Balingen Gefährlicher Einsatz bei Windstärke 9

Noch rückt Pascal Springer mit dem Rettungswagen aus – demnächst fliegt er mit dem Hubschrauber zur Arbeit.
Noch rückt Pascal Springer mit dem Rettungswagen aus – demnächst fliegt er mit dem Hubschrauber zur Arbeit. © Foto: Michael Würz
Balingen / Michael Würz 12.09.2018

Höhenretter bei der Feuerwehr, passionierter Bergsteiger, seit vielen Jahren Retter beim Roten Kreuz im Zollernalbkreis. Und dann auch noch einst die Ausbildung im Balinger Eyachbad. Als sein Kollege davon erfährt, dass sie auf den Plattformen in den Windparks in der Nord- und Ostsee Rettungskräfte suchen, dämmert ihm schnell: Der richtige Mann für diesen Job sitzt in Balingen. Pascal Springer, 33, könnte schaffen, was bundesweit nur wenigen gelingt. Er könnte durch das harte Auswahlverfahren kommen, das Notfallsanitäter zu Offshore-Medics macht. „Ich habe gedacht, ich versuche es einfach mal“, sagt Springer. Auch seine Frau rät ihm: „Bewirb dich einfach, dann sehen wir weiter.“

Tausende arbeiten inzwischen in der Offshore-Industrie, also vor der Küste. Für Siemens oder ThyssenKrupp beispielsweise. Doch was, wenn es etwa in einem Windrad – viele Kilometer von der Nord- und Ostseeküste entfernt – zu Unfällen oder medizinischen Notfällen kommt? Dann sind speziell ausgebildete Rettungskräfte gefragt. Keine Draufgänger, aber vielleicht doch besonders Mutige. Solche, die die Herausforderung suchen, die auch in Extremsituationen einen kühlen Kopf bewahren. Ein Job ganz nach Springers Geschmack. „Mich reizt das Unerwartbare“, sagt er. „Ich suche gerne nach Lösungen.“ Schema F ist seine Sache nicht. 
Springer reicht seine Bewerbung ein. Sämtliche YouTube-Videos zum Thema kennt er da längst in- und auswendig. Ein paar Telefonate und Videokonferenzen später reist er in diesem Sommer nach Elsfleth.

Mehrere Organisationen und Unternehmen – darunter die Johanniter, für die Springer arbeiten wird – haben ein Netzwerk gegründet, das die Sicherheit in den Windparks sicherstellt. Hier, im Assessment-Center, wollen sie nun sehen, ob die neuen Bewerber der Sache auf hoher See gewachsen sind. Wer Offshore-Medic werden will, muss in der Lage sein, sich aus einem abgestürzten Hubschrauber zu retten. „Die schwimmen immer kopfüber“, sagt Springer, als erkläre er einem Fahranfänger Gas, Bremse und Kupplung. Und natürlich müssen die Bewerber zeigen, dass sie in 13 Grad kaltem Wasser einen Menschen retten können. Der Aufstieg auf eine Windkraftübungsanlage mit schwerem Gepäck klingt dagegen schon beinahe harmlos. Doch die Bewerber müssen nicht nur topfit sein, sie müssen nebenbei auch Logikaufgaben lösen – und beweisen, dass sie geeignet sind, große Verantwortung zu übernehmen. Im Notfall sind die Retter auf hoher See auf sich selbst gestellt. Bis der Hubschrauber oder das Rettungsboot da ist, dürfen sie deshalb auch Medikamente verabreichen, die an Land nur Notärzte einsetzen dürfen. Den Bewerbern wird dementsprechend alles abverlangt – einige geben auf, einige erfüllen die Anforderungen nicht. Am Ende schaffen in diesem Durchgang nur zwei Kandidaten die harte Prüfung. Einer von ihnen: Pascal Springer aus Balingen. „Ja, der Job ist nicht ganz ungefährlich“, sagt der zweifache Vater. „Aber auch im normalen Rettungsdienst kommt es mitunter zu Unfällen auf Einsatzfahrten, häufig weil Autofahrer sich falsch verhalten.“

Nur zwei kommen durch

Die neuen Retter werden von der Pike auf für ihren harten Einsatz im Meer geschult. Im Oktober geht es für Springer los, dann wartet ein umfangreiches Ausbildungsprogramm auf den neuen Offshore-Medic. Was, zum Beispiel, ist zu tun, wenn auf einer Plattform Feuer ausbricht? Und wie noch mal genau rettet man sich unter Wasser aus einem abgestürzten Hubschrauber? Erst wenn jeder Handgriff sitzt, wird der gebürtige Hossinger seinen ersten Dienst auf hoher See antreten, entweder in der Nord- oder der Ostsee.

Pro Einsatz wird er 14 Tage lang im Windpark für die Sicherheit sorgen, ehe er wieder zu seiner Frau und seinen Kindern in Balingen zurückkehrt. Und zwischendurch die eine oder andere Schicht beim DRK Zollernalb schiebt – Ehrensache.

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