Zollernalb-Landrat Günther-Martin Pauli hatte vor einigen Wochen zumindest angedeutet, dass die vielen Skifahrer, die zu Beginn der Corona-Pandemie in betroffenen Gebieten im Urlaub waren, und der zeitgleiche Höhepunkt der diesjährigen Fasnetssaison durchaus mit zu den Gründen für die hohen Zahlen gehören können.

Landratsamt: Kein echter lokaler „Hotspot“

Wir haben dieser Tage noch einmal beim Landratsamt um explizite Aufklärung gebeten und folgende ausführliche Antwort erhalten, die wir wie folgt im Wortlaut zitieren:
„Trotz inzwischen intensiver Recherchen konnte im Zollernalbkreis ein echter „Hotspot“, also ein Ort, an dem eine massive Weiterverbreitung der Viren stattfand, nicht ausgemacht werden.
Tatsache ist, dass im Zollernalbkreis über die gesamte Fläche hinweg immer wieder neue Infektionen festgestellt wurden. Auch durch teilweise mehrfache Befragungen Infizierter konnten keine Gemeinsamkeiten herausgearbeitet werden, die zu der Vermutung eines einzigen Ansteckungsherdes Anlass gibt.
Vielmehr muss festgestellt werden, dass der Zollernalbkreis in Baden-Württemberg einer der ersten Landkreise war, in dem das Corona-Virus nachgewiesen wurde. Eine Nachverfolgung der Teilnehmer der ersten Skigruppe aus Südtirol erfolgte, und dort wurde entsprechend Quarantäne verhängt.

Früher Mangel an Testkapazitäten

Wie viele Skifahrer in dieser Zeit noch aus Südtirol oder anderen Skiregionen vermeintlich gesund zurückkehrten, ist nicht bekannt. Seinerzeit gab es aufgrund des allgemeinen Mangels an Testkapazitäten keine Möglichkeit, symptomlose Reiserückkehrer oder Kontaktpersonen auf Sars-CoV-2 zu überprüfen.
Durch die stringenten Vorgaben des RKI zu Testindikationen und deutschlandweit geringer Laborkapazitäten ist für den Zollernalbkreis wertvolle Zeit verstrichen. So konnten symptomlose Virenträger die Infektion auf viele weitere Personen verteilen, von denen ebenfalls nur einige entsprechende Symptome zeigten.

Nur die Spitze des Eisbergs entdeckt

Nur von diesen Personen konnte ein Abstrich gemacht werden. Erst nachdem im Zollernalbkreis durch das ZakLab ausreichend Laborkapazität zur Verfügung stand, konnte großzügiger abgestrichen werden.
Dies führte in der Anfangsphase des Ausbreitungsgeschehens dazu, dass nur „die Spitze des Eisbergs“ entdeckt und verfolgt werden konnte, während der größte Teil der Ausbreitung durch vermeintlich Gesunde unter der Oberfläche erfolgte.

Noch keine Entwarnung

Diese Situation konnte erst eingefangen werden, als die Kontaktbeschränkungen der Corona-Verordnung griffen. Dadurch wurde die Verbreitung des Virus von Menschen, die sich gesund fühlen, auf andere unterbrochen.
Noch ist das Virus im Landkreis vorhanden. Für eine Entwarnung ist es noch viel zu früh. Wir behalten weiterhin mit bedacht die Entwicklungen wachsam im Blick.“ Soweit das Landratsamt in seiner aktuellen Stellungnahme.

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