Bodelshausen / Melanie Steitz  Uhr
Da Unternehmen kein Interesse haben, ein Glasfasernetz in Bodelshausen zu bauen, nimmt es die Gemeinde in die Hand.

Eigentlich sei die Kommune für den Breitbandausbau gar nicht zuständig, betont Uwe Ganzenmüller, Bürgermeister von Bodelshausen, beim Pressegespräch. Aber da die privaten Telekommunikationsunternehmen bei drei Markterkundungen kein Interesse hatten, den Glasfaserausbau in der Gemeinde Bodelshausen zu übernehmen, und es zum Marktversagen kam, stellt sich die Kommune nun auf eigene Füße und holt sich vier Kooperationspartner mit ins Boot: Netze BW, Zollernalbkreis, Zollernalb-data und KommPaktNet.

Der Wunsch, schnelles Internet flächendeckend nach Bodelshausen zu bringen, besteht schon seit längerem. So habe die Kommune Ende 2015 eine Verwaltungsvereinbarung mit Hechingen und Schömberg gehabt. Ein gemeinsames Vorgehen war aber nicht möglich, weil sich August 2016 kein Telekommunikationsunternehmen fand. „Es ändern sich ständig die Rahmenbedingungen. Deshalb sind wir froh, dass wir gute Kooperationspartner im Boot haben“, unterstreicht Uwe Ganzenmüller.

Ein neuer Partner sind die Netze BW. Sarah Frey, die Projektleiterin Breitband Süd der Netze BW, informiert, dass mit dem neuen Netz eine Breitbandsteigerung von „bis zu 50 Megabit pro Sekunde für jeden“ erreicht werden kann. Das sei auf jeden Fall eine „deutliche Verbesserung“, so der Bürgermeister.

Bis zum 31. Dezember 2020 sollen alle Verbindungen für die Gewerbetreibenden (FTTB: Fibre to the Building) und die privaten Haushalte (FTTC: Fiber to the Cabinet oder FTTB) hergestellt sein. Dann hat der Betreiber, die Zollernalb-data aus Balingen, vier Monate lang Zeit, die Trassen einzurichten. Schneller surfen können die Bodelshausener dann voraussichtlich ab Sommer 2021.

Die Gemeinde Bodelshausen ist die einzige Kommune im Landkreis Tübingen, die ein flächendeckendes Glasfaser-Breitbandnetz errichtet. Dabei kommt ihr eine „Vorreiterrolle“ zu, findet Sarah Frey. Ein weiterer Partner ist hierbei nicht der Landkreis Tübingen, sondern der Nachbar Zollernalbkreis, um einen höheren interkommunalen Fördersatz (mehr als das Doppelte) abzuschöpfen. Dabei handle es sich um „ein funktionsfähiges, passives Netz“, das so gebaut wird, dass Spätentschlossene jederzeit ihren Internetanschluss aufrüsten können (FTTC). Wer jetzt schon weiß, dass er an dem Vorhaben teil haben will, und der an der Trasse liegt (FTTB), für den werden die Kosten geringer sein. Genauere Informationen gibt es an drei Terminen im Forum Bodelshausen.

Im Juni geht’s los

Die Gemeinde steigt ab Juni in die bauliche Umsetzung des Breitbandausbaus ein; Anfang Juni ist Spatenstich. Denn die innerörtlichen Kabelverzweiger müssen förderrechtlich bis September 2019 erschlossen sein. Das Land Baden-Württemberg fördert den gesamten Breitbandausbau mit rund 865 000 Euro. Die Gemeinde Bodelshausen wird 3,4 Millionen Euro in die gesamte Erschließung investieren.

Jeweils ein Pop (Point of Presence)-Standort wird beim Rathaus und Kinderhaus Oberwiesen eingerichtet. 21 Multifunktionshäuser und 39 Netzverteiler entstehen. Die Glasfaser-Strecke wird insgesamt 9,1 Kilometer lang sein. Die Kommune startet zunächst mit dem Gewerbegebiet „West“.

Der Netzbetreiber ist die Firma Zollernalb-data. Das Balinger Unternehmen konnte sich, wie Jens Schilling, Geschäftsführer von KommPaktNetz, betont, bei der europaweiten Ausschreibung durchsetzen. Die Balinger Firma pachtet das kommunale Breitbandnetz für 15 Jahre und wird ab der Inbetriebnahme Vertragspartner für die privaten und gewerblichen Anschlussnehmer. Uwe Ganzenmüller ist erleichtert, dass die Wahl auf Zollernalb-data fiel. Das sei kein weit entferntes Call-Center, da könne man sich vor Ort beraten. Und die neuen Geschwindigkeiten im Netz? „Da machen wir alles möglich, was es am Markt gibt“, sagt Harald Eppler, der technische Geschäftsführer von Zollernalb-data.

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Infotermine gibt es im Forum Bodelshausen, Bachgasse 2: für Gewerbetreibende am Montag, 20. Mai, 14 Uhr; für Private am Montag, 20. Mai, 19 Uhr, und Donnerstag, 23. Mai, 19 Uhr.