Mahnung, Sammelklage, Zwangsvollstreckung: Diese Begriffe in einem seriös aussehenden Schreiben lassen im ersten Moment wohl jeden aufhorchen und das Herz bei jedem schneller schlagen. Ein zweiter Blick verrät: Es geht in diesem Fall um eine hohe dreistellige Summe, die „Gewinn- und Zeitschriftenverlage“ angeblich fordern.

Darauf folgt ein vermeintlich gutes Angebot: Bezahlen Sie innerhalb der nächsten drei Tage weniger als ein Drittel der Summe, sei die Sache erledigt – ansonsten steht der Gerichtsvollzieher bald vor der Tür, der angeblich auch künftige Rentenansprüche pfänden könne. Eine Leserin unserer Zeitung ließ sich nicht überrumpeln und hat die dreiste Forderung einfach ignoriert.

Dreiste Forderungen ignorieren

Das empfiehlt auch Thomas Kalmbach, Pressesprecher der Polizei: „Wenn ich die Forderung im Schreiben nicht nachvollziehen kann, gibt's auch kein Geld – ganz einfach“, sagt er.

Wer sich also nichts hat zuschulden kommen lassen, muss auch keine Angst vor der kurzen Frist des Inkassounternehmens, das in den meisten Fällen dieser Betrugsmasche nicht einmal wirklich existiert, haben. Denn es ist ein ganz langer Weg, bis der Gerichtsvollzieher auch wirklich kommt, sagt Polizeisprecher Thomas Kalmbach.

Wer ein solches Schreiben bekommt, meldet es dennoch am besten der Polizei. „Nur so können wir im Bilde bleiben, was da draußen passiert“, sagt Kalmbach. Und wer auf die Masche hereingefallen ist, kontaktiert so schnell wie möglich seine Bank. Denn das Geld, das auch im Fall der Leserin beispielsweise auf ein rumänisches Konto hätte gezahlt werden sollen, bekommt man ansonsten höchstwahrscheinlich nicht zurück. Bei der Polizei soll man dann Anzeige erstatten, sagt Kalmbach.

Auch wenn die Hintermänner und Drahtzieher dieser Betrugsmaschen meist im Ausland sitzen und selbst nach langwierigen Ermittlungen schwer zu fassen sind, wirft Kalmbach die Flinte nicht ins Korn: „Ob wir jemanden schnappen, hängt immer vom Einzelfall ab.“

Wie man dreisten Betrug erkennt


Recherche Ist Ihnen die (Inkasso-)Firma oder der Auftraggeber nicht geläufig und haben Sie sich nichts zuschulden kommen lassen, hilft eine schnelle Internetrecherche. Verbraucherschutzzentralen und Online-Warnseiten sammeln und warnen vor den Betrugsmaschen der vermeintlichen Firmen, deren Schreiben gerade im Umlauf sind.

Auffälligkeiten Ein ausländisches Konto zur Überweisung, eine Hotline mit ausländischer Vorwahl und Rechtschreibfehler sind oftmals ein Indiz dafür, dass sie ein betrügerisches Schreiben vor sich liegen haben.

Forderung Wenn Sie nicht nachvollziehen können, was von Ihnen gefordert wird, dann reagieren Sie auch nicht. Diese Tipps gelten auch für betrügerische Telefonanrufe, bei denen Sie mit ähnlichen Maschen abgezockt werden sollen.