Tailfingen Hilfe für Eltern von Kindern mit AD(H)S

Eine Frau mit Ideen und Engagement: Nicole Schmidt hat selbst ein Kind mit AD(H)S.
Eine Frau mit Ideen und Engagement: Nicole Schmidt hat selbst ein Kind mit AD(H)S. © Foto: Holger Much
Tailfingen / Holger Much 27.11.2018
Nicole Schmid aus Tailfingen gründete eine Selbsthilfegruppe für Eltern von Kindern mit AD(H)S im Zollernalbkreis.

Nicole Schmidt krempelt die Ärmel hoch. Seit wenigen Monaten existiert ihre Selbsthilfegruppe für Eltern von Kindern mit AD(H)S im Zollernalbkreis. Und genau das, was der Name impliziert, möchte die 39-jährige, engagierte Mutter von drei Kindern tun: Mit der von ihr ins Leben gerufenen Gruppe möchte sie die Themen Aufmerksamkeitsdefizit- (ADS) oder Hyperaktivitätsstörung (ADHS) mehr ins Licht der Öffentlichkeit rücken, möchte aufklären, helfen und Netzwerke bilden.

Für Eltern mit Kindern mit dieser Diagnose soll die Gruppe eine Anlaufstelle sein, um sich zu treffen, auszutauschen und natürlich auch eine Sammelstelle für Informationen fachlicher Art. Denn Eltern von Kindern mit AD(H)S, so weiß Nicole Schmidt aus eigener Erfahrung, fühlen sich mit ihrer Situation oft sehr allein gelassen.

Von einem Arzt zum nächsten

Wer mit Kindern zusammen lebt, bei denen eine Aufmerksamkeitsdefizit- oder Hyperaktivitätsstörung diagnostiziert wurde, stößt des öfteren an seine Grenzen. Das weiß die Mutter dreier Kinder sehr genau. Denn ihr Sohn hat AD(H)S.

Nach der, wie sie mittlerweile auch von anderen betroffenen Eltern weiß, typischen Odyssee von einem Arzt zum nächsten – „Wir haben alle einen ähnlichen Weg hinter uns“ – wuchs in ihr die feste Überzeugung, selbst für Unterstützung und Hilfe zu sorgen. Denn die nächste Selbsthilfegruppe ist viel zu weit weg, in Metzingen. „Wir sind eine vertrauensvolle Runde, in der jeder willkommen ist“, ermutigt sie, einfach mal vorbei zu schauen: „Angesprochen sind alle, die einen kleinen ‚Zappelphilipp‘ oder ein ‚Träumerle‘ zu Hause haben und glauben, sie brauchen Unterstützung.“

Der Austausch über die Situation in der Familie sowie über die Krankheit selbst ist essenziell, betont die Mutter. Denn: „Medikamentöse Behandlung allein kann es nicht sein.“ Wichtig ist diese aber allemal, sagt sie, und erzählt, dass sie und ihr Mann einen Bericht gelesen hätten, in dem eine erwachsene Frau, die unter AD(H)S leidet, davon berichtet, wie medikamentöse Behandlung ihr Leben besser und reicher macht.

Dadurch könne sie teilhaben an Dingen, die sie zuvor „wie hinter einer dicken Glasscheibe“ erlebt habe. Auch ihr Sohn habe extrem profitiert. Nun könne er ohne Probleme Klassenarbeiten schreiben. Vor der Behandlung habe er nicht einmal damit beginnen können.

Dennoch betont sie immer wieder, dürfte man solche Menschen, die oft sehr kreativ seien, nicht als Problemfälle sehen. Ganz im Gegenteil. „Es sind ganz besondere Menschen“, sagt Nicole Schmidt. Es seien Menschen, die oft große Potenziale in bestimmten Bereichen hätten, die nur geweckt und gefördert werden müssten.

Viele Prominente Künstler und Medienleute hätten ADHS. Ein bekanntes Beispiel ist der deutsche Arzt, Autor und Kabarettist Eckart von Hirschhausen.

Ebenso wurden bei dem US-amerikanischen Rapper und Hip-Hop-Produzent Will.I.Am, bei Sänger und Schauspieler Will Smith, bei Britney Spears, Avril Lavigne, Liv Tyler, Jennifer Lopez und zahlreichen anderen erfolgreichen Künstler ADHS diagnostiziert.

Jeden dritten Dienstag im Monat

Zusammenkunft Die Treffen der Selbsthilfegruppe finden regelmäßig im evangelischen Gemeindezentrum Stiegel in Tailfingen statt, um 19.30 Uhr an jedem dritten Dienstag im Monat.

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