Junge Menschen wollen sich mit Jugendkulturen vor allem eins verschaffen: Ausdruck. Dadurch entsteht die dazu passende neue Musik, eine neue Sportart, Kunst und Mode. Jugendkulturen bieten die Basis, etwas Eigenes auf die Beine stellen zu können.

Doch nicht selten ufern diese Jugendkulturen völlig aus. Diskriminierung kann dabei ein großes Problem sein. Menschen werden wegen tatsächlicher oder zugeschriebener Merkmale benachteiligt, ausgeschlossen oder angegriffen - oft, weil sie nicht ins Konzept passen. In der Ausstellung "Der zweite Blick - Vielfalt der Kulturen" versucht das "Albbündnis für Menschenrechte, gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" Jugendlichen einen Einblick in die Problembereiche von Jugendkulturen zu geben. Deshalb wird in der Ausstellung näher auf Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und Homophobie eingegangen. Der Blick für verschiedene Formen der Diskriminierung soll dadurch geschärft werden. "Der zweite Blick soll Anregungen geben, nachzudenken und die eigene Sicht zu hinterfragen", erklärte Cord Dette, Sozialarbeiter und Sprecher des Albbündnisses bei der Ausstellungseröffnung am Montag. "Es ist manchmal einfacher als gedacht und Jugendkulturen können hierfür eine wunderbare Plattform bieten." Dette verglich dies mit einem Kompass ohne Norden: Auf dem Weg zum Erwachsenwerden, setze man sich viel mit der Welt auseinander und versucht, seine eigene Identität zu finden. "Eine Jugendkultur ist zunächst ein Ausdruck mit noch undefinierbarer Ausrichtung", so der Sprecher. Daher auch das Bild mit dem Kompass ohne Norden. Trotzdem sei es wichtig, dass keine der jugendkulturellen Szenen an den Pranger gestellt werde. Eben aus diesem Grund werden Szenen thematisiert, die oft grundsätzlich verdächtigt werden, diskriminierend eingestellt zu sein. Zum Beispiel Hip Hop ist nicht grundsätzlich sexistisch und nicht alle Skinheads sind Neonazis. Nicht selten gibt es auch innerhalb einzelner Jugendkulturen eine Gegenbewegung.

Eugen Straubinger, Schulleiter der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule, hält die Ausstellung für junge Leute besonders wichtig: "Das sollte was für Schulen aus dem gesamten Landkreis sein."

Landrat Günther-Martin Pauli hält es ebenfalls für richtig, dass auf dieses Thema ein zweiter Blick geworfen wird. Ebenso müsse man erreichen, dass sich die Jugendkulturen ernst genommen fühlen. "Sie sind auch ein Teil der Gesellschaft", so der Landrat. Zudem sei es nötig, dass auch negativen Erscheinungsbildern entgegen gewirkt wird.

Info Die Ausstellung ist bis Freitag, 24. April, in der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule zu sehen. Anschließend zieht sie von Montag, 2. Mai, bis Freitag, 13. Mai, ins Schulzentrum Gymnasium/Realschule Meßstetten.