Es ist dabei geblieben. Die frühere Pflegedienstleiterin des Zollernalb Klinikums, Annegret Lang, trat am Freitagabend konkurrenzlos zur SPD-Kandidatur für den Wahlkreis Balingen an. Keine zweite Genossin, kein zweiter Genosse wollte das beinahe unmögliche Unterfangen angehen, nach fünf SPD-losen Wahlkreis-Balingen-Jahren im Stuttgarter Landtag vielleicht doch die Nachfolge des früheren SPD-Landtagsabgeordneten Hans-Martin Haller anzutreten.

100 Prozent der Stimmen

Bei der Abstimmung erhielt die „Sozialdemokratin mit Leib und Seele“ 28 Ja-Stimmen bei 28 stimmberechtigten Anwesenden, mithin also eine 100-prozentige Zustimmung. „Das hat nicht einmal Thomas Bareiß geschafft“, meinte ein sichtbar zufriedene Kandidatin. Der SPD-Kreisvorsitzende Alexander Maute beglückwünschte sie zu ihrer Wahl und wünschte ihr viel Erfolg im Wahlkampf.

Kein normaler Wahlkampf

Ein Wahlkampf, der von seiner Struktur her nicht sein wird, wie die Wahlkämpfe, die die Menschen bisher gewohnt waren. „Wir werden uns Corona-bedingt weit weniger physisch begegnen, als dies normalerweise der Fall wäre“, so Lang. Sie lud gleichwohl die SPD-Mitglieder aller Wahlkreis-Kommunen ein – es sind derer derzeit 265 –, sich aktiv in den Wahlkampf einzubringen.

„Das Team macht Spaß“

Dies sagte ihr dann auch der SPD-Kreisvorsitzende Alexander Maute ausdrücklich zu. „Ihr seid ein Team, das Spaß auf Wahlkampf macht.“ Mit Team war neben Lang der ebenfalls mit 100 Prozent der abgegebenen Stimmen gewählte Ersatzkandidat Andreas Budisky gemeint.
Der Diplomsoziologe und Politologe arbeitet als Bereichsleiter für die Caritas in den Landkreisen Zollernalb, Rottweil und Tuttlingen im Bereich Arbeit und Integration mit Dienstsitz in Albstadt. Auch er war konkurrenzlos angetreten.

Seit zwei Wochen Genosse

In seiner Rede betonte Budisky, dass er stolz sein, der Partei anzugehören. Was aber wohl die wenigsten im Saal wussten, der Sozialarbeiter ist dies erst seit zwei Wochen, wie sein Kreisvorsitzender schmunzelnd erzählte. Aus dessen Händen erhielt Budisky dann auch das markante rote Mitgliedsbüchlein, verbunden mit den Worten: „Wir hätten dich auch ohne Parteimitgliedschaft als Ersatzkandidaten unterstützt.“ Dabei werde es für die SPD im Wahlkreis Balingen so oder so „schwer sein, ausreichend Gehör zu finden“, so Maute.

SPD muss sich strecken

Er weiß, wovon er spricht. Bei der Wahl vor fünf Jahren lieferten sich grün und schwarz im Wahlkreis Balingen mit jeweils um die 29 Prozent ein Kopf- an Kopf-Rennen, die AfD kam auf 18 Prozent. Die Genossen hingegen stürzten seinerzeit um exakt 14 Prozent von 23,9 auf 9,9 Prozent ab.
Und glaubt man den aktuellen Umfragen, dann müssen sich die Sozialdemokraten im Wahlkreis Balingen auch bei der Wahl im kommenden März wieder kräftig strecken. Landesweit liegt die SPD derzeit bei 11 Prozent.

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