte von Graffiti nachgezeichnet. Im mittleren Teil der Halle werden Original-Werke auf Leinwand verschiedener Künstler ausgestellt: „Die hat zuvor noch niemand gesehen“, erklärt Kurator Roman Passarge. Der dritte Teil der Ausstellung widmet sich der Entwicklung von Graffiti und Street Art und zeigt internationale Beispiele: Paris, Athen, München, Berlin, Hamburg – jede Stadt und deren Graffiti haben ihren eigenen Charakter. Auch Werke aus Balingen sind zu sehen. Erklärt werden bei der Ausstellung jedoch nur die Hintergründe zum Thema Graffiti, nicht die Werke selbst: „Ich finde es nicht gut, wenn man für Kunst eine Gebrauchsanleitung bracht“, sagt Müller: „Entweder das Bild macht etwas mit einem, oder eben nicht.“

Allgemein soll es etwas lockerer zugehen, als bei einer gewöhnlichen Ausstellung: „Im Museum stößt mich diese Stille ab. Wer sagt denn, dass man Kunst ruhig auf sich wirken lassen muss? Man darf doch auch mal dabei lachen“, sagt Müller. Er wolle kein Museum, sondern viel lieber ein Amuseum (englisch: amuse = amüsieren) machen.

Dieses „Amuseum“ soll die Zeit der Ausstellung überdauern. Denn an der Frontseite der Schwelhalle wird Müller ein großes Bild eines Drachen anfertigen. Zudem sollen sich mehrere Künstler auf einer sogenannten „Hall of Fame“, einer frei zur Verfügung gestellten Wand, verewigen dürfen.

Und auch in den Köpfen soll etwas von der Ausstellung zurückbleiben: „Ich fände es schön, wenn wir mit der Ausstellung den Mut und die Offenheit zur Kreativität in den Menschen wecken könnten“, sagt Roman Passarge.

Informationen zur Ausstellung


Vernissage Eröffnet wird die Ausstellung am Freitagnachmittag mit geladenen Gästen, ab Samstag ist sie dann für die Allgemeinheit geöffnet.

Öffnungszeiten Von 8. Juni bis 8. September ist die Ausstellung täglich von 10 bis 22 Uhr geöffnet.

Rahmenprogramm Während der dreimonatigen Ausstellungszeit wird es immer wieder Veranstaltungen geben. Es sind Workshops, Diskussionsrunden und Filmvorführungen geplant.