Der Schallschutz entlang der B27 wurde in Engstlatt seit 1983 nicht mehr verstärkt oder ausgebaut. Gleichzeitig ist der Verkehr auf der Schnellstraße stark angestiegen. Waren es 1985 noch 14 600 Fahrzeuge am Tag, wurden im vergangenen Jahr 37 100 gezählt.

Für Renate Bitzer von der Initiative „Lärmschutz für alle Bürger“ und Albert Sauter von der „Denkfabrik Zollernalb“ ist es daher Zeit zu handeln. Ihre Forderung: Die Lärmschutzwand muss um 800 Meter erweitert werden. Sie soll künftig bis zur Abfahrt Balingen Nord reichen.

Grenze liegt bei 59 Dezibel

Bisher hatten sie bei den Behörden mit ihrem Ansinnen kein Erfolg. Denn für eine sogenannte Lärmschutzsanierung werden laut Regierungspräsidium Tübingen die erforderlichen Grenzwerte nicht erreicht. Diese müssen mit 59 Dezibel weit über dem Wert liegen, der bei einem Neubau einen Lärmschutz erforderlich macht.

Neuen Messungen und Zählungen im Rahmen eines Aktionsplans sollen in diesem Sommer und Herbst zeigen, wie schlimm es in Engstlatt wirklich ist. Und so soll der Druck auf das Regierungspräsidium erhöht werden.

Zum einen ist eine vierwöchige Zählaktion geplant. Dazu wird ein Zählautomat aufgestellt, der kontinuierlich während der Zeit die Anzahl der Fahrzeuge erfasst. Dabei wird auch ermittelt, wie groß diese sind, so dass Rückschlüsse gezogen werden können, wie viele Lastwagen unterwegs sind.

„Dabei werden natürlich keine Nummernschilder gespeichert“, erklärt Renate Bitzer. Der Zählautomat scannt lediglich alle Fahrzeuge, die durch einen bestimmten Abschnitt fahren.

Eine solche Messung führte die Bürgerinitiative bereits im vergangenen Jahr durch. Allerdings nur zwei Wochen lang. Diese Ergebnisse seien nicht repräsentativ, so Renate Bitzer. In der Zeit hätte auch Schnee gelegen und da seien weniger Menschen gefahren.

Des Weiteren soll im Sommer oder Herbst eine zweitägige Verkehrslärmmessung durchgeführt werden. Diese übernimmt ein externer Dienstleister. Wichtig ist Renate Bitzer, dass die Messungen nicht in der Ferienzeit gemacht werden. Denn da fahren gewöhnlich weniger Fahrzeuge als üblich.

Die Verantwortlichen rechnen damit, dass im Winter die Ergebnisse der beiden Messungen vorliegen und dann weitere Schritte angegangen werden können.

„Wenn man die Geschwindigkeit um zehn Stundenkilometer reduziert, macht das ein bis zwei Dezibel aus“, erklärt Renate Bitzer. Eine Lärmschutzwand reduziere den Lärm hingegen um acht bis zehn Dezibel. Gerade an der Stelle, wo die Bundesstraße zwischen Engstlatt und Balingen nicht tiefer liegt als die restliche Umgebung, fehle der Lärmschutz.

Albert Sauter von der Denkfabrik Zollernalb ist wichtig, dass es einerseits funktionierende und effiziente Verkehrsadern gibt, aber andererseits auch die Anwohner nicht unter den Belastungen leiden. Beides müsse man unter einen Hut bringen, so Sauter.