Zollernalbkreis / Pascal Tonnemacher Das Gesundheitsamt meldet nach 2011 erstmals wieder bestätigte Fälle. Impfmüdigkeit, aber auch die Fasnet spielen bei Ausbruch und Verbreitung wohl eine Rolle.

Gut sieben Jahre lang waren die Masern im Zollernalbkreis ausgerottet. Im Januar und vor allem in den vergangenen zwei Wochen ist die Krankheit zurückgekehrt. Sechs Fälle sind dem Gesundheitsamt bis zum Montag gemeldet worden, fünf davon in den vergangenen zwei Wochen.

Landesweit sind es bislang 30 Fälle, meldet das Landesgesundheitsamt. In keinem anderen Land- oder Stadtkreis gibt es so viele Fälle wie im Zollernalbkreis.

Erkrankte waren nicht geimpft

In vier Fällen ist bereits klar: Der Erkrankte war ungeimpft. Zwei Fälle sind noch offen. Betroffen sind Jugendliche und Erwachsene im Alter von 13 bis 44 Jahren, sagt das Gesundheitsamt. Maserninfektionen bei geimpften Personen treten bislang sehr selten auf, so das Gesundheitsamt.

Hohe Impfquote bedeutet niedrige Erkrankungsrate: Die Masernimpfquoten sind nach dieser Rechnung in Deutschland und wohl auch im Zollernalbkreis noch zu niedrig. „Eine gewisse Impfmüdigkeit“ vermutet das Gesundheitsamt in Teilen der Bevölkerung.

Aber auch der Besuch von Veranstaltungen während der Fasnet könnten ferner bei der Verbreitung der aktuellen Masernviren mitgeholfen haben, vermutet das Gesundheitsamt. Husten, Niesen, Sprechen: Die sehr ansteckenden Masernviren verbreiten sich in kleinen Speicheltröpfchen über die Luft und werden von anderen eingeatmet, selbst aus einigen Metern Entfernung.

Damit sich die Krankheit nun nicht noch weiterverbreitet, rät das Gesundheitsamt dringend zu konsequenten Impfungen. Denn wer die Masern noch nicht durchgemacht hat oder nicht durch eine vollständige Impfung geschützt ist, kann daran erkranken. Säuglinge, die noch zu jung zum Impfen sind sowie Jugendliche und Erwachsene, bei denen Impfungen versäumt wurden, sind deshalb besonders gefährdet.

Aber auch geschwächte Menschen, die selbst nicht gegen Masern geimpft werden können, sind den Gefahren der Krankheit und damit möglichen Komplikationen wie einer Mittelohrentzündung, Atemwegs- oder Lungenentzündungen sowie Gehirnentzündungen wehrlos ausgesetzt.

Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Impfung gegen Masern bei Kindern in zwei Schritten: Die erste Impfung sollte im Alter von elf bis 14 Monaten und die zweite Impfung frühestens vier Wochen nach der ersten Impfung und spätestens gegen Ende des zweiten Lebensjahres erfolgen. Erst dann ist die empfohlene Impfreihe zum Schutz vor Masern vollständig.

Bei ungeimpften Kindern und Jugendlichen sollte die Impfung laut Gesundheitsamt so schnell wie möglich mit zwei Impfdosen nachgeholt werden. Erwachsenen, die nach 1970 geboren sind, wird eine Impfung empfohlen, wenn sie gar nicht oder nur einmal in der Kindheit gegen Masern geimpft sind.

Das gelte auch bei einem unklaren Impfstatus. Sie erhalten eine einmalige Impfung. Ein Impfversagen wird laut Gesundheitsamt in Studien bei zweimaliger Impfung mit bis zu 99 Prozent ausgeschlossen. Nach einer einmaligen Masern-Mumps-Röteln-Impfung wurde eine Schutzwirkung von 94 bis 95 Prozent berechnet.

Für die Beurteilung der seltenen Fälle eines möglichen Impfversagens muss jeder Masernverdacht bei geimpften Patienten labordiagnostisch abgeklärt werden.

Info Das Gesundheitsamt des Zollernalbkreises steht für weitere Fragen aus der Bevölkerung unter Telefon 07471/9309-1568 zur Verfügung.