„Das System hat genau so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben.“ Dr. Daniel Urban, der ärztliche Leiter der Corona-Schwerpunktambulanz, wirkt gelöst. Die Anspannung, die ihm vor einigen Tagen noch anzumerken war: verschwunden. Dabei hat der Mann eine Menge um die Ohren: 770 Patienten sind bis Freitagabend in der Balinger Sparkassenarena vorstellig geworden. Und Urban muss den Laden zusammenhalten. Der Mediziner wird hier zum Organisator, koordiniert die Abläufe.

„Lediglich am Anfang mussten wir noch ein paar Kleinigkeiten optimieren“, berichtet Urban. „Und alle mussten sich noch in das System einarbeiten.“ Jetzt aber läuft die Sache rund: „Wir sehen, dass wir hier richtig viel Kapazität im Zollernalbkreis geschaffen haben“, sagt er. „Eine echt gute Sache.“ Die Helfer in der Corona-Ambulanz sind gerüstet für die kommenden Wochen.

Arzt rät von Spekulationen ab

Wie schlimm es werden wird? Da möchte, da kann sich der Mediziner nicht festlegen. Wir rechnen damit, dass sich die Lage in den kommenden Wochen zuspitzen wird. Doch Urban ist optimistisch: „In der Schwerpunktambulanz sind wir für alles gerüstet, das haben die vergangenen Tage bereits gezeigt.“

Und: Sie haben das Konzept so angepasst, dass sie bereits mit den nun vorhandenen Ressourcen die Kapazität der Schwerpunktambulanz verdoppeln könnten. Aber Urban ist auch deshalb so zuversichtlich, weil hier, wo normalerweise der HBW Balingen-Weilstetten um Punkte kämpft, der Sportsgeist nicht verloren gegangen ist.

Die Putzfrau, Studierende, Ärzte: Alle halten zusammen

Die Putzfrau, der Hausmeister, die medizinischen Fachkräfte, Helfer, Studierende und Ärzte: Sie alle sind hier ein Team, halten zusammen, ziehen am gleichen Strang. Trotz Corona: „Hier passieren inzwischen so viele schöne Dinge“, erzählt Urban. Der Hausmeister, zum Beispiel, der auch in der Freizeit noch mit anpackt. Aber auch die Leute, die Kuchen vorbeibringen.

Und: die vielen Rückmeldungen der Patienten. „Wir bekommen Mails und Anrufe von den Leuten, die sich bedanken, wie gut hier alles läuft“, freut sich Urban. Der Teamgedanke, der hier, in der Corona-Ambulanz, von allen gelebt wird, sei eine besondere Erfahrung, sagt Urban. Der aber auch der Landkreisverwaltung und dem Zollernalb-Klinikum dankbar ist: „Da bekommen wir große Unterstützung.“

Patienten verhalten sich vorbildlich

Die Patienten tun ihr Übriges, um zum Gelingen des Projekts beizutragen: „Es läuft alles sehr ruhig und geordnet ab“, sagt Urban. „Die Patienten halten Abstand, alle nehmen unsere Regeln ernst.“ Das weiß Urban auch deshalb so genau, weil die Ordner, die sie vorsichtshalber in ihr Team geholt haben, noch nicht einmal ernsthaft eingreifen mussten.

Auch das trage – neben dem großzügigen Raumkonzept und den hohen Hygienestandards – dazu bei, dass für Patienten untereinander kaum Ansteckungsgefahr bestehe. „Die Gefahr beim Einkaufen schätze ich höher ein als bei uns“, sagt Urban.

Info 770 Patienten sind bis Freitagabend in der Sparkassenarena vorstellig geworden. 530 davon wurden zum Abstrich ins Testzentrum auf dem Messegelände geschickt, 6 in die „Desicion Unit“ der Klinik – das Corona-Zelt.

Wer vermutet, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben und unter Symptomen wie Husten oder Fieber leidet, kann sich in der Corona-Schwerpunktambulanz (Sparkassenarena) melden. Sie hat montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

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