Hechingen Drogenkurier im Flixbus: Dealer vor Gericht

 Das Landgericht in Hechingen. 
 
 
Das Landgericht in Hechingen. Foto: Pascal Tonnemacher
Das Landgericht in Hechingen. Das Landgericht in Hechingen. Foto: Pascal Tonnemacher © Foto: Matthias Badura
Hechingen / Lydia Wania-Dreher 11.10.2018
Zwei Männer gaben vor dem Landgericht Hechingen zu, im großen Stil mit Marihuana gehandelt zu haben.

Sie konsumierten beide Marihuana und lernten dann einen Italiener kennen. Das hatte schwerwiegende Folgen. Die 22 und 37 Jahre alten Männer aus dem Zollernalbkreis müssen sich seit Mittwoch vor dem Landgericht Hechingen wegen vorsätzlichem, unerlaubtem Handeltreiben und der Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringen Mengen verantworten.

In seinem Geständnis beschrieb der 22-Jährige ausführlich, wie es zu den Taten kam. Er habe über einen Nachbarn einen Italiener kennengelernt. Dieser setzte sich dann ins Ausland ab, weil er wegen Körperverletzung von der Polizei gesucht wurde.

Ende 2016 habe der italienische Freund ihn wieder kontaktiert. Er sei dann mit zwei weiteren Männern in die Wohnung des Angeklagten, der damals bei seiner Mutter in Balingen wohnte, gekommen. Sein Freund hätte ihn überredet 16 Kilogramm Marihuana bei ihm zu lagern. „Er hat gesagt, dass er sonst niemanden hätte“, erklärte der Angeklagte.

In einem Koffer verpackt, versteckte er für seinen Freund die Drogen in seinem Jugendzimmer. Die Blüten hatten jedoch bereits nach einer Woche angefangen zu schimmeln. Und weil der heute 22-Jährige keinen Schimmel in der Wohnung wollte, sortierte er das befallene Material aus.

„Ich habe es in die Biotonne geworfen“, gab der Angeklagte an. Sein Freund sei etwa alle zwei Wochen vorbeigekommen und habe einen Teil des Marihuanas abgeholt. Als am Ende dann zwei Kilogramm fehlten, habe sein Freund ihn aufgefordert, die Schulden – 8000 Euro – abzuarbeiten.

Keine Kontrolle der Fracht

Er sollte als Kurier Marihuana von Österreich nach Ebingen schmuggeln. Der Angeklagte ließ sich darauf ein. Er sei mit dem Flixbus von Tübingen nach München und dann weiter nach Innsbruck gefahren. Von dort aus sei er mit dem Linienbus nach Wattens gekommen.

Dort traf er seinen italienischen Freund, übernachtete bei ihm und fuhr am nächsten Tag mit einem Koffer voll Marihuana von ihm auf die gleiche Weise wieder zurück. Am Bahnhof in Ebingen habe er die Drogen dann zum größten Teil an eine andere Person übergeben, so der Angeklagte. Zu dieser wollte er erst keine weiteren Angaben machen. Später gab er jedoch zu, dass er die Drogen am Ebinger Bahnhof auch an den zweiten Angeklagten weitergeben hatte.

Insgesamt fuhr der 22-Jährige zehn Mal nach Wattens. Die geschmuggelten Mengen hätten sich dabei von einem auf drei Kilogramm gesteigert. Für seine Kurierdienste hätte er 100 Euro pro Kilogramm erhalten. „Ich bin übers Ohr gehauen worden“, stellte der junge Mann vor Gericht fest.

500 Gramm habe er pro Fuhre selbst behalten. Dafür musste er seinem italienischen Freund 2500 Euro zahlen. Das Marihuana habe er dann zum Teil selbst konsumiert und zum Teil für das Doppelte weiterverkauft. Letzteres sei ihm jedoch schwer gefallen, da ihm die nötigen „Großabnehmer“ fehlten.

Er habe rund 80 Kunden gehabt, darunter 15 bis 20 Stammkunden „Davor habe ich noch nie mit Drogen gedealt“, sagte der Angeklagte, der teilweise auch Kokain, Amphetamine und Heroin konsumierte.

Onlinebuchungen geben Daten

Richter Dr. Hannes Breucker fragte nach, ob er im Flixbus nicht kontrolliert worden war. „Es wurde auf jeder zweiten Fahrt kontrolliert“, erzählte der Angeklagte. Doch die Polizei habe immer nur die Ausweise sehen wollen.

Einmal hätte man in seinen Rucksack geschaut. Der Frachtraum sei nie durchsucht worden. „An dem Koffer war kein Name. Ich hätte dann sagen können, dass es nicht meiner ist und das ich nur mit Handgepäck reise“, sagte der Angeklagte.

Sein Freund hätte das Ticket gezahlt, er habe es aber gebucht. Durch diese Onlinebuchungen konnte die Polizei bei ihren Ermittlungen herausfinden, wann und wie oft der Angeklagte nach Innsbruck gefahren war.

Irgendwann hätte er seinen Freund nicht mehr erreichen können. „Mir war klar, dass da was passiert ist“, sagte der Angeklagte. Die Tiroler Polizei hatte nach einem anonymen Hinweis ermittelt und konnte so eine ganze Dealerbande im Dezember 2017 festnehmen, zu der auch der Freund des Angeklagten zählte.

Die Männer und Frauen sollen in Tirol im großen Stil mit Kokain und Marihuana gedealt sowie auch den Weitertransport nach Deutschland organisiert haben. Im Gefängnis gestand ein Angeklagter die Verbindungen zur Mafia. Vor Gericht widerrief er dies jedoch. Auch der angebliche Chef, ein in Italien lebender Mann mit albanischer Staatsbürgerschaft, wurde per EU-Haftbefehl in Italien inhaftiert, wie die Kronen-Zeitung berichtet.

Im Zuge der Ermittlungen in Österreich kamen die Ermittler auf die Spur der beiden jetzt Angeklagten. Auch der 37-Jährige räumte ein, mit Marihuana gedealt zu haben. Sein Geständnis war jedoch weit weniger umfangreich, wie das des 22-Jährigen.

Die Verhandlung wird am Montag, 15. Oktober, um 9 Uhr fortgesetzt. Dabei soll auch der Freund aus Italien als Zeuge per Videoschaltung gehört werden.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel