Balingen Doktor Hirschhausen am Puls der Zeit

Eckart von Hirschhausen liebt die Nähe zu seinem Publikum.
Eckart von Hirschhausen liebt die Nähe zu seinem Publikum. © Foto: Rosalinde Conzelmann
Balingen / Rosalinde Conzelmann 17.01.2019
1800 Zuschauer ließen sich in Balingen auf eine hintergründige Zeitreise mit Eckart von Hirschhausen ein.

Wir werden alle älter, aber keiner will alt sein. Und dabei sind wir im letzten Drittel unseres Lebens viel zufriedener und gelassener. Nur eine Erkenntnis, die Eckart von Hirschhausen am Dienstag 1800 Zuhörern in der Volksbankmesse mit Leidenschaft ans Herz legt.

Der „Doc der Nation“ präsentiert sein neues Programm „Endlich“ und lässt seinem hellauf begeisterten Publikum keine Zeit innezuhalten und über das Älterwerden nachzudenken.

Stattdessen dürfen alle herzhaft lachen, mitsingen, ihr eigenes Leben reflektieren, ihre unerfüllten Wünsche äußern und bekommen eine Kurzanleitung im Beckenbodentraining oben drauf – damit die körperlichen Freuden auch noch im Alter Spaß machen – und den Tipp: „Schmeißen Sie alles, was Anti-Aging ist, in die Mülltonne.“

Eckart von Hirschhausen interagiert mit seinen Zuhörern und will Antworten, die er auch bekommt. „Ich möchte ein guter Großvater werden“, „Ich möchte einmal um die Welt reisen“, „Ich möchte heiraten und Kinder kriegen“ – nur drei Wünsche, die ihm wildfremde Menschen an diesem Abend verraten. „Ich lerne jeden Abend dazu“, sagt der Comedian und strahlt.

Hirschhausen hat viele Botschaften, wie seine Fünf-Punkte-Lebensmaxime: Nicht rauchen, sich bewegen, viel Gemüse essen, erwachsen werden, Kind bleiben. So viel Vernunft? Nein, denn Ratschlag Nr. 6 heißt: „Pfeifen Sie regelmäßig auf eins bis vier.“

Der erfolgreiche Buchautor stimmt mit seinem Publikum immer mal wieder ein Lied an, weil Musik das Leben zum Tanzen bringt – begleitet von seinem Pianisten Christoph Reuter.

Die Zuhörer – die Jüngste in der Messehalle ist 13 Jahre und heißt Julia, der Älteste ist 89 Jahre alt – staunen über den Wortwitz des Comedian. Hirschhausen ist frech, zuweilen auch tabulos.

„Mit drei ist es ein Erfolg, wenn man nicht ins Bett macht, mit 93 wieder“, witzelt er und fordert seine Zuhörer auf, loszulassen und sich dem Konsum-Tretrad zu entziehen, weil es befreit. Denn: „Alles, was wir brauchen, ist weniger.“

Er holt die Clowns der Kinderklinik Tübingen und das Rosenfelder Team des Bundesverbands der Zweithaarspezialisten auf die Bühne, weil er mit seiner Stiftung Gutes tut und darüber spricht und erzählt, dass seine Großeltern in Sulz und Freudenstadt lebten.

Der Doc kann aber auch nachdenklich und offenbart sich als Weltretter. Er sorgt sich um die Erde, weil es keinen Plan B für unseren Planeten gibt. Das habe er von Schimpansenmutter Dr. Jane Goodall gelernt.

Die Welt sei nämlich unser Wohnzimmer. „Und wer von Ihnen kackt regelmäßig in sein Wohnzimmer?“, fragt er provokant. Er fordert mehr politische Entscheidungen und ist überzeugt, dass Humor die Welt retten kann.

Er ist politisch – „wir brauchen bessere Pflege und Zuwanderung“ – und erinnert daran, dass Deutschland schon einmal Millionen Flüchtlinge aufgenommen hat, darunter auch seine Großeltern.

Pessimisten und Meckerern zeigt er die rote Karte. Weil es nicht besser wird, wenn man alles schlecht redet und, weil die Gegenwart das schönste Geschenk ist. „Suchen Sie sich positive Vorbilder“, ruft er seinem Publikum zu und verneigt sich. „Sie waren toll.“

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