Nach wochenlanger Pause und zuletzt abflachender Resonanz sind sie zurück: Landrat Günther-Martin Pauli und sein Online-Bürgerdialog. Nach dem Lockdown, also den strikten Einschränkungen, hat sich die Situation im Zollernalbklinikum verändert. Mit vor der Kamera live auf Facebook war deshalb am Donnerstagabend Dr. Gerhard Hinger.

Operationen werden nachgeholt

Schritt für Schritt geht die Klinik zurück in einen etwas normaleren Modus: So würden die wegen der Pandemie abgesagten planbaren Operationen nun nachgeholt. Erste Termine seien bereits vereinbart.
Im Sommer werden zudem außerplanmäßig die Kapazitäten für Operationen hochgefahren. Hinger rät Patienten, diese Möglichkeit zu nutzen und sich zu melden.
Das Krankenhaus sei trotz der vielen Covid-19-Patienten in der Vergangenheit sicher. Die Patienten werden weiterhin auf das Coronavirus getestet. Die Kliniken bieten wieder das volle Spektrum an, sagte Hinger.

Normalbetrieb kehrt wieder ein

Auch in den Medizinischen Versorgungszentren der Gynäkologie und Neurochirurgie in Albstadt und Balingen sei wieder Normalbetrieb eingekehrt – mit verstärkten Hygienemaßnahmen.
Trotz der vielen Lockerungen in verschiedenen Bereichen weist der Klinikchef darauf hin: Es gilt noch immer die Regel, dass nur ein Besucher pro Patient und pro Tag ins Zollernalbklinikum kommen kann. Es gebe auch weiterhin eine Eingangskontrolle und das Akkreditierungszelt.

Virus nicht in die Klinik einschleppen

Dass sich offenbar Patienten heimlich mit der Familie vor der Klinik treffen, hält er für kontraproduktiv. So würden die Schutzmaßnahmen ausgehebelt. „Sie nehmen dann möglicherweise das Virus mit zurück in die Klinik“, sagte Hinger.
Auch wenn es in der Sommerhitze lästig sei: „Es macht noch immer Sinn, eine Maske zu tragen und Abstand zu halten“, sagte Hinger. Im Zollernalbkreis werden aktuell rund 50 Tests täglich gemacht, sowohl bei Hausärzten als auch in der Schwerpunktambulanz und der Klinik.

Zukunft bleibt unklar

„Wir haben weiter keine Sicherheit, wie es weitergeht“, sagte Landrat Pauli. Das Risiko, Infizierte und eine Dunkelziffer werden bleiben. Das haben auch die Infektionen bei Urlaubsrückkehrern zuletzt gezeigt. Es sei sehr mühselig, diese wieder einzufangen.
Deshalb will man weiter „vor der Lage“ bleiben, wie schon bei der ersten Welle. Und bereitet sich deshalb im Zollernalbklinikum auf eine mögliche, für die kalte Jahreszeiten befürchtete, zweite Welle an Coronavirus-Infektionen vor. So sei die Schutzausrüstung zu moderateren Preisen aufgestockt worden, es gebe keinen Engpass mehr.

Klinik will auf mögliche zweite Welle vorbereitet sein

Die Krankheit habe man zudem, trotz vieler offener Fragen, etwas kennengelernt. Die Organisation in der Klinik sei eingespielt und man habe Erfahrungen gesammelt. Die Corona-Task-Force in der Klinik könne schnell reaktiviert werden und Entscheidungen treffen.
Hinger hofft und geht gleichzeitig davon aus, dass die Situation nicht wieder so heftig werde und man diese Notfallmaßnahmen nicht brauchen wird. Das bedeutet auch: keine Zelte, keine Decision-Units mehr im besten Fall.

Coronakrise kommt Klinik teuer

Ein anderes großes Thema für Pauli und Hinger: die Finanzen. „Die Coronakrise hat viel Geld gekostet“, sagte Klinikchef Hinger. Mangelnde Schutzkleidung, die zu exorbitant hohen Preisen hätte gekauft werden müssen, zusätzliches Personal und abgesagte Operationen haben ihre wirtschaftlichen Spuren hinterlassen.
Der Klinikchef habe auch – bislang vergeblich – gehofft, dass es flächendeckende Mittel gebe, um dem Pflegepersonal einen steuerfreien Bonus zu bezahlen. Hinger betont aber, dass alle Klinikmitarbeiter maximal gefordert gewesen seien. Er könne dick und fett unterstreichen, dass alle einen hervorragenden Job gemacht hätten.

Ausgleichszahlungen reichen nicht aus

Dass es Gerüchte gebe, wonach sich Kliniken in der Krise nun „gesund stoßen“, ärgert Hinger. Es würden zwar alle Zuschüsse beantragt. Doch die Ausgleichszahlungen, die die Klinik für vorgehaltene Betten bekomme, decken laut dem Klinikchef nicht einmal die Fixkosten. 560 Euro bekomme man pro Bett und Tag, bei benötigten 590 Euro, rechnete Hinger vor.
Stärker spezialisierte Klinken bekommen laut Hinger höhere Ausgleichszahlungen. Das sei ein System, dass man zwar hinnehmen müsse, aber auch kritisch diskutieren könne. „Wir müssen und wollen für alle Erkrankungen da sein“, sagte Hinger.

Kinderklinik wird weiter geplant

Das gilt auch für die kleineren Patienten. Die wie berichtet geplante Kinderklinik ist laut Hinger weiter in Planung. Mitte Juli werde ein Architekturbüro zur Umgestaltung des Gebäudes ausgesucht. Trotz Corona halte der Landkreis weiter an dem Vorhaben fest.
Dass das zukünftige Zentralklinikum ideal ist, betonen Pauli und Hinger im Zusammenhang mit der Coronakrise immer wieder. Dort könne auch die neue Kinderklinik oder auch die geplante Palliativstation und andere Abteilungen integriert werden.

Vorteile einer Zentralklinik sind Thema

Die Weiterbildungen könnten an einem Standort besser angeboten werden. Auch die Personalgewinnung werde vereinfacht. Denn die ist im ländlichen Raum besonders schwierig, daraus will Hinger keinen Hehl machen.
Doch der Landrat hält nach eigenen Angaben Wort und investiert bis zur Eröffnung der Zentralklinik in die aktuellen Standorte. So gehe der Bau der Zentralen Notaufnahme in Albstadt termingerecht voran, berichtete Hinger. Voraussichtlich im April nächsten Jahres könne man diese in Betrieb nehmen.

Keine Zwangsenteignungen geplant

Dass im Zuge der Grundstücksverhandlungen für das Zentralklinikum öffentlich von Zwangsenteignungen gesprochen werde, ärgert den Landrat.
Er spielt damit auf Medienberichte zur sogenannten „kalten Enteignung“ an. Dabei geht es um einen erzwungen Grundstückstausch für verkaufsunwillige Grundstückseigentümer. Das Interesse der Allgemeinheit an der Nutzung des Bodens macht das laut dem Bundesgerichtshof möglich.
Pauli glaube aber, dass die Bürger vernünftig seien – und dass Eigentum verpflichte. „Zwangsenteignungen sind nie geplant gewesen“, sagte der Landrat.
Info: Der Landrat will den Bürgerdialog in der kommenden Woche fortführen. Dann stehe er Rede und Antwort zum Thema Nahverkehr und Mobilität.

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